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Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern

Die meisten Zytostatika richten ihre Wirksamkeit nicht nur gegen die Krebszellen, sondern gegen alle Zellen, die sich schnell teilen. Blut, Haare und Schleimhaut in Magen und Mund z. B. sind daher ebenfalls beeinträchtigt. Dipl.-Med. Ulrich Freitag, Leiter der Arbeitsgruppe für Komplementäre Medizin im Berufsverband der Frauenärzte, erklärt im Interview, was Brustkrebspatientinnen tun können, um die Beschwerden zu lindern.

Wie können den Nebenwirkungen der Chemotherapie vorgebeugt bzw. diese gelindert werden?

Wir wissen aus Untersuchungen, dass Frauen, die vor Beginn der Krebstherapie nicht übergewichtig waren – genauer gesagt einen BMI bis 28 hatten –, sich gesund ernähren und in deren Leben regelmäßige körperliche Bewegung eine große Rolle spielt, weniger unter Nebenwirkungen leiden und insgesamt besser mit der Krebserkrankung zurecht kommen als Frauen, die deutlich über- oder untergewichtig sind, sich nicht bewegen und sich nicht ausgewogen ernähren.

Trockene und rissige Haut sollte gut gepflegt werden; starke Sonneneinwirkung und heißes Wasser sollten vermieden werden. Wenn die Haare auf der Kopfhaut ausgefallen sind, sollte auch die Kopfhaut gut gepflegt und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Nachts und für die Zeiten, in denen die Frau ohne Perücke ist, ist eine leichte Baumwollkappe als Wärmeschutz zu empfehlen. Um die empfindliche Haut nicht zusätzlich zu belasten, sollte so viel wie möglich lose, bequeme Kleidung getragen werden und Einschnürungen z. B. durch Gummizüge vermieden werden.

Wie können Nebenwirkungen der Chemotherapie behandelt werden?

Gegen Haarausfall, Schwäche, und viele andere Symptome der Chemotherapie gibt es keine ursächliche Behandlungsmethode. Sie sind häufig direkte Folgen des Wirkprofils der Arzneimittel und verschwinden i. d. R. allmählich, wenn die Chemotherapie abgesetzt wird. Wichtig ist, dass die Frau ihre Widerstandskraft gegen die Krankheit und gegen die Behandlungen stärkt. Dazu gehört vor allem, dass sie auf sich selbst und ihre inneren Bedürfnisse hört, um Kraft und Energie zu schöpfen. Ausreichend Erholung und Entspannung gehören zur Genesung, ebenso aber genug Bewegung und – falls möglich – auch Sport.

Von ärztlicher Seite gibt es ein breites Angebot an komplementärmedizinischen Maßnahmen, die die Genesung unterstützen können. Gesunde Ernährung, die alle notwendigen Nährstoffe, Spurenelemente und Vitamine zuführt, ist ein wichtiges Element. Wichtig ist es zudem, einen möglichen Vitamin- und Spurenelementmangel zu entdecken und auszugleichen. Das Hand-Fuß-Syndrom, das meist erst nach mehreren Chemotherapie-Zyklen auftritt geht oft mit ersten Symptome wie Kribbeln in den Hand- und Fußflächen einher. Wenn solche Symptome auftreten, sollten sie den behandelnden Ärztinnen und Ärzten unverzüglich mitgeteilt werden. Hände und Füße müssen dann mit kühlenden Cremes gut gepflegt und geschont werden. Nach Absetzen der Chemotherapie bildet sich diese Nebenwirkung i. d. R. zurück. Manche Chemotherapeutika führen zu Hautausschlag und akneähnlichen Symptomen. Solche Hautveränderungen dürfen nicht selbst behandelt werden, sondern sollten von einem onkologisch erfahrenen Arzt angesehen und behandelt werden.

Was hilft gegen Übelkeit?

Übelkeit und Erbrechen sind eine Reaktion des Gehirns auf das Arzneimittel, das vom Gehirn als giftig erkannt wird. Gegen dieses Erbrechen gibt es heute Arzneimittel, die den Brechreiz direkt im Gehirn unterbinden oder zumindest deutlich reduzieren und normalerweise schon vor dem Beginn der Chemotherapie verabreicht werden. Diese Arzneimittel werden i. d. R. von den Krankenkassen bezahlt. Seelische Faktoren wie Angst und Stress und z. B. früheres, schweres Schwangerschaftserbrechen erhöhen das Risiko für Übelkeit und Erbrechen während der Chemotherapie. Neben lösenden Arzneimitteln helfen hier vor allem Entspannungsübungen, Yoga und alle Elemente, die das innere Gleichgewicht stärken. Bei der Ernährung sind leichte, kleine Mahlzeiten, auf die man sich freut, und ausreichend Flüssigkeit durch Kräutertee, verdünnte Obstsäfte oder Wasser wichtig, viel frische Luft und das Vermeiden aller Reize, die Übelkeit auslösen können wie bestimmte Düfte und Gerüche.

Wie kann das Fatigue-Syndrom behandelt werden?

Das Fatigue-Syndrom, also schwere, anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, ist meist eine Folge der Krebserkrankung selbst, nicht der Chemotherapie. Ähnlich belastend kann auch die Symptomatik bei einer Antihormontherapie sein, obwohl es sich dabei nicht um eine Chemotherapie im eigentlichen Sinn handelt. Zunächst einmal hilft es, wenn die Patientin sich ebenso wie ihren Partner, ihre Familie und ihr berufliches und soziales Umfeld darauf vorbereitet, dass sie in der nächsten Zeit nicht so leistungsfähig sein wird wie vorher. Wichtig ist es, die eigenen, positiven Kräfte und inneren Energiequellen zu entdecken, zu wecken und wach zu halten. Dazu gehört eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig tierisches Eiweiß, körperliche Bewegung, die durchaus auch sportlich sein kann, soweit es geht. Außerdem sollte in Absprache mit den behandelnden Ärzten ein mögliches Defizit an Vitaminen und Spurenelementen ausgeglichen und ggf. das Immunsystem gestärkt werden.

Was gilt es zu beachten bei Entzündungen der Schleimhäute?

Entzündungen der Mundschleimhaut müssen vom Arzt oder Zahnarzt angesehen werden. Häufig verbergen sich Pilzinfektionen der immun geschädigten Schleimhaut dahinter. Zahnsanierungen sollten vor Beginn einer Chemotherapie unbedingt abgeschlossen sein, weil die Chemotherapie den Heilungsprozess von Zahnfleisch, Zahnwurzel und Zahnhalteapparat erheblich stören kann. Entzündungen der Haut sollten ebenfalls vom Arzt angesehen werden. Nicht selten entwickeln sich im Rahmen einer Krebstherapie eine Gürtelrose oder andere Hauterkrankungen, die behandelt werden müssen. Auch die Darmschleimhaut kann durch die Chemotherapie geschädigt werden, was zu Durchfall führen kann.

Was kann die Patientin selbst tun, um die Nebenwirkungen zu verringern?

Die Patientin kann viel dafür tun, die Last der Nebenwirkungen erträglicher zu gestalten, wenn sie ihr inneres Gleichgewicht findet, ihre Haut gut pflegt, sich richtig ernährt, viel bewegt und ihre Nebenwirkungen mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten bespricht, aber auch in einer Selbsthilfegruppe. Allerdings lässt sich nicht jede Nebenwirkung beseitigen. Es gilt dann, zusammen mit den Ärzten abzuwägen, ob die Nebenwirkungen noch erträglich sind bis zum vorgesehenen Ende des Therapiezyklus oder ob es eher sinnvoll ist, die Chemotherapie abzubrechen.

Quelle: Leben? Leben! 4/2014

24.03.15

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