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Prostatakrebs: Nutzen von Prostatakarzinom-Zentren

Krebserkrankungen sind ein massiver Einschnitt für Patienten und Angehörige. In einer solchen Situation ist es von größter Wichtigkeit, dass sich sowohl die Patienten als auch deren Angehörige im wahrsten Sinne des Wortes gut aufgehoben fühlen. Seit einigen Jahren zertifiziert die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) in diesem Zusammenhang Organzentren, z. B. Darmzentren, Prostatakarzinomzentren oder Lungentumorzentren.

Zertifizierte Zentren sollen der Verbesserung der medizinischen Versorgung dienen – ein allgemein strapaziertes Schlagwort in den vergangenen Jahren. Aber in den Organzentren kann durch das – nicht nur gewollte, sondern geforderte – Hinzuziehen verschiedener Fachkollegen ein solches Plus an Qualität exzellent erzielt werden. Im vergangenen Jahr hat die DKG zudem damit begonnen, auch übergeordnete onkologische Zentren als Zusammenschluss mehrerer Organzentren zu zertifizieren, um die interdisziplinäre Versorgung von Patienten mit Tumoren verschiedener Organe zu verbessern.

Verschiedene Disziplinen wirken zusammen

Ein wesentlicher Aspekt eines solchen Zertifizierungsverfahrens, wie es z. B. bei den Prostatakarzinom-Zentren angewandt wird, ist die Interdisziplinarität. Damit ist zum einen die fachübergreifende Betreuung verschiedener medizinischer Fachrichtungen (z. B. Urologie und Strahlentherapie) beim Prostatakarzinom gemeint, zum anderen aber auch auch – als wesentlicher Bestandteil – die sozialen Aspekte. Hierbei sind insbesondere Selbsthilfegruppen, psychosozialer Dienst sowie weitere medizinische Kooperationspartner aus der Palliativmedizin und auch Psychoonkologie verpflichtend eingebunden.

Für die betroffenen Patienten bedeutet dies, dass nicht nur die initiale medizinische Versorgung, sei sie medikamentös, strahlentherapeutisch oder operativ, sondern auch die kontinuierliche Betreuung über die eigentliche Erkrankungssituation hinaus gewährleistet sind. Am Beispiel des Sozialdienstes sei dies dargestellt: Tumorkranke haben Anspruch auf die Anerkennung einer Schwerbeschädigung im Sinne des Sozialgesetzes. Dies ist aber nicht jedem Patienten bekannt. Die Sozialberatung in Tumorzentren beinhaltet deshalb nicht nur die Information über Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitationsmöglichkeiten, sondern auch die Beratung von Patienten und Angehörigen über die Aspekte der Schwerbeschädigung. Dies muss nicht sofort beim Erstkontakt geschehen, ist aber jederzeit im Verlauf der Erkrankung möglich, damit die Absicherung von Patient und Familie gewährleistet ist.

Auditoren überprüfen Zentren zum Wohl des Patienten

Ob dies alles – Interdisziplinarität der medizinischen Fachrichtungen, Einbinden psychoonkologischer und psychosozialer Aspekte, Dokumentation der Ergebnisqualität der Behandlung, Nutzen neuester diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten – umgesetzt wird, wird im Zertifizierungsverfahren, dem Audit, überprüft. Zwischen den Auditoren (Fachprüfern aus der Medizin und Vertretern der DKG) und dem zu zertifizierenden Zentrum lässt sich in den Zertifizierungsgesprächen herausarbeiten, ob die notwendige Interdisziplinarität gewahrt ist. Hierbei sind in einem Zentrum nicht zwingend nur Krankenhausärzte bzw. Institutionen beteiligt, sondern auch vielerorts niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die entweder integraler Teil des Zentrums oder assoziiert sind. Selbsthilfegruppen, Pflegedienste, Palliativdienste und Hospize sind entweder immer oder häufig vom Krankenhaus unabhängig.

Dadurch wird gewährleistet, dass den Patienten die gesamte Palette der gegenwärtig zur Verfügung stehenden therapeutischen Optionen vorgestellt und unabhängig von den lokalen Möglichkeiten angeboten wird. Die Realisierung dieses Ansatzes wird jährlich überprüft und alle drei Jahre mit einer Re-Zertifizierung bei erfolgreichem Vorgehen dokumentiert. Zwischen diesen externen Überprüfungen sind im vierteljährlichen Abstand, zusätzlich zu den wöchentlichen Konferenzen, interne Qualitätskontrollen und Überprüfungen der Umsetzung der vorgegebenen Ziele verpflichtend vorgeschrieben. Auch diese Regularien werden im Zertifizierungs- bzw. Re-Zertifizierungsaudit überprüft und führen zur Anerkennung bzw. im Negativfall zum Verlust des Status als zertifiziertes Krebszentrum.

Für die Patienten und deren Angehörige ist hierdurch gewährleistet, dass sie nach neuesten Erkenntnissen behandelt werden. Gleichzeitig ist zudem eine Weiterbetreuung sichergestellt, von den niedergelassenen Kollegen, die teilweise an Organzentren angeschlossen arbeiten, bis hin zu den Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen. Dies alles geschieht unter der Prämisse des Menschen im Mittelpunkt der Therapie.

Prof. Dr. Herbert Sperling, Mönchengladbach

Quelle: Befund Krebs 1/2011

22.03.13

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