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Compliance – Eigenverantwortung in der MS-Therapie

Erfolgreiche Langzeit-Therapie erfordert Zusammenarbeit von Arzt und Patient: Der englische Begriff Compliance, zu deutsch: Bereitschaft oder Einwilligung, bezeichnet in der Medizin die Bereitschaft des Patienten, an diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sorgfältig, regelmäßig und verantwortungsvoll mitzuarbeiten. Die so genannte „Verordnungstreue“ beinhaltet für den Erkrankten, Medikamente gemäß der ärztlichen Verschreibung einzusetzen, um auch bei Langzeit-Therapien den gewünschten Erfolg zu erreichen. Bei Multipler Sklerose ist angesichts der hohen Therapieabbruchrate eine auf Vertrauen und Zuverlässigkeit basierende Kooperation zwischen Arzt und Patient zur Erhaltung der Compliance unerlässlich.

Bei Missachtung der ärztlichen Anordnungen und Nicht- oder Falscheinnahme von Medikamenten kann der therapeutische Effekt nicht oder nicht vollständig erreicht werden. Die Verschreibung weiterer Medikamente durch den Arzt, der von einer vermeintlichen Nichtwirksamkeit ausgeht, kann die Problematik verschärfen. Diese Schwierigkeiten in Bezug auf die eigenständige Verwendung von Medikamenten durch Patienten sind Ärzten im gesamten Gesundheitswesen bekannt. Gerade bei einer MS-Erkrankung ist die Aufrechterhaltung der Bereitschaft zur Mitarbeit seitens des Patienten wichtig, da die positiven Auswirkungen von Langzeit- Therapien auf die Verminderung und Verzögerung von Schüben belegt ist.

Probleme bei Langzeit-Therapien

Bei Kurzzeit-Therapien, die zur Bekämpfung von akuten Schüben oder einzelnen Symptomen angewendet werden, ist der Aspekt der Compliance in der Regel wenig problematisch. Die sorgfältige Befolgung der ärztlichen Anweisungen und die regelmäßige Anwendung der richtig dosierten Medikamente werden eher bei Langzeit-Therapien vernachlässigt.

Der Grund hierfür ist in der Regel darin zu sehen, dass der Effekt der Langzeitbehandlung für den Patienten nicht unmittelbar spürbar ist und daraus der Eindruck resultiert, dass es zu keiner Verbesserung des Krankheitszustandes kommt. Bei der Erstmanifestation von Multipler Sklerose sind Betroffene in der Regel zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die tägliche Einhaltung der Medikation bedeutet vielfach eine Einschränkung des vorher unbeschwerten Lebens und dies kann auf Dauer zur Vernachlässigung der ärztlichen Anordnungen führen. Ist die Selbstbehandlung – wie bei subkutaner oder intramuskulärer Verabreichung – zudem mit einer gewissen Selbstüberwindung aufgrund unangenehmer Begleiterscheinungen wie Rötungen oder Schmerzen verbunden, ist die Gefahr eines Therapieabbruchs hoch.

Ursachen für Non-Compliance und deren Vermeidung

Die mangelnde Bereitschaft (Non-Compliance) ärztliche Anordnungen einzuhalten, ist neben den genannten Faktoren vor allem auf Begleiterscheinungen der Krankheit wie zeitweise Depression und ein geringes Selbstwertgefühl zurückzuführen. Wenn Medikamente durch das Ausbleiben einer direkten Verbesserung als uneffektiv empfunden werden, kommt Misstrauen in die Wirksamkeit der Therapie dazu. Auch eine fehlende familiäre Unterstützung des Patienten und dessen Behandlung kann als mindernder Faktor für die Compliance wirken. Um die Eigenverantwortung und Mitarbeit zu fördern, muss von pflegerischer und ärztlicher Seite versucht werden, den Standpunkt des Patienten und dessen individuellen Situation nachzuvollziehen. Von zentraler Bedeutung ist hierfür das Schaffen einer positiven und vertrauensvollen Beziehung zwischen Arzt und Patient, die durch intensive Gespräche über Erkrankung, Behandlungsmöglichkeiten und Erwartungen gefördert werden kann. Gerade der Aspekt der subjektiven Wirkungswahrnehmung der Therapie sollte klar angesprochen und diesem eine Abschätzung des objektiv zu erwartenden Behandlungserfolgs gegenübergestellt werden.

Die Auswahl des zu verabreichenden Medikaments und eventueller unterstützender Maßnahmen sollte persönliche Umstände, die einen Einfluss auf die Durchführung der Therapie haben, berücksichtigen. Eine genaue Schulung in der Verabreichung sowie eine sorgsame Kontrolle der Dosierung sind für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medikamenten unerlässlich. Die Einbeziehung der Angehörigen des Betroffenen in die Gespräche fördert besonders die psychische Unterstützung des Patienten durch Vertraute, die durch Aufklärung und Information die Compliance des Erkrankten reell einschätzen lernen.

Die Einhaltung von ärztlichen Anweisungen in der Langzeit-Therapie von MS stellt besondere Anforderungen an Patienten, Ärzte und Pflegepersonal. Patienten müssen sich der Wichtigkeit und Wirksamkeit der verordneten Therapie bewusst sein. Ärzte können mit einer vertrauensvollen und transparenten Aufklärung die Bereitschaft des Patienten, sich den Herausforderungen einer Langzeit-Therapie zu stellen, unterstützen und damit ebenso aktiv zur Erhaltung der Compliance beitragen.

Barbara Kliem

04.07.06

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