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Pollen als Auslöser für Ekzemschübe

Die Neurodermitikerin Waltraud S. leidet unter Ekzemschüben

Wenn am Ende der Winterzeit das Gras grün wird, die Bäume anfangen zu blühen und die Natur sich in ihrer ganzen Farbenpracht zeigt, entfaltet der Frühling seine volle Kraft. Für Waltraud S. sind dies die schlimmsten Wochen des Jahres. Sie hat Neurodermitis. Und die fliegenden Pollen machen ihr zusätzlich das Leben schwer.

Schon als Kind litt sie unter Asthma, hatte Ausschlag am ganzen Körper und erinnert sich noch heute daran, dass ihre Asthmaanfälle im Frühjahr und im Sommer besonders schlimm waren. Das Leben auf dem Land war damit für die heute 68-Jährige alles andere als eine Idylle, tat ihrer Erkrankung nicht gut. Der Umzug ihrer Familie in eine Kleinstadt auf der Hochebene half, erst mit Mitte 35 trat die Neurodermitis wieder voll zutage. Bereits ein paar Jahre zuvor hatte sie die genaue Diagnose erhalten. „Ich bin Atopikerin, reagiere auf vieles allergisch“, erklärt sie, dass nicht nur die Hauterkrankung ihr Problem ist.

Urlaub an der See hilft

Gegen die Pollenallergie, die bei ihr weitere Ekzemschübe auslöst, hat sie vor längerer Zeit eine drei Jahre dauernde Desensibilisierung gemacht – allerdings ohne Erfolg. „Ich hatte eher das Gefühl, das es dadurch noch schlimmer geworden ist“, bemerkt sie. Danach sei die Neurodermitis voll ausgebrochen. Vor allem die Birkenpollen setzen Waltraud S. zu, ebenso der blühende Raps. In dieser für sie besonders schweren Zeit „ergreife ich die Flucht“, erzählt sie. „Mein Mann und ich sind dann verschwunden, meistens fahren wir an die See.“ Dort werden die Beschwerden dann weniger, den Rückweg treten die beide dann an, wenn die Hochzeit der Pollen zu Ende ist.

Bis zu 15 % betroffen

„Wie viel Prozent der Neurodermitiker davon betroffen sind, ist schwer zu sagen, da es keinen Provokationstest (ein Test mit Allergenen mit dem eine Allergie festgestellt werden kann) gibt. Der Atopie-Patch-Test, bei dem man über die Applikation von Aeroallergenen auf die Haut nach einigen Tagen bei sensibilisierten Neurodermitits-Patienten eine Ekzemreaktion im Testareal feststelen kann, ist aus verschiedenen Gründen kein Bestandteil der Routinediagnostik. Bei den Erwachsenen Patienten mit Neurodermitis dürften in etwa 10–15 % der Fälle relevante Sensibilisierungen gegen Pollen vorhanden sein“, bemerkt Prof. Dr. Natalja Novak, Universitätsklinikum Bonn. „Man vermutet das allergen-spezifische T-Zellen (dies sind Zellen, die mit für die erworbene Immunabwehr des Körpers verantwortlich sind) in die Haut rekrutiert werden und es über die Allergenaufnahme über die Haut zu einem Ekzem kommt. Vor allem an den exponierten Körperstellen. Also an Stellen, die nicht durch die Kleidung bedeckt sind“, erklärt Prof. Novak.

Anti-entzündliche Therapie einleiten

Wer davon betroffen ist, leide vor allem unter juckenden z. T. nässenden, ekzematösen, schuppenden und geröteten Hauveränderungen. In erster Linie helfe eine Allergenvermeidung. „Wichtig ist auch eine Basistherapie zur Wiederherstellung der Hautbarrierefunktion“, erklärt die Medizinerin. Auch eine anti-entzündliche Therapie der betroffenen Areale kann vor allem die akuten Beschwerden lindern. Dafür können z. B. Glukokortikoide eingesetzt werden.

Glukokortikoidhormone werden selbst im Körper des Menschen in der Nebenniere gebildet. Für medizinische Anwendungen wird der Wirkstoff synthetisch hergestellt. Dazu gehört z. B. Cortisol. Diese Glukokortikoide wirken entzündungshemmend. Die betroffenen Hautpartien können damit während des Ekzemschubes behandelt werden, sollten aber auch zunächst noch weiter verwendet werden, wenn die Symptome abgeklungen sind. Dies nennt sich ausschleichende Behandlung. So soll verhindert werden, dass die Ekzeme gleich wieder aufflammen. „Betroffene sollten sich außerdem, wie z. B. auch Heuschnupfenpatienten die Haare waschen, wenn sie nach Hause kommen oder die Kleidung wechseln“, rät Prof. Novak.

Sich Hilfe suchen

Doch trotz aller Behandlungsmöglichkeiten wissen Betroffene wie Waltraud S., dass sie gerade in der Frühlingszeit besonders beeinträchtigt sind. Wie viele andere Neurodermitiker auch war sie bereits bei vielen Ärzten in Behandlung. „Das ist bei diesem Krankheitsbild ja üblich“, betont sie. Manche Ärzte seien sehr bemüht, andere weniger. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass Betroffene immer genau beobachten, ob die von den Medizinern vorgeschlagene Therapie auch wirkt.

Auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe kann Erleichterung bringen – zumindest psychisch. „Es hilft, wenn man mit Gleichgesinnten darüber reden kann“, betont sie. Für diese sei z. B. das äußere Erscheinungsbild unerheblich. Denn auch Waltraud S. hat die Erfahrung gemacht, in der Öffentlichkeit angestarrt zu werden. In Phasen, in denen ihre Haut besonders schlimm aussieht, möchte sie manchmal das Haus nicht verlassen. In dieser schweren Zeit gibt ihr ihre Familie – vor allem ihr Ehemann – viel Kraft, die Krankheit durchzustehen und mit den Vorurteilen in der Bevölkerung umzugehen.

Quelle: Patient und Haut 1/2016

06.06.16

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