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Multiple Sklerose und Schwangerschaft: Gezielte Information ist notwendig

Schwangerschaft und die ersten Monate nach einer Entbindung wirken sich in unterschiedlicher Weise auf den Krankheitsverlauf einer Multiplen Sklerose (MS) aus. Eine Studie aus der Klinik für Neurologie der Universität Lübeck zeigt, dass bei MS-Patientinnen Informationsbedarf zu diesem Thema besteht.

Frauen erkranken annähernd doppelt so häufig an einer Multiplen Sklerose wie Männer. Die Diagnose wird bei den meisten Betroffenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren gestellt. Damit fällt der Beginn der Erkrankung in vielen Fällen in eine Lebensphase, in der ein konkreter Kinderwunsch besteht. Wie wissenschaftliche Untersuchungen in den zurückliegenden Jahren gezeigt haben, führen eine Schwangerschaft und der Zeitraum nach der Entbindung zu typischen Veränderungen im Krankheitsverlauf der MS.

Krankheitsverlauf bei bestehender Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft kommt es zu einem eher günstigeren Krankheitsverlauf der MS. Es treten beispielsweise insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft seltener Schübe auf. In den ersten drei Monaten nach der Geburt nimmt dagegen in vielen Fällen die Krankheitsaktivität zu, Schübe treten im Durchschnitt häufiger auf. Inwieweit MS-Patientinnen über diese Wechselwirkungen informiert sind und auf welcher Grundlage sie Entscheidungen bezüglich ihrer Familienplanung treffen, wurde bisher noch nicht untersucht und stellte ein Ziel der Studie dar.

Darüber hinaus war es ein weiteres Ziel, zu erfassen, wie Betroffene selbst ihren Krankheitsverlauf während und nach einer Schwangerschaft erleben. Es wurde an insgesamt 300 Patientinnen im Alter zwischen 18 und 56 Jahren ein zu diesem Zweck entwickelter, anonymer Fragebogen geschickt. Die Teilnahme an dieser Studie war selbstverständlich freiwillig und vollständig anonym. Den Teilnehmerinnen wurden Fragen zu ihrem Krankheitsverlauf, einem möglichen Kinderwunsch, bisherigen Schwangerschaften sowie Meinungen und Ansichten zu dem Themenkomplex MS und Schwangerschaft gestellt.

Ein Ergebnis war, dass Frauen, bei denen die Diagnose MS bereits während der Schwangerschaft bestand, in der Mehrzahl über einen günstigeren Krankheitsverlauf in diesem Zeitraum berichteten. So gaben 77 % der Patientinnen an, dass in der Schwangerschaft seltener Schübe aufgetreten seien. 90 % der Patientinnen berichteten, in den ersten sechs Monaten nach der Geburt häufiger Schübe erlitten haben. Prof. Andreas Moser, Leiter der Spezialambulanz „Multiple Sklerose“ und Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Uniklinik Lübeck wertet diese Daten als wertvolle Ergänzung zu bisherigen Forschungsergebnissen zu diesem Thema. Der Einfluss der physiologischen Veränderungen von Schwangerschaft und Wochenbett auf die entzündliche Aktivität der Multiplen Sklerose rückt zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die vorliegenden Daten zeigen erstmals, dass auch in der Selbstwahrnehmung von betroffenen Frauen die Krankheitsaktivität der MS in der Schwangerschaft abnimmt.

Aufklärung ist notwendig

Als weiteres Ergebnis der Studie konnte gezeigt werden, dass ein großer Teil der betroffenen Frauen einen eher niedrigen Kenntnisstand zu dem Thema „Multiple Sklerose und Schwangerschaft“ aufweist. Beispielsweise wurden den Studienteilnehmerinnen vier Fragen zu diesem Thema gestellt, pro Frage wurden vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Dabei konnten 34 % der Teilnehmerinnen keine und 26 % der Teilnehmerinnen nur eine Frage richtig beantworten. Mit 5 % konnte nur jede zwanzigste Teilnehmerin sämtliche vier Fragen richtig beantworten. Auch wussten beispielsweise nur 17 % aller befragten Frauen, die noch keine Kinder hatten, dass es während einer Schwangerschaft häufig zu einem eher günstigeren Verlauf der Erkrankung kommt.

Zusammengefasst legen diese Ergebnisse nahe, dass Patientinnen gezielter zu diesem Thema informiert werden müssen. Hier sind nicht nur die Ärzte gefordert, medizinisches Expertenwissen individuell und gut verständlich an die Patientinnen weiterzugeben. Auch Patientinnen selber sollten das Thema MS und Schwangerschaft bei ihrem behandelnden Neurologen direkt anzusprechen. Ziel muss es sein, dass eine Frau ihre eigene Entscheidung in dieser Hinsicht selbstbestimmt auf der Basis medizinisch-wissenschaftlicher Informationen treffen kann.

Prof. Dr. Andreas Moser/Dr. Peter Albrecht

Aus Befund MS 1/08

04.04.08

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