Die Wahl der therapeutischen Maßnahmen bei Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom) richtet sich u. a. danach, in welchem Stadium sich der Tumor befindet und ob er bereits Metastasen gebildet hat. Die einzige Therapie, die bei Nierenkrebs eine Heilung erzielt, ist die vollständige operative Entfernung des Tumors.
Der Umfang der notwendigen Operation richtet sich nach der Größe und Ausbreitung des Nierenzellkarzinoms. Nach Möglichkeit wird versucht, die betroffene Niere zu erhalten. Ist dies nicht möglich, wird die gesamte Niere inklusive der sie umgebenden Fettkapsel entfernt. Auch die umliegenden Lymphknoten werden sicherheitshalber entnommen. Die funktionsfähige zweite Niere kann in der Regel die Aufgaben der entfernten Niere übernehmen. Im Normalfall ist bei einem Tumor, der noch keine Metastasen gebildet hat, nach der Operation keine weitere Behandlung notwendig.
Rund ein Zehntel der Patienten mit Nierenkrebs hat zum Zeitpunkt der Diagnose bereits ein metastasierendes Nierenzellkarzinom. Zu Beginn der Therapie wird nach Möglichkeit auch bei diesen Patienten die chirurgische Tumorentfernung angestrebt, um Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Die Behandlung der Metastasen ist abhängig von ihrer Lokalisation und dem Tumorstadium, in dem sie sich befinden.
Bis vor wenigen Jahren war die Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms sehr eingeschränkt. Eine klassische Chemo- oder Strahlentherapie entfaltet bei dieser Krebsart praktisch keine Wirkung. Lediglich Hochdosis-Immuntherapien standen als Option zur Verfügung, die allerdings nur eine beschränkte Wirkung bei starken Nebenwirkungen haben. Durch die Entwicklung neuer Krebsmedikamente hat sich die Situation der Betroffenen in den letzten Jahren jedoch deutlich verbessert. Diese sogenannten zielgerichteten Therapien greifen den Tumor spezifisch an, während gesunde Zellen weitgehend geschont werden.
Die Angiogenese-Hemmung (Hemmung der Neubildung von Blutgefäßen) ist einer dieser Therapieansätze. Krebszellen benötigen, um wachsen und sich vermehren zu können – ebenso wie gesunde Zellen – Sauerstoff und Nährstoffe. Sichergestellt wird diese Versorgung durch die Anbindung des Tumors an das Blutgefäßsystem. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Wachstumsfaktor VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor). VEGF wird vom Tumor selbst ausgeschüttet. Er dient als Wachstumssignal und regt die Blutgefäße in der Nähe des Tumors dazu an, neue Gefäße zu bilden. Durch die neuen Blutgefäße wird der Tumor an das Gefäßsystem angeschlossen und sein weiteres Wachstum gefördert.
Dank der modernen Forschung gelang es Angiogenese-Hemmer zu entwickeln. Eines dieser Medikamente ist ein VEGF-Antikörper, der diesen Wachstumsfaktor gezielt abfängt. Dadurch bleibt das Signal zur Gefäßneubildung aus, das Wachstum von Blutgefäßen wird gestoppt. Auf diesem Weg gelingt es, die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen zu unterbrechen, der Tumor wird regelrecht ausgehungert und sein Wachstum gebremst.
Viola Blatancic
05.07.11