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Physiotherapie – unentbehrlich in der MS-Behandlung

Physiotherapie – Maßnahmen der Krankengymnastik, der Elektro- und der Hydrotherapie (Wasseranwendungen) sowie Massagen – ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von MS. Sie hat in erster Linie zum Ziel, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers soweit wie möglich wieder herzustellen, z. B. bei durch die MS entstandenen Bewegungsstörungen und/oder -einschränkungen.

So verschieden wie die Auswirkungen, die die MS auf den Bewegungsapparat haben kann, so unterschiedlich sind auch die von der Physiotherapie eingesetzten therapeutischen Maßnahmen, um den Störungen entgegenzutreten. Was dem einen hilft, muss nicht zwangsläufig auch dem anderen nützen. Der Physiotherapeut wird deshalb vor dem Beginn der Behandlung einige Fragen stellen – z. B. nach dem genauen Beschwerdebild, aber auch nach dem Ziel, das sich der Patient selbst setzt – und danach die individuell passende Therapie auswählen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Physiotherapeut spielt eine große Rolle. Wer sich bei einem Physiotherapeuten nicht wohlfühlt, sollte deshalb nicht zögern, zu einem anderen zu wechseln.

Ausstellung eines Dauerrezepts für Physiotherapie möglich

Viele Menschen mit MS benötigen nicht nur ein Rezept für sechs oder zehn Physiotherapie-Sitzungen, sondern sind über einen längeren Zeitraum auf Physiotherapie angewiesen. I. d. R. ist es jedoch schwierig, Nachfolgerezepte für weitere Behandlungen zu erhalten, u. a. weil die Ärzte das Problem haben, dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Heilmittelbehandlungen pro Quartal verordnen können. Seit dem 1. Juli 2011 ist es wieder möglich, auf Antrag ein sog. Dauerrezept für Physiotherapie zu bekommen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat festgelegt, dass Versicherten mit dauerhaften funktionellen Schädigungen oder Behinderungen diese Leistung genehmigt wird; die Genehmigung soll dabei mindestens ein Jahr lang gültig sein. In diesem Fall prüft die Krankenkasse nicht länger jedes einzelne Rezept. In jedem Fall sollten von MS Betroffene bei Bedarf die Physiotherapie aktiv einfordern – in vielen Fällen werden sie ein solches Dauerrezept erhalten.

Verfahren der Physiotherapie

Von MS Betroffene profitieren häufig von den sog. neurophysiologischen Verfahren der Physiotherapie. Zu diesen Verfahren, die u. a. auch das Zentralnervensystem beeinflussen sollen, gehören das Bobath-Konzept, die Vojta-Therapie und die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF). Das Bobath-Konzept hat zum Ziel, trotz funktionaler Einschränkungen wieder die normalen Bewegungsmuster zu vermitteln. Es geht davon aus, dass andere Bereiche im Zentralnervensystem die Funktion der geschädigten Areale übernehmen können und somit Bewegungen wieder möglich werden. Der Therapeut unterstützt seinen Patienten dabei, bestimmte Körperhaltungen einzunehmen, um den Ablauf der Bewegungen zu ermöglichen. Das Bobath-Konzept wird z. B. bei Gleichgewichtsproblemen und Spastiken eingesetzt.

Die Vojta-Therapie verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Der Physiotherapeut löst gezielt natürliche Reflexe aus, um letztlich die ursprünglichen Bewegungsabläufen erneut zu ermöglichen. Er übt u. a. Druck auf bestimmte Bereiche des Körpers (z. B. auf die Arme und Beine) aus, der zu der gewünschten Reflexbewegung führt. Auf längere Sicht sollen sich diese angeborenen Bewegungsabläufe auf diese Weise verselbstständigen. Die PNF schließlich will durch Reizung sog. Propriozeptoren (Fühler an Muskeln und Gelenken, die den Nerven die Lage des Körpers im Raum vermitteln) die Übertragung von Signalen zwischen den Nerven und der Muskulatur verbessern und auf diese Weise u. a. die Muskulatur stärken und Bewegungsabläufe wieder ermöglichen.

Daneben gibt es weitere Verfahren wie die Brunkow-Therapie, bei der sich der Patient in eine bestimmte Körperposition begibt (z. B. in die seitliche Liegeposition) und der Therapeut bestimmte Hautreize wie Stauchen, Druck ausübt, mit denen Muskeln angesprochen und gestärkt werden sollen. Ziel ist u. a. eine Verbesserung des Muskeltonus, die Brunkow-Therapie will aber auch bei Empfindungsstörungen wie dem Ameisenlaufen helfen. Für andere MS-Patienten bietet sich eventuell auch eine Laufbandtherapie an, bei der geräteunterstützt das Gehen und Stehen geübt wird.

Elektrotherapie, Hydrotherapie und Massagen

Auch die Elektrotherapie findet bei MS Einsatz. So werden mit verschiedenen Verfahren z. B. Spastiken und Tremor behandelt. Die sog. transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), eine Behandlung, die mit leichtem Reizstrom arbeitet, kann bei Schmerzen helfen. Sie kann auch zu Hause eingesetzt werden. Zur Hydrotherapie zählen u. a. Bewegungsübungen im Wasser. Vielen Menschen mit MS fallen im Schwimmbad Bewegungen leichter. Wärme ist bei MS weniger zu empfehlen, denn die Leitfähigkeit der Nerven verschlechtert sich dadurch vorübergehend und die Symptome können sich verstärken. Kälteanwendungen hingegen können durchaus eine positive Wirkung z. B. auf die Bewegungsfähigkeit haben. Massagen können schmerzhaften Muskelverspannungen lockern, unter denen insbesondere Rollstuhlfahrer oft leiden.

Wie sieht es mit Übungen zu Hause aus?

Nicht alle Übungen, die der Physiotherapeut zur Behandlung z. B. von Bewegungsstörungen oder auch von Blasenfunktionsstörungen (Beckenbodentraining) eignen sich für die Durchführung zu Hause. Der Grund: Sie müssen nach einem ganz bestimmten Schema und am besten unter Aufsicht durchgeführt werden, um bestehende Beschwerden zu verbessern. Bei falscher Ausführung hingegen können sie u. U. Probleme bereiten. Andere Übungen muss der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten durchführen, sie können nicht allein wiederholt werden. Deshalb sollte man seinen Therapeuten immer fragen, welche Übungen man zu Hause wiederholen kann (und soll) und welche nicht. Viele Physiotherapeuten geben ihren Patienten auch Übungsblätter mit nach Hause, auf denen die einzelnen Übungen und ihr Ablauf zum Nachmachen aufgezeichnet sind. Gibt der Physiotherapeut jedoch die „Hausaufgabe“, täglich eine bestimmte Anzahl an Minuten zu trainieren, sollten sich von MS Betroffene daran halten. Denn auch wenn sich die MS nicht heilen lässt, gegen die Symptome kann man dennoch versuchen anzugehen.

Quelle: Befund MS 02/2013

31.10.13

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