- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Krebs - Leukämie|Lymphome - Non-Hogkin-Lymphom – Ein Erfahrungsbericht

Non-Hogkin-Lymphom – Ein Erfahrungsbericht

„Sie haben irgendeinen Lymphdrüsenkrebs. Tut mir leid, aber mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen.“ Auf diese Weise bekam ich im Juni 2003 meine Non-Hodgkin-Lymphom-Diagnose mitgeteilt. Weitere vier Wochen musste ich auf die Histologie und das Therapie-Prozedere warten. Während dieser Zeit hatte ich mir sehnlichst ein auffangendes Gespräch gewünscht. Jemanden, der mir sagt, was nun mit mir geschieht, wie meine Überlebenschancen stehen und was die Diagnose überhaupt für mein Leben bedeutet.

Ich besuchte fortan zwar eine Selbsthilfegruppe, die mir in puncto Therapiemöglichkeiten hilfreich zur Seite stand, jedoch konnten die Menschen dort mir meine Angst vor dem Sterben nicht nehmen und vermochten mir auch keine Zukunftsperspektiven aufzeigen. Meinen Theaterberuf musste ich damals wegen der körperlichen Belastung aufgeben und ich entschied mich für eine Erwerbsminderungsrente. Ich hatte so viel Angst, dass ich tatsächlich für zwei Tage die Zuversicht zu überleben völlig aufgab. Ich suchte eine hiesige Psychotherapeutin auf, die überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge lag, folglich gab ich den Gedanken an psychologische Hilfe zunächst auf.

Die Zeit der Chemotherapie und Bestrahlungen erlebte ich während der folgenden sechs Monate mit Ungewissheit. Ich hatte keine Ahnung, wie alles ausgehen würde. Aber eines stand für mich fest: Sobald die Therapie abgeschlossen wäre, würde ich in die Rehabilitation gehen. Ich suchte mir eine Klinik an der Nordsee aus, in der auch Psychoonkologie angeboten wurde. Während der fünfwöchigen Anschlussheilbehandlung nahm ich einige Einzelsitzungen mit dem Psychoonkologen wahr. Natürlich hatte ich Vorbehalte gegen psychotherapeutische Gespräche, doch hier konnte ich endlich über meine Ängste reden. Die Angst, vielleicht früher als erwartet sterben zu müssen, den Ärger mit meiner Familie, die nicht mit meiner Erkrankung umzugehen wusste, und die Angst vor der Zukunft. Der Psychoonkologe wies mir Möglichkeiten auf, wie ich mit meiner Angst umgehen konnte. Er erlaubte mir, wieder einen positiven Blick in die Zukunft zu richten. Dementsprechend wurde ich ermutigt, neue Wege zu gehen und mein Potenzial zu nutzen, so wie ich es konnte und wollte. Meine Familie durfte ich „in Harz gießen und ins Regal stellen“ und ich lernte mich abzugrenzen. Ein prägnanter Satz aus meinen Sitzungen kommt mir auch heute noch, sieben Jahre danach, in den Sinn: „In Anbetracht der Begrenztheit meiner Gesamtlebenszeit muss ich mir das nicht mehr antun!“ Dieser Satz hilft mir heutzutage, mich besser abzugrenzen und „nein“ zu sagen.

Eine psychoonkologische Betreuung hätte ich mir bereits in der akuten Therapiephase gewünscht. Dies war leider nicht möglich, da die onkologische Ambulanz, in der ich die Chemotherapie-Zyklen und die Bestrahlungen bekam, keinen Psychoonkologen beschäftigte. Aber selbst heute sind diese Gespräche noch für mich wichtig und haben einen großen Stellenwert. Denn die psychoonkologische Betreuung setzt immer im akuten Fall ein und unterstützt den Patienten in dem Moment, wo er es am nötigsten braucht. Natürlich wehren sich viele Krebspatienten gegen psychologische Hilfe, aber meine Vorbehalte sind vollends ausgeräumt, seit ich die Psychoonkologie kennengelernt habe. Denn das Leben geht auch mit Krebs weiter.

Kay Bohlen

Quelle: Leben? Leben! 3/2010

20.03.17

Erfahrungsbericht
Newsletter An-/Abmeldung

Code: GZWH