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COPD und Lunge e. V.: Die nicht-invasive Beatmung

Bei Lungenerkrankungen ist in erster Linie die medikamentöse Versorgung angesagt. Lungensport und auch die Langzeit-Sauerstofftherapie sind eine Lösung. Aber was ist, wenn die Atemkraft nicht mehr ausreicht und mit Medikamenten nichts verbessert werden kann? Oder wenn der CO2-Wert zu hoch ist? Dann kommen Geräte zum Einsatz.

Geräte wie das BiPAP oder CPAP unterstützen die Atmung und erleichtern sie. Wie diese Geräte eingesetzt werden und wann, beantwortet Chefarzt Dr. med. Björn Schwick. Er ist Pulmologe, Allergologe, Internist und in der Intensivmedizin tätig. Heidi Witt und Wolfgang Ramsteiner von der Selbsthilfegruppe COPD und Lunge e. V. führten das Interview.

Was ist eine nicht-invasive Beatmung?

Eine nicht-invasive Beatmung ist eine Beatmungsform, die die Spontanatmung des Patienten mit einem Überdruck unterstützt. Der Patient kann seine Atemfrequenz selbst bestimmen und wird dabei von einer Beatmungsmaschine unterstützt. Die Voraussetzung für eine nicht-invasive Beatmung ist also die prinzipielle Fähigkeit des Patienten zur Eigenatmung. Das Ziel dieser Beatmungsform ist, den Patienten zu entlasten, sodass er weniger Kraft aufwenden muss, um seinen Organismus mit Sauerstoff zu versorgen.

Können Sie uns erklären, wie eine NIV (non-invasive Ventilation) funktioniert?

Der Patient wird über eine Maske (Mund- und Nasenmaske, oder nur Nasenmaske) beatmet. Dabei wird die Maske an das Gesicht des Patienten angeschlossen und abgedichtet. Die Maske ist über ein Schlauchsystem an ein Beatmungssystem angeschlossen, sodass eine kontinuierliche Unterstützung der Spontanatmung des Patienten durch Überdruck erfolgt und somit eine Erleichterung und eine Verminderung der Atemnot des Patienten erreicht wird.

Welche Vorteile bietet die NIV?

Der Patient kann jederzeit von der Maske und damit vom Beatmungsgerät entfernt werden, um zu kommunizieren, abzuhusten, zu sprechen oder sich zu ernähren. Im Gegensatz zur invasiven Beatmung über Tubus ist das Infektionsrisiko deutlich reduziert, da die Schutzreflexe, insbesondere der Hustenreflex, bei Patienten nicht aufgehoben sind, der Patient also selbstständig sein Sekret abhusten kann, zudem ist das Infektionsrisiko vermindert, da Bakterien nicht über den Tubus in die Lunge hineingelangen und eine Lungenentzündung verursachen können.

Welche Patienten profitieren von einer NIV-Therapie?

Es profitieren Patienten, die an einer sog. Atempumpenüberbelastung leiden. Die Atemmuskulatur ist nicht mehr in der Lage, den Atemantrieb des Patienten aufrechtzuerhalten. Es kommt zu einer zunehmenden Erschöpfung der Atemmuskulatur, als Schutzmechanismus des menschlichen Organismus erfolgt dann eine sog. Hypoventilation (flache Atmung), um eine drohende Erschöpfung zu vermeiden. Diagnostiziert wird eine Atempumpenüberbelastung durch einen Anstieg des Kohlendioxyds im Blut. Wir unterscheiden eine akute Atempumpenüberlastung, z. B. im Rahmen eines Infekts der Atemwege von einer chronischen Überbelastung der Atempumpe. Bei Letzterer ist die Lungenfunktion des Patienten so eingeschränkt, dass auch durch eine vorübergehende medikamentöse Behandlung keine Besserung, insbesondere keine Minderung der Atempumpenschwäche erreicht werden kann.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Nebenwirkungen der NIV-Therapie beziehen sich auf Druckgeschwüre im Gesicht, insbesondere an der Nasenwurzel, die durch die Maske bedingt sind. Somit muss man eine sorgfältige und individuelle Maskenanpassung bei den Patienten durchführen. Weiterhin kommt es häufig zur Austrocknung von Mund und Nasenschleimhäuten, dieses kann jedoch durch ein sog. Befeuchtungssystem gelindert werden.

Bei der Langzeit-Sauerstofftherapie sollte die Therapie mindestens 16 – 24 Stunden am Tag erfolgen. Wie sieht es bei der NIV aus?

Die nicht-invasive Beatmungstherapie sollte, wenn möglich, nachts durchgeführt werden. Sechs bis acht Stunden sind wünschenswert. Bei Unverträglichkeit während der Nacht kann jedoch eine nicht-invasive Therapie am Tage durchgeführt werden.

Ist es sinnvoll bei einer fortgeschrittenen Ateminsuffizienz völlig auf die NIV zu setzen?

Die nicht-invasive Beatmungstherapie ist eine diskontinuierliche Beatmungsform. Eine Maskenbeatmung kann vom Patienten nur acht bis zehn Stunden pro Tag toleriert werden, zwischenzeitlich muss der Patient von der Maske entfernt werden, da sich sonst Druckgeschwüre im Gesicht bilden können. Wenn eine Beatmungstherapie über 24 Stunden erforderlich ist, muss eine invasive Beatmungsform über Tubus bzw. über Trachealkanüle gewählt werden.

Herr Dr. Schwick, wir danken Ihnen für dieses informative Gespräch.

Quelle: COPD und Asthma 02/2013

10.12.13

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