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Rehabilitation nach der Behandlung von Prostatakrebs

Die meisten Patienten werden heute durch die Erstbehandlung (Operation, Bestrahlung) des Prostatakrebs geheilt. Jedoch treten danach häufig funktionelle Störungen und Beschwerden auf. Durch die urologisch-onkologische, stationäre Rehabilitation (Reha) kann man diese Probleme wie z. B. Harninkontinenz oder Impotenz, anhaltende Schmerzen und die allgemeine Leistungsschwäche verbessern oder beseitigen.

Dies gelingt nur mit einer fachspezifischen medizinischen Kompetenz bei Diagnostik und Therapie sowie einer hohen therapeutischen Dichte. Multimodale stationäre Anschlussrehabilitationen (AR) unmittelbar in Anschluss an Operationen oder Bestrahlung und die stationäre urologisch-onkologische Rehabilitation unterscheiden sich deutlich von der alten Badekur mit wenigen Arztkontakten und relativ wenigen, unspezifischen Anwendungen. Durch versierte Therapeuten und insbesondere fachärztliche Mitarbeiter gelingt es besonders gut, die unten skizzierten Probleme zu verringern oder zu beseitigen.

Besserung eines ungewollten Urinverlusts (Harninkontinenz)

Die Harninkontinenz steht bei den Beeinträchtigungen an erster Stelle. Bei der multimodalen Therapie sind mehrere medizinisch-therapeutische Fachabteilungen einer Rehaklinik beteiligt. Durch das gezielte Erlernen eines Kontinenztrainings als Eigenübungsprogramm, begleitet von Entspannungsverfahren zum besseren Erspüren des Schließmuskels, werden Patienten nachgewiesenermaßen schneller und häufiger wieder kontinent. Bei Bedarf kommen zusätzlich Maßnahmen wie Medikamente, Magnetstuhl, Reizstrom, Biofeedback (visuell, akustisch oder per Spiegelung), Rüttelplatte oder Ergotherapie (Gehirnjogging zur besseren Steuerung der Kontinenz) zum Einsatz.

Beratung, Behandlung und praktische Anleitungen bei Impotenz (Erektile Dysfunktion – ED)

Eine intensive und offene Beratung zu der meist geänderten Sexualfunktion erleichtert dem Patienten eine individuelle Entscheidung über das weitere Vorgehen in diesem mit Tabus belegten Bereich. Meist ist das sexuelle Verlangen und die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erspüren, erhalten. Je nach Bedarf und Vorgeschichte kommen Medikamente (PDE-5-Hemmer), eine Vakuumpumpe (VEHS), die Spritzenmethode (SKAT) oder eine Harnröhrentablette zum Einsatz.

Schmerzsanierung

Eine gezielte medikamentöse sowie balneo- und physiotherapeutische Schmerzbehandlung (Elektrotherapie, Wärmepackungen, Massagen, Psychotherapie und körperliches Training) ist bei ca. 10 % der Patienten erforderlich. Wesentliche Schmerzen liegen nach Abschluss der Reha meist nicht mehr vor.

Körperlicher Aufbau, Verbesserung der Abwehrkräfte, Beratung und Schulung

Durch ein Bewegungsprogramm wird die allgemeine Fitness verbessert. Dabei wird auf eine an die aktuelle Wundsituation und die allgemeinen Möglichkeiten des Patienten angepasste Übungsintensität geachtet. Über die Haut wirkende Balneo- und physikalische Therapiemaßnahmen wie Kohlensäurebäder, Güsse, Wassertreten und Wärmepackungen verbessern die nach der Behandlung geschwächte Abwehrkraft des Körpers. Probleme wie vorübergehende Nervenschäden, Lymphstau, Lymphwasseransammlungen, Thrombosen oder Abflussbehinderungen der Harnblase werden erkannt und behandelt. Eine gezielte individuelle Beratung und Schulungen zu Tumorerkrankung, Ernährung, Bewegung, Vermeiden von Risikofaktoren und dem Sozialverhalten verbessern die Dauerheilungschancen.

Probleme mit der Krankheitsverarbeitung und dem Gesundungsprozess

Etwa ein Viertel der Patienten hat nach der Behandlung Probleme, die einer gezielten psychoonkologischen Betreuung bedürfen. Hierbei kommen Einzel- oder Paargespräche, Schulungen und Seminare, Entspannungsverfahren und Medikamente zum Einsatz. Auch helfen hier körperliches Training und der Austausch mit den Mitpatienten.

Priv.-Doz. Dr. Winfried Vahlensieck
Bad Nauheim

Quelle: Befund Krebs 5/2015

05.01.16

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