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Palliativmedizinische Betreuung bei Brustkrebs

Lebensqualität erhalten und verbessern – Palliativmedizin kümmert sich um Patientinnen und Angehörige

Die Medizin macht ständig Fortschritte, auch bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Trotzdem können nicht alle Tumorpatientinnen geheilt werden. Wenn eine kurative, also eine auf Heilung abzielende, Behandlung nicht mehr möglich ist, kommt die Palliativmedizin zum Einsatz.

„In der Palliativmedizin geht es um die Behandlung von Patientinnen mit nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankungen mit begrenzter Lebenserwartung sowie ihren Angehörigen und nahestehenden Personen“, erklärt Dr. Elisabeth Jentschke vom Psychoonkologischen Dienst am Universitätsklinikum Würzburg. Das Ziel der Behandlung ist immer die Verbesserung der Lebensqualität von Patientinnen und ihren Familien. „Was Lebensqualität bedeutet, kann individuell ganz unterschiedlich sein“, verdeutlicht sie.

Bei der palliativmedizinischen Behandlung werden deshalb immer körperliche, psychische, soziale und spirituelle Aspekte berücksichtigt. „Es reicht bei Weitem nicht aus, nur den Schmerz zu behandeln“, erklärt die Psychoonkologin. Dennoch gehört die Verbesserung der körperlichen Beschwerden selbstverständlich zur Versorgung dazu. Hier werden zunächst Symptome, wie etwa Übelkeit, Energiemangel, Appetitlosigkeit, Depressionen, Atemnot und Schmerz usw. identifiziert und behandelt.

Ängste gemeinsam besprechen

Im Rahmen der psychologischen Behandlung kümmern sich Experten um die Sorgen und Nöte von Patientinnen, aber auch von ihren Angehörigen. Häufig leiden vor allem die Betroffenen unter Ängsten – die ganz unterschiedlich sein können. „Es kann die Angst vor Eingriffen sein, aber auch davor, die Familie allein zu lassen“, erklärt Dr. Jentschke. Auch Streit oder Krisen in der Familie können die Patientinnen belasten, die sie vor ihrem Tod noch beilegen möchten.

Darüber hinaus spielt, bereits häufig vor dem Tod des geliebten Menschen, die Trauer eine große Rolle. „Die Patientinnen trauern um ihre Angehörigen und diese trauern selbst auch, obwohl die Erkrankte noch lebt“, berichtet die Psychoonkologin von ihren Erfahrungen. Sie macht den Betroffenen und ihren Familien Mut, diese Trauer auch zuzulassen und zu zeigen und sagt: „Gefühlsreaktionen sind erlaubt, Menschen dürfen weinen und ihren Schmerz ausdrücken. Über das Sterben darf gesprochen werden, das hilft. Trauer will gesehen und gehört werden, hat keine Norm und keine Zeit.“ Auch deshalb werden Angehörige über den Tod hinaus im Zuge einer palliativmedizinischen Behandlung betreut und haben u. a. die Möglichkeit, mithilfe einer Trauergruppe das Erlebte zu verarbeiten.

Angehörige werden eingebunden

Werden Patientinnen im Krankenhaus auf einer Palliativstation behandelt, werden Familien in die Abläufe auf der Station mit einbezogen, dürfen bei Pflegeabläufen mithelfen. „Dies wird oft als hilfreich empfunden, denn Angehörige möchten oft selbst aktiv werden“, weiß Dr. Jentschke. Deshalb dürfen sie auf diesen speziellen Stationen rund um die Uhr dabei sein. Hier werden die Betroffenen multiprofessionell behandelt, nicht allein der medizinische Aspekt steht im Fokus. „Wir konzentrieren uns immer auf den ganzen Menschen und können so dazu beitragen, dass er seine verbleibende Lebenszeit so gut wie möglich erlebt“, erläutert die Expertin.

Deshalb beginnt jede Behandlung mit einer Bedarfserhebung. So werden neben körperlichen Beschwerden und psychologischem Bedarf auch soziale und spirituelle Bedürfnisse in den Behandlungsplan mit aufgenommen, der immer das Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen berücksichtigt und sie auch bei einer Änderung des Therapieziels mit einbezieht. „So kann es beispielsweise der Wunsch der Patientin sein, lieber kürzer, dafür aber mit einer größeren Qualität zu leben“, nennt Dr. Jentschke ein Beispiel. Diese Verbesserung der Lebensqualität gelingt meist dann, wenn Palliativmediziner frühzeitig zur Behandlung hinzugezogen werden. Sie orientiert sich vor allem an den vorhandenen körperlichen und sozialen Ressourcen der Betroffenen, die dann gezielt gefördert werden.

Betreuung zu Hause ist möglich

Um dies zu erreichen, steht auf Palliativstationen ein Team aus Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen zur Verfügung. Allerdings müssen Patientinnen mit einer unheilbaren Erkrankung nicht zwingend in einem Krankenhaus behandelt werden. Möglich ist auch, unter bestimmten Voraussetzungen, eine Betreuung im häuslichen Umfeld: „Es muss der Wunsch von Patientinnen und Angehörigen sein und eine belastbare Betreuungsperson zur Verfügung stehen“, erläutert die Psychoonkologin. Wichtig ist, dass Fachkräfte zur Unterstützung zugelassen werden und, dass es einen Notfallplan gibt, etwa im Falle einer akuten Atemnot. Die Entscheidung, ob ein Sterben zu Hause möglich ist, treffen Patientinnen, Angehörige und ein Team aus Fachkräften immer gemeinsam.

Aus Erfahrung weiß Dr. Jentschke, dass die meisten Betroffenen in einem vertrauten Umfeld sterben möchten. Dies sei allerdings nicht immer möglich. Ein Grund dafür ist die z. T. noch fehlende ambulante palliativmedizinische Versorgung. „Wir brauchen noch viel mehr eine allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) und bei Bedarf eine spezialisierte ambulante Versorgung (SAPV)“, bemerkt die Expertin. Vor allem im ländlichen Bereich ist dies häufig ein Problem.

Quelle: Leben? Leben! 3/2016

25.04.17

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