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Diagnose von Neurologischen Erkrankungen

Die diagnostischen Verfahren bei neurologischen Erkrankungen sind so vielfältig wie die Krankheitsbilder, die zu diesem Fachgebiet zählen. Dennoch gibt es einige erste Untersuchungsmethoden, die ein Arzt bei einem Patienten anwenden kann, bei dem ein Verdacht auf eine neurologische Erkrankung naheliegt. Eine Differenzierung in der Diagnostik erfolgt erst im Anschluss an eine erste Verdachtsdiagnose. Einige diagnostische Verfahren im neurologischen Bereich sollen im Folgenden dargestellt werden.

1. Erfassen der Vorgeschichte der Erkrankung

Bei der sog. Anamnese führt der Arzt mit dem Patienten ein eingehendes Gespräch, um mehr über frühere Erkrankungen (die Krankengeschichte) sowie über die aktuellen Beschwerden des Patienten zu erfahren. Hierbei sind auch gehäuft auftretende, schwerwiegende Krankheiten in der näheren Verwandtschaft von Interesse. Allerdings kann der Arzt sich nicht allein auf die Aussagen des Patienten verlassen, da der Patient seine Beschwerden nicht immer eindeutig bestimmen und lokalisieren kann. Je nachdem wie akut die Beschwerden sind, fällt dieses Gespräch länger oder kürzer aus. In einer Notfallsituation oder bei bewusstlosen oder sprachgestörten Patienten muss der Arzt sich auf Fremdanamnesen (Aussagen von anderen Personen, die den Krankheitsverlauf verfolgt haben) stützen.

2. Körperliche Untersuchung

Hierbei untersucht der Arzt erstmals den Körper des Patienten auf besondere Auffälligkeiten hin. Er achtet dabei z. B. auf Veränderungen der Haut, auf den Gang und die Haltung des Patienten (hier können sich Gleichgewichtsstörungen bemerkbar machen) sowie auf äußere Verletzungen. Außerdem führt der Arzt bei dieser ersten Inspektion zunächst eine allgemeine internistische Untersuchung durch. Dafür kontrolliert er Arm- und Fußpulse und hört die Lunge, das Herz und die großen Halsgefäße ab.

Funktion der zwölf Hirnnerven

In einem nächsten Schritt wird die Funktion der zwölf Hirnnerven getestet, die weitestgehend anhand der Funktion der Sinnesorgane überprüft wird. Dabei kontrolliert der Arzt, ob das Sehen, Hören, Riechen und Schmecken normal funktionieren, da bei einer Funktionsstörung im Gehirn häufig auch die Nerven der Sinnesorgane betroffen sind. Das Gehör wird dabei beispielsweise mithilfe einer Stimmgabel getestet und die Fähigkeit zwischen süß und salzig zu unterscheiden wird festgestellt, indem dem Patienten Zucker und Salz auf die Zunge gestreut werden. Zusätzlich wird die Sensibilität überprüft.

Hierbei geht es um das Druck-, Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden des Patienten. Hierfür streicht der Arzt mit einem rauen oder weichen Gegenstand über die Haut des Patienten, lässt ihn einen kalten metallischen Gegenstand zunächst in der einen, dann in der anderen Hand halten oder sticht ihn mit einem spitzen Objekt. Lassen sich hier Unterschiede bei den beiden Körperseiten feststellen, liegt eine neurologische Störung nahe.
Außerdem kontrolliert der Neurologe die Mimik des Patienten, da sich hier eine mögliche Fehlfunktion des Gesichtsnervs abzeichnet, er beobachtet die Augenbewegungen sowie das Sprech- und Schluckvermögen.

Motorik und Koordinationsverhalten

Dann überprüft der Neurologe die Motorik des Patienten auf Muskelschwäche bzw. Lähmungserscheinungen. Dabei untersucht er, ob die Gliedmaßen sich sowohl passiv als auch aktiv widerstandslos bewegen lassen und testet die Muskelkraft, indem er den Patienten gegen einen Widerstand Druck ausüben lässt. Indem der Arzt den Patienten auffordert, seine Arme oder Beine bei geschlossenen Augen ausgestreckt zu halten, kann er feststellen, ob erste Anzeichen für eine angehende Lähmung vorliegen. Ebenso können Probleme bei feinmotorischen Aufgaben, wie beispielsweise dem Schreiben, dem Arzt erste Hinweise auf Lähmungserscheinungen geben. Bei der Überprüfung der Motorik ist besonders entscheidend, ob die Bewegungsfähigkeit auf beiden Seiten gleich ausgeprägt ist, oder ob sich Seitenunterschiede feststellen lassen.

Für die Motorik ist auch das Koordinationsverhalten von Bedeutung. Das Koordinationsverhalten des Patienten zeigt sich z. B. in seiner Fähigkeit, mit geschlossenen Augen zu stehen oder zu gehen. Außerdem können sog. Zielversuche deutlich machen, ob die Koordination von verschiedenen Muskeln normal funktioniert. Hierfür soll der Patient beispielsweise versuchen, bei geschlossenen Augen mit seinem Zeigefinger in einer ausholenden Bewegung gegen die Nasenspitze zu tippen.

Reflextest

Ein Reflextest mit einem Reflexhammer kann Aufschluss darüber geben, ob das Nervensystem auf beiden Körperseiten gleich intensiv auf äußere Reize reagiert. Mit einem gezielten Schlag auf die Sehne unterhalb der Kniescheibe soll beispielsweise ein Muskeldehnungsreflex bewirkt werden (Patellarsehnenreflex). Der Unterschenkel sollte dann, kann sich das Bein frei bewegen, nach oben schnellen. Stellt sich die erwartete unwillkürliche Reaktion nicht ein, ist das ein erster Hinweis auf eine mögliche Fehlfunktion in der Reizübertragung.

Funktionen des vegetativen Nervensystems

Auch die Funktionen des vegetativen Nervensystems werden bei einer ersten Untersuchung kontrolliert. Das vegetative Nervensystem steuert, ohne dass der Mensch willentlich darauf Einfluss nehmen kann, die Funktion der inneren Organe. Dabei ist es u. a. für die Verdauung, die Atmung, den Kreislauf und den Stoffwechsel verantwortlich. Auch das vegetative Nervensystem kann bei einer neurologischen Erkrankung gestört sein. Daher fragt der Arzt in einer ersten neurologischen Untersuchung auch immer nach der Blasen- und Darmfunktion, misst den Puls und Blutdruck bei Belastung und kontrolliert die Atmung.

Geistige Fähigkeiten und seelische Befindlichkeiten

Außerdem werden auch die geistigen Fähigkeiten und seelischen Befindlichkeiten bei der Untersuchung berücksichtigt. Der Neurologe unterhält sich mit dem Patienten und achtet darauf, ob dieser sich ohne Sprachschwierigkeiten und ohne grammatikalische Fehler ausdrücken und auch das, was der Arzt sagt, verstehen kann. Interessant ist im Rahmen dieser Untersuchung auch, ob der Patient leichte Rechenaufgaben lösen oder Gegenstände erkennen und benennen kann. Dies kann dem Arzt z. B. Aufschluss darüber geben, ob der Patient sich konzentrieren kann und inwieweit sein Gedächtnis funktioniert. Auch der Gemütszustand, in dem sich der Patient befindet, wird beobachtet.

Die oben genannten Untersuchungsmethoden dienen dem Arzt als erste Orientierungshilfe, ob bei einem Patienten eine neurologische Erkrankung vorliegen könnte und liefern ihm Hinweise darauf, in welcher Richtung er weiter forschen sollte. Nach einer ersten Verdachtsdiagnose sind meist weitere Untersuchungen nötig, um den ärztlichen Verdacht zu bestätigen oder zu revidieren. Hierfür sind technische Diagnoseverfahren nötig, die hier ebenfalls kurz vorgestellt werden sollen.

3. Technische Diagnoseverfahren

Labortests

Mithilfe von Labortests, bei denen u. a. Blut und Nervenwasser (Liquor), das aus dem Rückenmark entnommen wird, untersucht werden, können neue Erkenntnisse in der Diagnose von neurologischen Krankheiten gewonnen werden. In einer Blutuntersuchung können anhand der Anzahl der Leukozyten (weiße Blutkörperchen, die u. a. für die Abwehr von Infektionen zuständig sind) beispielsweise Entzündungen im Körper festgestellt werden. Die spezifischere Untersuchung des Hirnwassers kann zusätzlich u. a. Entzündungen im Gehirn aufdecken, wie z. B. eine Meningitis (Gehirnhautentzündung).

Außerdem stehen den Neurologen diverse Untersuchungsverfahren zur Verfügung, mit deren Hilfe elektrische Ereignisse im Körper gemessen werden können.

Elektroenzephalografie (EEG)

Mit der Elektroenzephalografie (EEG) kann die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen und aufgezeichnet werden. Dafür werden Elektroden an der Schädeldecke befestigt, um Spannungsschwankungen zu messen, die bei der Informationsverarbeitung im Gehirn entstehen. In einem Elektroenzephalogramm werden die Ergebnisse grafisch in Kurven dargestellt. Am häufigsten wird diese Messung der Hirnströme zur Diagnostik bei Epilepsien angewendet, da bei einem Krampfanfall Veränderungen in der elektrischen Aktivität des Gehirns besonders deutlich zutage treten.

Evozierte Potentiale (EPV)

Ein weiteres Verfahren der neurologischen Diagnostik stellen die Evozierten Potentiale (EPV) dar. Durch Sinnesreize treten in der Großhirnrinde elektrische Potentialveränderungen auf. Um Auffälligkeiten in diesen Potentialveränderungen feststellen zu können, wird beim Patienten wiederholt ein visueller, akustischer oder somatischer Reiz ausgelöst. Anschließend können die elektrischen Potentiale, die dadurch jedes Mal verursacht werden, gemessen, kurvenartig aufgezeichnet und verglichen werden. Diese Technik dient der Überprüfung der Reizleitung und kann Defekte der Nervenbahnen aufdecken. So sind beispielsweise die visuell evozierten Potentiale für die Verlaufsdiagnostik bei Multipler Sklerose von Bedeutung, um die Funktion des Sehnervs zu testen.

Elektromyografie (EMG)

Die Elektromyografie (EMG) wird genutzt, um die elektrische Muskelaktivität zu messen. Hierfür werden bipolare Nadelelektroden in den Muskel gesteckt, mit deren Hilfe aufgezeichnet werden kann, wie sich die elektrische Aktivität im ruhenden und im arbeitenden Muskel unterscheidet. Dieses Verfahren kann kenntlich machen, ob ein Muskel ausreichend oder nur noch mangelhaft bzw. gar nicht mehr vom zugehörigen Nerven unterhalten wird. Über den Muskel lassen sich also auch Rückschlüsse auf geschädigte Nerven ziehen.

Elektroneurografie (ENG)

Die Nervenleitgeschwindigkeit, die beziffert wie schnell ein Reiz weitergeleitet wird, wird in der Elektroneurografie (ENG) gemessen. Hierbei kann man die Funktion eines peripheren Nerven (ein Nerv außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks) überprüfen und bestimmen, wo eine Störung vorliegt. Dafür wird ein peripherer Nerv mit einem elektrischen Impuls gereizt. Dies bewirkt eine Spannungsänderung im Nerv, die von den Medizinern entlang des Nervs nachvollzogen und gemessen werden kann.

Computertomografie (CT)

Die bekanntesten bildgebenden Verfahren, die das Gehirn oder das Rückenmark abbilden können, sind die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie genannt. Bei der Computertomografie (CT) handelt es sich um eine röntgenologische Schichtuntersuchung mit hoher Bildauflösung. Hierbei wird das zu untersuchende Objekt schichtweise von mehreren Seiten aufgenommen und diese Aufnahmen werden dann zu einem dreidimensionalen Bild zusammengefügt. Ein Nachteil dieses Verfahrens ist die Strahlenbelastung, der der Patient dabei ausgesetzt ist.

Kernspintomografie

Auch die Kernspintomografie (auch: Magnetresonanztomografie MRT) erzeugt Schnittbilder, die schichtenweise zu betrachten sind und sich zu einem dreidimensionalen Bild zusammenfügen lassen. Im Gegensatz zur Computertomografie arbeitet die Kernspintomografie nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit sehr starken Magnetfeldern und liefert detailgetreuere Bilder des Nervensystems als die CT. Vor allem bei Multipler Sklerose ist dieses Verfahren das bevorzugte.

Dopplersonografie

Ein weiteres bildgebendes Verfahren ist die Dopplersonografie, eine spezielle Form der Ultraschalluntersuchung zur Gefäßdiagnostik. Hierbei werden Ultraschallwellen ausgesendet und vom Blut reflektiert. Diese Methode arbeitet mit dem Dopplereffekt und registriert die von der Strömungsgeschwindigkeit abhängige Änderung der Schallfrequenz. Dadurch können die Blutzirkulation sichtbar gemacht und Engpässe sowie Verkalkungsstellen in den Arterien, die Blut zum Gehirn befördern, wahrgenommen werden. Diese Untersuchungsmethode ist vor allem in der Schlaganfalldiagnostik von Bedeutung.

Bei diesen Verfahren handelt es sich nur um eine Auswahl der gängigsten Untersuchungsmethoden. Je nach erstem Befund muss sich der Patient gegebenenfalls noch weiteren, spezielleren Diagnoseverfahren unterziehen.

Melanie Scheitza

27.04.17

Diagnose
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