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Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität

Das erst in letzter Zeit neu entdeckte klinische Syndrom der Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (auch NCGS, für Non-Coeliac Gluten Sensitivity) stellt Gastroenterologen und andere Mediziner weiterhin vor Rätsel, wie der Verband United European Gastroenterology berichtet.

Wissenschaftler und Kliniker tun ihr Möglichstes, um die Erkrankung besser zu verstehen und therapeutische Strategien zu entwickeln. Wie Prof. David Sanders von den Lehrkrankenhäusern in Sheffield (GB) und Vorsitzender des beratenden Gesundheitsausschusses der Coeliac UK informiert, liegt der Schlüssel zu einer wirksamen Kontrolle der Krankheitssymptome am ehesten in einer sorgfältigen Diagnostik zum Ausschluss einer Zöliakie, in der umfassenden Information des Patienten sowie im umsichtigen Einsatz einer glutenfreien Diät. „Das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Symptome einer Glutenunverträglichkeit wächst stetig, um nicht zu sagen explosionsartig“, erläuterte Prof. Sanders. „Aber wir sollten nicht jedem, der angibt, an einer Glutensensitivität zu leiden, vorschnell eine glutenfreie Diät verschreiben. Wir selbst durchlaufen ja erst noch eine Lernkurve in Bezug auf diese Erkrankung und ihre Entstehung. Darüber müssen sich die Patienten im Klaren sein.“

Was ist Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität?

Bis vor Kurzem war die bekannteste Erkrankung im Zusammenhang mit einer Glutensensitivität die Zöliakie. Ursache ist eine Immunantwort auf das Getreideprotein Gluten bei Menschen mit entsprechender Veranlagung. Zöliakie kann sich zu einer schweren Krankheit mit Symptomen des Magen-Darm-Trakts (chronischer Durchfall, Gewichtsverlust) und anderen Gesundheitsproblemen wie Anämie, Osteoporose, Gelenkschmerzen, Dermatitis und neurologischen Symptomen entwickeln. Etwa 1 % der Gesamtbevölkerung ist von Zöliakie betroffen. Diagnostiziert wird die Erkrankung mit einer Kombination aus Antikörperbluttest und Dünndarmbiopsie. Eine lebenslang glutenfreie Diät ist zurzeit die einzige Behandlungsoption. Mittlerweile ist aber weithin anerkannt, dass eine Glutensensitivität auch bei Menschen ohne Zöliakie auftreten kann. Bei dieser Art der Glutensensitivität, der sog. Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität, kommt es zu ähnlichen Akutsymptomen wie bei der Zöliakie, was eine rein symptomatische Unterscheidung zwischen beiden Krankheitsformen erschwert. Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität wird mittels Ausschlussdiagnostik festgestellt. Ein Biomarker zur klaren Identifikation der Erkrankung ist zurzeit noch nicht bekannt. Allem Anschein nach ist Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität weit häufiger als Zöliakie.

Laut einer neueren britischen Studie wird bei zehn von 100 Patienten, die aufgrund einer Glutensensitivität zum Facharzt überwiesen werden, eine Zöliakie und bei 90 eine Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität festgestellt. „In dieser Studie gaben 13 % der befragten Erwachsenen aus der Allgemeinbevölkerung an, an Glutensensitivität zu leiden. Das ist eine erhebliche Anzahl von Menschen“, so Prof. Sanders. „Sehr interessant war die Erkenntnis, dass bei der großen Mehrheit aller zur Sekundärversorgung überwiesenen Patienten mit Glutensensitivität eine Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität diagnostiziert wurde und dass diese Patienten weitaus seltener an Mangelernährung oder Autoimmunstörungen litten als Zöliakiepatienten.“ Laut Prof. Sanders sollten Ärzte bei Patienten, die sich mit Symptomen einer Glutenunverträglichkeit bei ihnen vorstellen, zunächst mit Bluttests und bei Bedarf auch per Magenspiegelung und Dünndarmbiopsie eine Zöliakie ausschließen. Dabei, so Prof. Sanders, muss allerdings sichergestellt sein, dass sich die Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung normal ernähren. „Ein Patient, der wegen einer Glutenunverträglichkeit einen Arzt aufsucht, hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits selbst auf eine glutenfreie Diät gesetzt“, sagte er. „Es ist aber absolut notwendig für die Diagnose, dass diese Patienten ihre glutenfreie Diät aufgeben und wieder normal essen. Nur so kann eine Zöliakie ausgeschlossen werden.“

Welche Rolle spielt eine glutenfreie Diät bei einer Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität?

Während sich die von Zöliakie betroffenen Patienten lebenslang streng glutenfrei ernähren müssen, können Glutensensitive diese Diät meist etwas weniger strikt einhalten. Das heißt bei durch einen Arzt bestätigter Nicht-Zöliakie-Glutensensitivtät, dass die Betroffenen nicht jedes Krümelchen Gluten von ihrem Speiseplan verbannen müssen. Da die Menge an Gluten, die vom Einzelnen noch vertragen wird, sehr unterschiedlich sein kann, sollten glutensensitive Menschen ihre Schwellen individuell austesten.

Hilfreich ist die erforderliche Lebensmittelkennzeichnung bei Produkten aus Weizen und weiteren glutenhaltigen Getreidesorten. In der EU gelten zudem Höchstgrenzen für den Glutengehalt in ausgewiesenen glutenfreien Produkten; diese Lebensmittel dürfen maximal 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft hat ein „Glutenfrei“-Siegel in Form einer durchgestrichenen Getreideähre entwickelt. So lassen sich die Produkte ohne Gluten einfach erkennen.

Quelle: Allergikus 01/2014

19.05.14

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