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Gut platziert: Leben im Pflegeheim

Rundum Pflege und trotzdem frei

Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen Wohnheimen und Pflegeheimen. Während bei Wohnheimen die Integration in ein stabiles soziales Umfeld im Vordergrund steht, geht es bei Pflegeheimen hauptsächlich um die Möglichkeit einer 24-Stunden-Betreuung. MS-Patienten in Pflegeheimen sind teilweise oder vollständig von Dritten abhängig, trotzdem fällt die Entscheidung, das Leben in einer solchen Einrichtung zu verbringen, Betroffenen nicht leicht.

Die Angst vor sozialer Abschottung ist besonders groß, da die oft noch jungen Patienten in Pflegeheimen untergebracht werden, die man gemeinhin auch als Altersheime bezeichnet. Mehrere Jahrzehnte, ganz andere Krankheitsbilder und auch banale Dinge (z. B. unterschiedlichen Gesprächsthemen) trennen die vergleichsweise jungen Patienten von ihren Mitbewohnern. Für viele Betroffene ist es auch problematisch, wenn es aufgrund von Alzheimer oder Altersdemenz überhaupt keine Gesprächsthemen mehr gibt. Die jungen und mental völlig gesunden Heimbewohner leiden dann besonders unter dem „Problem der Fehlplatzierung mit seinen negativen Folgen für die psychosoziale Situation der Betroffenen“, wie es schon im Bericht der Bundesregierung über die Lage der Behinderten und die Entwicklung der Rehabilitation aus dem Jahr 1989 heißt.

Kultur im Pflegeheim?

Noch heute leiden junge Menschen unter derartigen „Fehlplatzierungen“, doch inzwischen gibt es deutschlandweit einige Pflegeheime, die sich auf Patienten bis etwa 60 Jahre oder sogar ganz konkret auf MS-Erkrankte spezialisiert haben. Diese Heime bieten oft über die Pflege hinaus ein kulturelles Programm, das beispielsweise Theater- oder Kinobesuche beinhaltet. Zudem gibt es Gesprächsrunden, bei denen Menschen diskutieren können, die sich in der gleichen Lage befinden wie andere Betroffene. Man ähnelt sich in Alter und damit auch in Interessen, sodass vielmehr der Eindruck einer Wohngemeinschaft als der einer Pflegeeinrichtung entsteht. Hier heißt es nicht: entweder rundum Pflege oder soziale Integration; es ist beides zusammen möglich.

Ausreichendes Angebot sicherstellen

Individuell angepasste Pflege gepaart mit einem „jungen“ Kulturangebot, bietet beste Chancen auf eine gute Rehabilitation. Auch die Angst vor Fremdbestimmung findet hier nur noch wenig Raum, da man sich in seinem Wohnumfeld, soweit es die Krankheit erlaubt, frei bewegen kann. Solche Pflegeheime machen eher den Eindruck einer betreuten Wohngemeinschaft als den eines klassischen „Altenheimes“.

Für Betroffene wäre es zu wünschen, wenn das bundesweite Angebot solcher Einrichtungen weiter verbreitet wäre, denn oft liegen diese Pflegeheime weit entfernt vom ursprünglichen Wohnort, was das Aufrechterhalten sozialer Kontakte außerhalb des Pflegeheims sowie familiärer Beziehungen erschwert. Die Tatsache, dass es jedoch mittlerweile überhaupt Pflegeheime für junge Menschen gibt, lässt darauf hoffen, dass man die Notwendigkeit solcher Einrichtungen erkannt hat und ihre Zahl in Zukunft steigen wird.

Quelle: Eva Giersiefer

07.12.08

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