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Psychische Aspekte bei Atemwegserkrankungen

Lungenkranke Menschen leiden häufig auch an psychischen Problemen wie Angst, Panik oder Depression. Helfen können eine spezielle Verhaltens- und Trainingstherapie sowie der Austausch mit Betroffenen. Aber auch eine medikamentöse Therapie kann notwendig werden.

Der Ausdruck Depression leitet sich von dem lateinischen „deprimere“ ab, was auf Deutsch „niederdrücken“ bedeutet. Die Beschwerden sind vielfältig. So können eine anhaltende gedrückte Stimmung, deutlich vermindertes Interesse, Antriebsmangel sowie weitere körperliche Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Appetitstörungen, bleierne Schwere in den Beinen und Schmerzen auftreten. Laut den Neurologen und Psychiatern im Netz hat die Mehrheit der unter dieser psychischen Erkrankung leidenden Betroffenen Selbstmordgedanken. Von der Erkrankung sind in Deutschland etwa 5 % der Bevölkerung betroffen. Das sind ca. vier Millionen Menschen.

Depressionen im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen sind nicht selten. Bei Lungenkrebs-Patienten können beispielsweise die Beschwerden während der Diagnose, wenn dem Betroffenen bewusst wird, dass er Krebs hat, nach Operationen oder wenn die Erkrankung trotz Therapie weiter voranschreitet, auftreten. Auch manche Medikamente, die zur Behandlung des Tumors eingesetzt werden, können eine Depression verursachen. Obwohl nicht jede Niedergeschlagenheit oder Mutlosigkeit ein Zeichen für eine psychische Erkrankung ist, können dennoch psychotherapeutische Methoden, eventuell kombiniert mit geeigneten Medikamenten helfen.

Auch COPD-Betroffene können unter den Symptomen einer Depression leiden. Wie die Patientenliga Atemwegserkrankungen in einem von Priv.-Doz. Dr. Matthias Michal verfassten Artikel informiert, sollen zwischen 10 % und 42 % der Patienten mit einer stabilen COPD an einer Depression erkrankt sein. Die körperliche Schonhaltung, die viele Patienten einnehmen, um Atemnot zu vermeiden, führt dazu, dass die körperliche Leistungsfähigkeit abnimmt. Aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität ziehen sich die Betroffenen aus dem Alltagsleben zurück. Der Besuch von Familie oder Freunden sowie die gewohnten Aktivitäten wie beispielsweise ein Einkaufsbummel fallen schwerer. Endpunkt ist die soziale Isolation, die zusammen mit den Ängsten und der Hilflosigkeit verschiedene Formen der Depression verstärken kann.

Psychische Probleme sind aber auch bei Asthmatikern keine Seltenheit. So neigen Kinder und Jugendliche mit Asthma drei bis viermal so häufig zu Krankheiten wie beispielsweise ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung), Depressionen, Angststörungen und Lernschwierigkeiten – so die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP). Das Risiko für eine psychische Erkrankung hängt mit der Schwere des Asthmas bronchiales zusammen.

Angst- und Panikstörungen

Als Angststörung werden eine Gruppe psychischer Störungen, bei denen die Betroffenen ein übertriebenes Angstempfinden aufweisen, bezeichnet. Zu der Angststörung zählen Panikstörungen, soziale Phobien, Agoraphobien (Angst vor bestimmten Orten, wie z. B. vollen Plätzen oder Menschenmassen) sowie die generalisierte Angststörungen. Bei Panikstörungen treten plötzlich Panikattacken auf, die innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt erreichen. Charakteristische Symptome sind Herzklopfen, Atembeschwerden, Schwindel sowie Bewusstseinsstörungen wie beispielsweise das Gefühl der Unwirklichkeit (Gefühl, dass Dinge unwirklich sind oder man selbst „nicht richtig da“ ist). Betroffene entwickeln in der Folge eine ständige Sorge bzw. Angst, dass erneut eine Panikattacke auftreten könnte oder vor deren Konsequenzen. Häufig entwickelt sich nach einer Panikattacke eine sog. Agoraphobie. D. h. die Betroffenen haben Angst vor bestimmten Orten oder Situationen, da dort ihrer Meinung nach eine Flucht bei Auftreten der Beschwerden schwierig oder keine Hilfe verfügbar ist. Im Extremfall können sie die Wohnung nicht mehr verlassen.

Krebskranke Patienten haben häufig Angst, an der Erkrankung sterben zu müssen oder Angst vor Schmerzen und Leiden. Zwar ist Angst eine normale Reaktion auf Situationen, die bedrohlich empfunden werden. Sollte sie jedoch länger anhalten (z. B. über mehrere Wochen) oder übermächtig werden, empfiehlt sich eine psychotherapeutische Unterstützung.

COPD-Betroffene leiden häufig neben Angst und Panik bei Atemnot auch unter der Furcht vor dem Fortschreiten der Erkrankung, sog. Progredienzängste. Sie fragen sich, wie es mit ihnen weitergehen wird. Auch Angst vor der Endphase des Lebens (End-of-Life-Ängste) können auftreten.

Behandlung

Medikamente können das seelische Befinden positiv beeinflussen. Hier können angstlösende und/oder antidepressiv wirkende Arzneimittel verwendet werden. Bei quälender Atemnot können auch Morphinpräparate zum Einsatz kommen. Neben der Behandlung mit Arzneimitteln können zudem der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe und Psychotherapie helfen. Eine psychotherapeutische Behandlung dauert 50 Minuten und soll den Betroffenen helfen, ihre Probleme besser lösen zu können. Auch verschiedene Entspannungstechniken können den Betroffenen helfen, schwierige Situationen besser zu überstehen. Ein Beispiel ist das autogene Training, bei dem der Betroffene durch Autosuggestion (eine Art Selbsthypnose) einen Zustand tiefer Entspannung erreicht. Sinnvoll kann auch eine Verhaltens- und Trainingstherapie beispielsweise während einer pneumologischen Rehabilitation sein. Mit der Trainingstherapie lernen Betroffene u. a. wie sie mit der Luftnot umgehen und wie sie den Abbau der Muskeln verhindern können.

Das Wichtigste ist jedoch, dass Patienten mit Atemwegserkrankungen, die unter psychischen Problemen leiden, ohne Scham über ihre Ängste oder Depressionen mit ihrem Haus- oder Facharzt reden. Dieser kann eine geeignete medikamentöse oder psychotherapeutische Therapie einleiten. Aber auch das alleinige Ansprechen der Beschwerden und die Aussicht auf ärztliche Betreuung können für Betroffene hilfreich sein.

Quelle: COPD und Asthma 1/2016

09.06.16

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