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Runter vom Sofa und Leinen los

Eine abenteuerliche Bootstour auf dem Rhein bis zur Donau

Petra Orben, Jahrgang 1962, Diplom-Sozialpädagogin, war jahrelang im heilpädagogischen Bereich tätig. 1999 wurde die Diagnose Multiple Sklerose gestellt und seit 2002 ist sie Frührentnerin. Durch die Erkrankung ist sie in ihrer Motorik eingeschränkt und beim Gehen auf Hilfsmittel angewiesen.

Im April 2003 springt ihr in einem Stadtmagazin eine Anzeige „Mitfahrgelegenheit auf einem Kutter“ ins Auge. Sofort ist sie Feuer und Flamme, wenn auch gleichzeitig in ihrem Hinterkopf Bedenken auftauchen. Trotzdem setzt sich Petra Orben mit dem Inserenten in Verbindung und schnell reift ihr Entschluss, die Bootstour mitzumachen. Sie sagt alle Therapien und Verpflichtungen ab und bereitet sich auf die vierwöchige Reise vor.

Am 8. Mai 2003 wird Petra Orben zum Düsseldorfer Hafen gebracht, wo sie mit einem weiteren Mitfahrer sowie zwei Hunden an Bord geht. Sie wird von vielen Gedanken geplagt, die auch für nicht an MS-Erkrankte nachvollziehbar sind. Kann ich schlafen? Was ist mit dem Toilettengang? Werde ich zurechtkommen? Obwohl sie beide Männer nicht kennt, muss sie sich mit einem der Mitstreiter die Kajüte teilen.

Die Neugier und ihr Mut sind stärker als ihre Ängste

Petra Orben fährt mit den beiden Männern den Rhein entlang an den vielen Städten und Sehenswürdigkeiten vorbei, genießt die Aussichten und ihr Leben und kämpft auch mit ihren gesundheitsbedingten Problemen. Doch die Drei verbringen eine wunderschöne Zeit miteinander, in der gute Gespräche stattfinden, ihr Hilfestellungen geboten werden und sie sich trotz ihrer Krankheit gut aufgehoben fühlt. Die Krankheit tritt in den Hintergrund, wird aber nicht vergessen oder übergangen, sondern als Bestandteil ihres Lebens akzeptiert, was sich auch in der Verteilung der anfallenden Arbeiten zeigte. So kümmern sich die Männer um Einkäufe und Ähnliches, während Petra Orben als „Küchenfee“ in Aktion tritt.

In Miltenberg heißt es für Petra zum ersten Mal Abschied nehmen, denn der Mitfahrer verlässt mit seinen zwei Hunden das Boot. Ab da ist sie mit dem Skipper alleine und muss auch mehr Aufgaben übernehmen. Im Main-Donau-Kanal erwartet die beiden die nächste Herausforderung, denn sie müssen häufig Schleusen mit sehr viele Höhenunterschiede bewältigen. Doch auch das meistern sie. Als sie in Deggendorf, nahe der österreichischen Grenze, ankommen, ist die Fahrt für Petra zu Ende. Sie wird von einer anderen Frau abgelöst, welche sie noch zum Bahnhof bringt, damit sie einen Zug, der sie in ihre Heimat zurückbringen soll, erreichen kann. Da sie in ihrer Fortbewegung eingeschränkt ist, ist sie sehr erleichtert, dass sie nur noch in den Zug steigen und sich nicht mit dem Gepäck rumplagen muss. Doch wie so oft kommt es anders als geplant. Es gibt Streiks bei der österreichischen Bahn, weshalb die Züge hoffnungslos überfüllt sind und nicht planmäßig verkehren. Sie muss überraschend umsteigen und wird von Stress eingeholt. Doch auch hier erhält sie Hilfe von Mitmenschen und fährt zurück in ihren Alltag.

Sich Herausforderungen stellen

Petra Orbens Reisebeschreibung zeigt auf unterhaltsame Weise und in einem lebendigen Stil, was man auch mit einer Erkrankung wie MS unternehmen kann, wenn man sich der Herausforderung stellt. Der Leser erlebt, wie sie ihr Leben an Bord in vollen Zügen genießt, aber zwischendurch auch von negativen Gedanken gequält wird. Mit Ihrer positiven und lebensbejahend Art macht Petra anderen Erkrankten mit diesem Buch Mut, neue Wege zu gehen und Neues auszuprobieren. Sie bewältigt Situationen, von denen sie selber vorher dachte, diese nie meistern zu können. „Vielleicht ist der Mensch umso mehr gehandicapt, je mehr Zeit er hat darüber nachzudenken und sich selber zu bemitleiden.“

Ein sehr schönes und positives Buch nicht nur für MS-Erkrankte, das die Reiselust weckt und Mut macht.

Miriam Funk

27.04.07

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