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Hippotherapie: Ein Pferd als „Therapeut “

Bewegung ist eine Voraussetzung für menschliches Wohlbefinden. Der bewegungsbehinderte Mensch muss sich dabei helfen lassen. Er braucht manchmal sogar ein Pferd als „Therapeuten“.

„Das ist schon ein besonderes Erlebnis!“ erzählt der 42-jährige Andreas Upmann aus Siegen gut gelaunt von seiner Erfahrung mit der Reittherapie. Er war zunächst sehr überrascht,als ihm der Arzt vor vier Jahren, zu Beginn seiner ersten Kur in Bad Wildungen, die Hippotherapie zur Unterstützung anderer krankengymnastischer Übungen empfohlen hatte. „Da waren zuerst einmal einige Fragezeichen: Was soll ich denn auf einem Pferd?“ Andreas Upmann ist vor sechs Jahren an Multipler Sklerose erkrankt. Der Dachdecker, Anstreicher und Maler kann aufgrund der Erkrankung seinen Beruf nicht mehr ausüben. Er leidet an Gleichgewichtsstörungen, fühlt seit zwei Jahren ein Kribbeln in den Händen und hat eine Spastik im linken Bein.Die Kraft in seinen Beinen lässt langsam nach, und daher ist auch seine Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Trotz anfänglicher Bedenken („Ich hatte vorher ja noch nie auf einem Pferd gesessen“) hat er sich zur Hippotherapie im Reittherapiezentrum entschlossen.

Die Hippotherapie ist eine spezielle physiotherapeutische Maßnahme, die sich des Pferdes als „lebendes Übungsgeräts“ bedient. Sie erzielt bei bestimmten Erkrankungen, wie z. B. der MS, therapeutische Wirkungen, die herkömmliche Methoden ergänzen und in ihren Erfolgen teilweise sogar übertreffen. Durch die Bewegungen des Pferdes werden Schwingungsimpulse auf den Menschen übertragen. Der mehrdimensionale Schwingungsrhythmus des Pferdes in der Gangart „Schritt“ ist dem Bewegungsmuster des menschlichen Gangs verwandt. Diese Bewegungsübereinstimmung von Mensch und Pferd ist die Grundlage der besonderen Wirkung der Hippotherapie. Der Patient setzt sich sozusagen in die Schwingungsimpulse. Dies trainiert die Geschicklichkeit sowie die Feinabstimmung von Bewegung und Schnelligkeit. Gleichgewicht, Symmetrie der Bewegung, Rhythmusfähigkeit und Ausdauer werden auf diese Weise geschult. „Die Therapie tut mir sehr gut“,sagt Andreas Upmann. „Ich merke ganz deutlich, dass ich nach nur 20 Minuten auf dem Pferd wieder viel besser laufen kann. Ich fühle mich während und nach der Therapie wesentlich besser und die Wirkung hält auch tagelang an. Das schafft die „normale“ Physiotherapie bei mir einfach nicht. Das Reiten fand ich sofort gut. Ich fühle mich dabei wohl und sicher. Freue mich immer wieder darauf.“

Um dem Patienten dieses Gefühl der Sicherheit zu geben, bedarf es qualifizierter Mitarbeiter und ruhiger Pferde, die speziell für die Therapie ausgebildet werden. „Hippotherapie darf nur von Physiotherapeuten mit einer Hippotherapie-Lizenz durchgeführt werden, die vom deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten (DKThR) anerkannt ist. Und nur bei artgerechter Haltung wird ein Pferd psychisch so stabil, dass es für die Arbeit mit dem kranken und behinderten Menschen eingesetzt werden kann“, erklärt Thekla Pfeiffer, Inhaberin des Reittherapiezentrums in Bad Wildungen.Von ihren 20 Pferden hat sie drei für die Reittherapie ausgebildet. Die großen, kräftigen Tiere können mühelos auch zwei Menschen tragen. Bei besonders schwer Erkrankten, beispielsweise schwer behinderten Kindern oder noch ängstlichen Patienten, reitet die Therapeutin auch schon mal mit. Sie sitzt dabei hinter dem Patienten. Das Reiten (Gehen in der Gangart Schritt) erfolgt immer ohne Sattel, damit eine optimale Schwingungsübertragung gewährleistet ist.

REGINA RAAB

29.03.07

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