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Prognose und Heilungschancen bei Brustkrebs

Erhalten Frauen die Diagnose Krebs, kreisen die Gedanken und damit verbundenen Fragen häufig auch um Heilungschancen.

„Die meisten Krebsregister in Deutschland haben um das Jahr 2000 mit der Erfassung begonnen“, erklärt Dr. Klaus Kraywinkel, Fachgebietsleiter für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut. Deshalb sei es derzeit noch schwierig, Aussagen über Veränderungen der Überlebensraten über einen größeren Zeitraum treffen zu können. Dennoch können sich Patientinnen auf der Internetseite des Instituts u. a. die relativen Überlebensraten für ihre Erkrankung anschauen. „Es handelt sich hier allerdings um die Durchschnittswerte für alle Patientinnen. Die individuelle Prognose kann je nach Stadium und weiteren Eigenschaften des Tumors erheblich abweichen“, betont er. Die höchste Überlebensrate (bezogen auf fünf Jahre) haben Frauen mit Brustkrebs mit rund 88 %, gefolgt von Krebs des Gebärmutterkörpers (80 %), Vulvakrebs (70 %), Gebärmutterhalskrebs (68 %) und Eierstockkrebs (41 %).

Auch weltweit gibt es Bemühungen, die Überlebensraten bei Krebs zusammenzutragen. In der sog. Concord-2-Studie wurden die Daten aus 67 Ländern erfasst und verglichen. „Deutschland steht bei den Heilungschancen im globalen Vergleich gut dar“, betont Prof. Dr. Hermann Brenner, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg. Bei den meisten Krebserkrankungen sei hinsichtlich der Überlebenschance eine kontinuierliche Verbesserung zu verzeichnen. „Deutliche Verbesserungen gibt es u. a. beim Brustkrebs.“ Doch der Mediziner weiß auch: „Die individuelle Prognose kann im Einzelfall ganz unterschiedlich ausfallen und ist z. B. abhängig von dem Stadium, in dem der Krebs entdeckt wurde.“ Er rät deshalb dazu, die individuelle Diagnose immer im Detail anzusprechen.

Psychische Aspekte von Prognosen

Die Prognose, weiß Psychoonkologe Manfred Gaspar, St. Peter-Ording, „spielt für die Patientinnen eine riesengroße Rolle, weil die Prognose alles über die Heilungschancen und damit über die verbleibende Lebenszeit mit dem Krebs aussagt. Gleichzeit spielt die Prognose für die Patientinnen aber auch wieder gar keine Rolle, weil das Wort Krebs zunächst alles überlagert“, bemerkt er. „Noch heute verbinden wir mit dem Wort Krebs immer den Tod“, schildert er seine Erfahrungen. Bei vielen Frauen sei der Krebs eine Zufallsdiagnose, sie hätten sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht schlecht gefühlt und sich durch den Gang zur Vorsorge in einer scheinbaren Sicherheit gewiegt.

Diese Sicherheit, auch bei einer eher ungünstigen Prognose wieder zu gewinnen, sei deshalb besonders wichtig. „Die Ärzte sollten alles, was den Patientinnen Sicherheit geben kann, auch benennen. Etwa, was im Rahmen der Therapie schon alles erreicht worden ist“, erklärt der Experte. Außerdem sei es von Bedeutung, dass die Betroffenen Ziele entwickeln, was sie im Leben noch erreichen möchten. „Die Betroffenen sollten trotzdem auch versuchen, im Hier und Jetzt zu leben.“ Die Prognose selbst sei nicht zu ändern, „aber wie man mit der Prognose umgeht, ist immer eine Sache der Betrachtungsweise“, verdeutlicht Gaspar, der den Patientinnen gerne mit Bildern und beispielhaften Zitaten helfen möchte, ihren Weg zu finden. „Ein Zitat besagt etwa: Ich habe solche Angst zu sterben, aber damit verhindere ich nicht meinen Tod, sondern behindere mein Leben“, nennt er ein Beispiel. Die Hoffnung sei das stärkste Gegengewicht zur Angst. Dies könne etwa auch die Hoffnung einer liebevollen Begleitung bis zum Tod sein, die Hoffnung, keine Schmerzen erleiden zu müssen oder die Hoffnung, dass es den Angehörigen gut geht.

„Nach allem, was wir wissen, spielt die Psyche bei der Entstehung von Krebs keine Rolle. Sie spielt aber eine Rolle für den Umgang mit der Erkrankung und deren Verlauf – in Bezug auf die Lebensqualität der Patientinnen während der Therapie und wie deren Verlauf erlebt wird, beispielsweise wenn es den Betroffenen gelingt, den Krebs als etwas zu ihnen Gehöriges zu sehen, dann haben sie viel gewonnen“, betont Gaspar.

Angehörige miteinbeziehen

Wichtig sei darüber hinaus, die Prognose auch mit den Angehörigen zu thematisieren. „Die Diagnose Krebs trifft nie nur einen einzelnen Menschen, sondern immer ein ganzes soziales System. Und häufig haben die Angehörigen ein noch größeres Problem, über die Erkrankung zu sprechen, als die Patientinnen selbst.“ Doch Krankheit und Heilungschancen gemeinsam zu thematisieren, sei wichtig, weiß der Psychoonkologe. „Ich motiviere Paare z. B. auch immer dazu, über die Endlichkeit gemeinsam zu sprechen.“

Auch Ärzte sollten beim Gespräch mit den Betroffenen über ihre Heilungschancen sensibel vorgehen. „Die Ärzte thematisieren die Prognose häufig von sich aus“, berichtet Gaspar von seinen Erfahrungen. „Ich halte dies für problematisch, denn sie wissen nicht, was diese für die Patientinnen bedeutet. Außerdem erreichen sie die Frauen damit nicht. Wichtig sind aufbauende Worte“, erklärt er. Es wäre von Vorteil, wenn die Mediziner positive Formulierungen benutzen würden, wie etwa: Sie haben alles gut überstanden. Dies können die Betroffenen dann auch nutzen, um Ängsten der Zukunft positiv entgegenzublicken.

Quelle: Leben? Leben! 1/2016

20.04.16

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