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Qualitätsstandars zertifizierter Brustzentren

Patienten erhalten gesamte Vielfalt an Therapiemöglichkeiten

Die Diagnose Brustkrebs ist für viele Frauen und auch Männer ein Schock – schnell wird die Frage nach der bestmöglichen Behandlung laut. Um da ganz sicher zu gehen, gibt es zertifizierte Brustkrebszentren. Doch was bedeutet das eigentlich? Dr. Anke Kleine-Tebbe, Chefärztin in Berlin-Köpenick, erläutert im Gespräch mit Befund Krebs, wie die interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert und welche Vorteile diese für die Patienten hat.

Frau Dr. Kleine-Tebbe, was genau ist ein zertifiziertes Brustzentrum?

Ein Brustzentrum ist ein Zentrum oder eine Anlaufstelle, wo Frauen mit Erkrankungen der Brust die Möglichkeit haben, eine kompetente und rasche Abklärung ihrer Befunde zu erhalten. Anschließend werden Therapieoptionen besprochen. Das zertifizierte Brustzentrum zeichnet sich dadurch aus, dass darüber hinaus besondere fachliche Anforderungen erfüllt sein müssen. Es verfügt auch über ein anerkanntes Qualitätsmanagement, das z. B. auf die patientenorientierte Versorgung ausgerichtet ist. Die fachlichen Anforderungen werden durch ein unabhängiges Zertifizierungsinstitut jährlich überprüft.

Wie läuft der Zertifizierungsprozess ab?

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat gemeinsam mit der Gesellschaft für Senologie einen sog. Erhebungsbogen für zertifizierte Brustzentren entwickelt. Das ist ein detaillierter Fragenkatalog mit einem Umfang von über 40 Seiten, der bestimmte Strukturen z. B. von der Anmeldung über den stationären Verlauf, die Kooperationspartner bis hin zur Pflege, das OP-Management und die weitere Behandlung beschreibt. Es gibt insgesamt 18 Schwerpunktthemen interdisziplinär arbeitender Brustzentren, die dort im Detail abgefragt werden.

Dazu gehört z. B. auch die Beschreibung, wie häufig eine bestimmte Behandlung durchgeführt wird und wie die Ergebnisse dazu aussehen. Die Anforderungen betreffen auch Mindestzahlen für Operationen – jedes Brustzentrum muss mindestens 150 Frauen oder Männer mit neu erkanntem Brustkrebs im Jahr behandeln. Im Erhebungsbogen beschreibt jedes Brustzentrum, das sich zertifizieren lassen möchte, die entsprechenden Kennzahlen des eigenen Hauses. Daran kann geprüft werden, ob es den Anforderungen entspricht und ob die geforderten Mindestzahlen erreicht werden.

Können Sie ein Beispiel für solche Qualitätsstandards erläutern?

Nehmen wir das Beispiel Patientensicherheit im Operationssaal. Im Qualitätsmanagement achten alle Behandler darauf, dass bei einer Operation eine Verwechslung der Person oder des geplanten Eingriffs vermieden wird. Wir legen ganz großen Wert auf Patientensicherheit und wollen falsche Operationen verhindern. Zur Kontrolle haben wir im eigenen Haus eine Team-Time-out-Regel eingeführt.

Das bedeutet, dass wir vor jedem operativen Eingriff innehalten und die Kollegen der Anästhesie, die Operateure und das ganze Operationsteam überprüft, ob sie den richtigen Patienten oder die richtige Patientin vor sich haben, ob die richtige Seite und das richtige Organ operiert werden. Das ist ein Beispiel für eine gelebte Qualität und führt zu mehr Sicherheit im Operationsablauf. Später wird überprüft, ob in der Patientenakte der Team-Time-out-Bogen von allen Beteiligten abgezeichnet worden ist.

Wie wird die Einhaltung der Qualitätsstandards kontrolliert?

Mithilfe des Erhebungsbogens kann sich ein Bewerber für eine Brustzentrum-Zertifizierung vorab qualifizieren. Anhand dieser Ergebnisse erfolgte eine Vorauswahl. Im zweiten Schritt überprüfen Gutachter, sog. Auditoren, vor Ort die beschriebenen Arbeitsabläufe: Einmal im Jahr kommen unabhängige Prüfer bzw. Auditoren und besuchen alle kooperierenden Abteilungen des Brustzentrums.

Dabei wird darauf geachtet, dass die genannten Qualitätsindikatoren von allen Beteiligten eingehalten werden. Es wird überprüft, ob das, was im Erhebungsbogen beschrieben wurde, auch der Realität entspricht. Vor Ort haben die Auditoren die Möglichkeit, das Personal zu befragen, wie bestimmte Abläufe normalerweise gehandhabt werden. So können sie festzustellen, ob Abweichungen in den beschriebenen Abläufen zu verzeichnen sind.

Nach der Kontrolle erfolgt dann die Rezertifizierung?

Genau. Die beschriebenen 18 Schwerpunkte werden alle durchgegangen und überprüft. Wenn die Mehrzahl der Anforderungen erfüllt ist, gibt es wie bei einem Ampelsystem grünes Licht für die Rezertifizierung. Bei einer Nicht-Erfüllung oder Abweichung gibt es eine Gelbe Karte und die Möglichkeit, daran zu arbeiten. Abläufe können in der Zukunft verbessert werden. Bei der nächsten Überprüfung wird auf diese Punkte ein besonderes Augenmerk gelegt.

Das ist ja ein bisschen wie beim TÜV. Aber manche Mängel sind dann doch so gravierend, dass es kein grünes Licht gibt?

Richtig. Gerade zu Beginn der Zertifizierungen 2004 haben sich Brustzentren zur Zertifizierung gemeldet, die z. B. nicht die geforderten 150 primären Fälle bzw. weniger als z. B. 400 Chemotherapien nachweisen konnten. Die Kliniken hatten gehofft, dass sie diese Zahlen im nachfolgenden Jahr nachweisen können.

Wenn eine Klinik die erforderlichen Kennzahlen auch im folgenden Jahr nicht erreicht, gibt es die Möglichkeit, sich mit einer weiteren Klinik zusammenzuschließen oder andere Kooperationsformen zu suchen. Manche Zentren haben standortbedingt Schwierigkeiten, Kooperationspartner z. B. im Bereich der Onkologie oder Strahlentherapie bzw. für den Bereich der Psychoonkologie zu finden. Diese sind jedoch feste Bestandteile eines zertifizierten Brustzentrums.

Stichwort interdisziplinäre Zusammenarbeit – was hat sich für Sie als Ärztin in Ihrer Arbeit verändert?

Die Zusammenarbeit hat deutlich an Qualität und Struktur gewonnen, die Abläufe sind harmonischer. Die regelmäßigen Treffen und der Austausch bei den gemeinsamen Tumorkonferenzen haben dazu beigetragen, dass ich meine Behandlungspartner viel besser kenne und deren Arbeit wertschätzen kann. Außerdem erhalte ich einen detaillierten Einblick in die Abläufe der anderen, z. B. bei der Gewebeuntersuchung oder in der Diagnostik.

Durch den intensiven Austausch wird das eigene Wissen erweitert, dieses kommt vor allem den mir anvertrauten Patientinnen zugute. In der Vergangenheit habe ich als Ärztin der Patientin eine Therapie vorgeschlagen. Aktuell wird jede Patientin mit ihrer Erkrankung in der Tumorkonferenz mit allen Kooperationspartnern besprochen. Hier ergeben sich nicht selten zusätzliche Erkenntnisse und ergänzen sich zu einer ausgewogenen Behandlungsempfehlung.

Die gemeinsamen fachlichen Diskussionen haben das Behandlungsspektrum deutlich erweitert. Ein positiver Aspekt der Konferenz ist auch, dass Patientinnen keine Behandlung vorenthalten werden. Aktuell ist man als Ärztin/Arzt verpflichtet, das Ergebnis der Tumorkonferenz mit der eigenen Patientin zu besprechen. Ziel ist es, eine gemeinsam getragene Entscheidung für die weitere persönlich zugeschnittene Therapie zu finden. Mir macht die Arbeit im Team sehr viel Spaß!

Was sind Schwerpunkte in der interdisziplinären Zusammenarbeit?

Aktuell wird sehr großer Wert auf die psychoonkologische Betreuung gelegt. Jede Patientin erhält, wenn sie stationär aufgenommen wird, eine entsprechende Beratung. Es werden „Interviews“ mit geschultem Personal geführt, um zu erfahren, welche Ressourcen bzw. Kräfte eine Frau mitbringt, um mit ihrer Erkrankung und der Krise zurechtzukommen. Die Unterstützung in der Familie und durch eine Partnerschaft ist in diesem Zusammenhang ganz wichtig.

Ein weiteres gutes Beispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit ist unsere präoperative klinische Konferenz, die wir gemeinsam mit unseren Radiologen und Pathologen vor jeder Operation abhalten. Hier entscheiden wir, ob noch weitere Untersuchungen notwendig sind und auch die Wahl der Operation wird entsprechend der Befunde festgelegt. Die Planung und Vorbereitung einer jeden Behandlung erfolgt im Team.

Angst ist ja auch ein großes psychologisches Problem bei Brustkrebs. Wie gehen Sie damit um?

Sie sprechen ein sehr wichtiges Thema an. Ich beobachte häufig, dass Frauen zur Abklärung eines Knotens in der Brust mit ganz viel Angst und Unsicherheit kommen. Dann ist es mir und meinem Team besonders wichtig, sie rücksichtsvoll, freundlich und empathisch aufzunehmen. Ich möchte erreichen, dass die Frau bei diesem wichtigen Gesprächstermin zuhören und mitdenken kann. Eine gute Atmosphäre zu schaffen, ist dabei das Wichtigste.

Wir können die Angst verringern, indem wir die Partner oder eine vertraute Freundin zum Gespräch hinzubitten. Beim ersten Besuch gebe ich gerne verständliches Informationsmaterial mit, damit die Frau zu Hause in aller Ruhe die Gelegenheit hat, alles Wichtige nachzulesen. Die Frauen und auch Männer entsprechend ihrer Bedürfnisse vertrauensvoll zu begleiten, ist mir ein wichtiges Anliegen. Dies schafft auf Dauer eine hohe Zufriedenheit aller Beteiligten.

Warum sollte jemand, der von Brustkrebs betroffen ist, sich an ein zertifiziertes Zentrum wenden?

Wenn ich die Diagnostik und Therapie in dem Netzwerk eines zertifizierten Brustzentrums nutze, kann ich mich darauf verlassen, dass es den modernsten Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Senologie entspricht und dass ein erfahrenes und geprüftes Team diese Arbeit tagtäglich auf hohem Niveau durchführt.

Quelle: Befund Krebs 3/2011

13.09.11

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