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Experteninterview zu Neurodermitis mit Prof. Dr. Ständer

Im folgenden Interview möchten wir Ihnen Frau Prof. Dr. Sonja Ständer, Universitätsklinikum Münster, vorstellen. Prof. Ständer war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Patientenmagazine allergikus und Patient und Haut.

Warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat sie bewogen, sich auf Dermatologie zu spezialisieren?

Die Dermatologie ist ein sehr spannendes und breit gefächertes Gebiet in der Medizin. Der schnelle Zugang zu dem Organ mit der einfachen, diagnostischen Möglichkeit einer Hautbiopsieentnahme, die von den Dermatologen selbst beurteilt wird und so eine optimale Beurteilung des Hautstatus erlaubt, als auch die dadurch entstehende Möglichkeit der histologischen Forschung sind faszinierend und kommen dem Patienten direkt zugute.

Was sind die Grundpfeiler der Neurodermitis-Therapie?

  1. Topische Basistherapie zum Ausgleich der Barrierestörung;
  2. Bei Ekzemen – je nach Schwere: eine topische Therapie mit Kortikosteroiden oder Calcineurininhibitoren; in schweren Fällen auch eine Lichttherapie (UV-Bestrahlung) oder die innerliche Therapie mit Kortikosteroiden oder anderen Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin A);
  3. eine begleitende antipruritische oder antimikrobielle Therapie und
  4. weitere Verfahren sind vorteilhaft wie die Neurodermitisschulung, Allergie- und Asthmadiagnostik und ggf. Hyposensibilisierungen.

Welche sind die wichtigsten Faktoren, die Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben?

Auf den Pruritus, also den Juckreiz bezogen ist eine rechtzeitig Therapie notwendig, bevor sich der Patient in einem Teufelskreis aus ständigem Kratzen, Hautinfektionen und Verstärkung des Pruritus bzw. der Ekzeme wiederfindet.

Welches sind Ihrer Meinung nach zurzeit die erfolgreichsten Behandlungsmethoden?

Die Einhaltung des Stufenschemas, wie es in der aktuellen S2-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft definiert wurde, ist sicherlich die geeignete Methode, um auch langfristige Erfolge zu erzielen. Je jünger der Patient, desto wichtiger ist eine umfangreiche Aufklärung und Diagnostik einschließlich assoziierter Allergien. Für den Pruritus, der auch unabhängig von den Ekzemen vorhanden sein kann, entwickeln wir gerade Konzepte, um auch hier langfristig eine Chronifizierung zu durchbrechen.

Für wie wichtig halten Sie eine psychosomatische Betreuung der Patienten?

Bei jeder Erkrankung, die prinzipiell nicht heilbar ist und chronisch rezidivierend auftritt, ist eine umfangreiche Aufklärung über das Krankheitsbild und Schulung des Patienten zur eigenständigen Beurteilung des Hautzustandes ein ganz wesentliches Standbein. Erfolgt dies nicht und kommt es häufig zu Rezidiven, ist es mehr als verständlich, dass die „Nerven blank“ liegen können. Ist das der Fall, ist eine psychosomatische Mitbetreuung ein großer Gewinn für den Patienten. Viele Patienten mit Neurodermitis berichten, dass Ekzeme und Juckreiz bei Stress stärker werden. Es sei hier angemerkt, dass es sich hierbei um eine normale Reaktion der Haut auf Gehirn-Hormone handelt und der Patient eine psychische Ursache nicht befürchten muss.

Was raten Sie Patienten, die an Neurodermitis leiden?

In erster Linie sollte sich der Patient gut informiert fühlen, z. B. durch seinen behandelnden Dermatologen oder Informationen, die bei den Neurodermitis-Schulungen oder durch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft bzw. Selbsthilfegruppen angeboten werden. Wichtig ist des Weiteren eine intensive Auseinandersetzung mit der Basistherapie, die selbst in Ekzem- und Juckreiz-freier Zeit weitergeführt werden sollte.

Frau Prof. Ständer, wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Ausführungen.

Quelle: Ratgeber Neurodermitis

11.01.12

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