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Harninkontinenz: Interdisziplinäre Therapie bei neurologischen Erkrankungen

06.08.07.

Harninkontinenz bei neurologischen Erkrankungen

Shutterstock

Die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg hat ein neues neuro-urologisches Zentrum eingerichtet. Sie bietet Patienten, die aufgrund einer neurologischen Erkrankung an Inkontinenz und anderen Funktionsstörungen der Blase leiden, dort eine umfassende Behandlung an.

„Patienten mit komplexen neurologischen Erkrankungen haben oft keine Kontrolle mehr über ihre Harnblase“, erklärt Priv.-Doz. Dr. André Reitz, Leiter der Abteilung Neuro-Urologie. Ohne Behandlung drohen schwere Komplikationen wie chronische Harnwegsinfektionen und Nierenversagen bis hin zur Dialysepflichtigkeit. Ziel des neuro-urologischen Zentrums ist es, den Patienten eine umfassende diagnostische Abklärung und Therapie aus einer Hand anzubieten.

Lebensqualität und Selbstwertgefühl wieder herstellen

„Harninkontinenz ist ein Tabuthema. Viele Patienten vermeiden aus Angst oder Scham einen Arztbesuch und finden sich mit ihrer Inkontinenz ab“, berichtet Dr. Reitz. Dabei sei oft eine wirksame Behandlung möglich; Lebensqualität und Selbstwertgefühl könnten wieder hergestellt, Komplikationen vermieden werden.

Bei einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen ist eine Abklärung der Blasenfunktion erforderlich. Eine Querschnittslähmung – z. B. auf einer angeborenen Spaltbildung der Wirbelsäule (Spina bifida) oder einem Unfall beruhend – oder auch Tumoren der Wirbelsäule, ein Bandscheibenvorfall oder Osteoporose können Ursachen von Blasenfunktionsstörungen sein. Degenerative Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und Demenz werden ebenfalls oft von einer Harninkontinenz begleitet. Dies gilt auch für Schädelhirntrauma, Schlaganfall oder Tumoren des Zentralen Nervensystems.

Die medizinische Versorgung dieser Patienten stellt hohe Ansprüche: Viele sind an den Rollstuhl gebunden oder müssen im Liegen versorgt werden. Sie leiden unter zusätzlichen Problemen wie Spastik und Stuhlinkontinenz, sind aufgelegen oder haben andere Leistungseinschränkungen.

Injektion mit Botulinumtoxin reguliert hyperaktive Blase

Patienten mit neurologischen Erkrankungen leiden häufig an einer Überaktivität der Blase, die üblicherweise zunächst mit Medikamenten behandelt wird. Bei mangelnder Wirksamkeit oder starken Nebenwirkungen kann im neuro-urologischen Zentrum in Heidelberg die Injektion des Nervengifts Botulinumtoxin in den Blasenmuskel erfolgen. Eine einzelne Injektion kontrolliert die Inkontinenz bis zu einem Jahr; danach die kann die Behandlung wiederholt werden. Der Eingriff wird in der Regel in Lokalanästhesie vorgenommen und dauert etwa 15 Minuten.

Eine weitere Therapieoption bei überaktiver Blase ist die sakrale Neuromodulation, bei der die gestörte Blasenfunktion durch elektrische Nervenstimulation reguliert wird. Das Behandlungsspektrum wird durch eine Reihe von unterschiedlichen Inkontinenzoperationen abgerundet. Dazu zählen z. B. Implantationen von Urethralbändern und künstlichen Harnröhren-Schließmuskelsystemen.

Quelle: Universität Heidelberg

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