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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Eine Patientenverfügung legt die medizinischen Maßnahmen und Eingriffe fest, welche sich Patienten wünschen (oder eben gerade nicht wünschen), sind sie nicht mehr in der Lage, eigenständige Entscheidungen zu treffen oder diese zu artikulieren. Eine Vorsorgevollmacht verleiht einer Vertrauensperson das Recht, über bestimmte oder alle Angelegenheiten des täglichen Lebens sowie über medizinische Behandlungen zu entscheiden, können Patienten dies nicht länger selbst.

Menschen mit und ohne MS sollten sich zumindest mit dem Gedanken befassen, eine Patientenverfügung und/oder eine Vorsorgevollmacht zu verfassen bzw. auszufüllen. Denn schnell kann etwa durch einen Unfall eine Situation eintreten, in der es nicht länger möglich ist, eigenständige Entscheidungen zu treffen. In einer solchen Situation ist es gut, wenn klar ist, welche Wünsche ein Patient hat bzw. wer ihn in rechtlichen Fragen vertritt.

Die Patientenverfügung

Niemand macht sich gerne Gedanken über das Eintreten schwerer gesundheitlicher Einschränkungen oder den eigenen Tod. Dennoch ist es sinnvoll, eine Patientenverfügung zu verfassen, mit der sie festlegen, welche medizinische Versorgung sie wünschen, falls irgendwann im Verlauf der Krankheit ein Zeitpunkt kommen sollte, zu dem sie ihren Willen nicht länger selbst kundtun können. An die Ausführungen einer Patientenverfügung sind die behandelnden Ärzte gebunden, sofern klar ist, dass diese dem Willen des Patienten entsprechen und nicht widerrufen wurden.

Jeder Mensch, der eine Patientenverfügung verfasst, sollte sich zuvor gründlich damit auseinandersetzen, welche medizinischen Maßnahmen er für sich befürwortet bzw. ablehnt. Dafür heißt es, der eigenen Wert- und Lebensvorstellungen gewahr zu werden.

Wie verfasse ich eine Patientenverfügung?

Wer eine Patientenverfügung verfasst, sollte die eigenen Vorstellungen zur medizinischen Behandlung darin möglichst konkret beschreiben, am besten sogar für bestimmte Situationen festlegen, damit die Ärzte an die Bestimmungen der Verfügung gebunden sind. So reichen schwammige Formulierungen wie „Ich verzichte auf jegliche medizinische Behandlung, wenn klar ist, dass mein Leben im Anschluss nicht mehr lebenswert ist“ nicht aus, da kein Arzt weiß, was der jeweilige Patient unter dem Begriff „lebenswert“ versteht. Eine Formulierung wie „Ich wünsche nur dann eine künstliche Ernährung während des Sterbeprozesses, wenn diese Beschwerden lindert“ hingegen weist keinen solchen Interpretationsspielraum auf.

Da die wenigsten Menschen das medizinische Wissen besitzen, um eine derartige Patientenverfügung eigenständig zu verfassen, stellt z. B. das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz vorgefertigte Textbausteine zur Verfügung, die man den eigenen Vorstellungen entsprechend zu einer individuellen Patientenverfügung zusammenstellen kann. Die Patientenverfügung muss nicht handschriftlich geschrieben sein, aber sie muss unterschrieben und mit Datum versehen werden, um Gültigkeit zu besitzen. Sie kann jederzeit widerrufen oder geändert werden. Ohnehin ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob alle in ihr festgelegten Bestimmungen nach wie vor den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Eine Patientenverfügung zu haben, ist keine Pflicht. Wer jedoch eine solche Verfügung verfasst hat, sollte sicherstellen, dass seine Angehörigen diese im Falle eines Falles rasch auffinden können, damit die behandelnden Ärzte den Patientenwillen beachten.

Die Vorsorgevollmacht

Eine Vorsorgevollmacht ermächtigt eine andere Person – i. d. R. einen nahen Angehörigen –, für den Aussteller der Vollmacht zu handeln und Entscheidungen zu treffen. Die Vollmacht kann für verschiedene oder alle Lebensbereiche ausgestellt werden, z. B. für medizinische Maßnahmen, für die Vertretung bei Behörden, Banken, Versicherungen, für die Vertretung vor Gericht und einiges andere mehr. So kann der Aussteller der Vollmacht auch festlegen, dass der Vollmachtsinhaber zum rechtlichen Betreuer bestimmt wird, falls er selbst nicht mehr in der Lage sein sollte, bestimmte Rechtshandlungen auszuführen. Das ist sinnvoll, will man für einen solchen Fall die Bestellung eines hauptamtlichen Betreuers durch die Gerichte ausschließen.

Für von MS Betroffene empfiehlt es sich, eine Vorsorgevollmacht auszustellen, wenn sie aufgrund von Bewegungseinschränkungen bestimmte Lebensangelegenheiten (z. B. Bankgeschäfte) nicht länger persönlich regeln können oder dies einen unverhältnismäßig großen Aufwand bedeuten würde. Die Vollmacht muss nicht alle Lebensangelegenheiten umfassen. Die Belange, für die der Aussteller weiterhin selbst verantwortlich sein möchte, können von der Vollmacht ausgenommen werden. Ganz allgemein gilt: Wer eine andere Person als Bevollmächtigten – ganz egal für welche Lebensbereiche – einsetzt, muss ihr umfassend vertrauen, vor allem wenn es um so sensible Bereiche wie Finanzen oder die eigene Gesundheit geht. Muster für eine Vorsorgevollmacht finden Interessierte auf den Seiten des Bundesjustizministeriums.

Quelle: Befund MS 3/2016

11.04.17

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