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Rehabilitation nach Brustkrebs: „Zusammen stark werden“

Mutter-Kind-Schwerpunktkur

Diese Familie ist ein Herz und eine Seele: Mutter Ingrid (43) und ihre drei Männer – Vater Georg (45) und die beiden Jungen Fabian (13) und Julian (8). Auf einem ehemaligen Bauernhof im oberbayerischen Landkreis Mühldorf führte diese Familie ein unbeschwertes, glückliches Leben. Doch dann kam der Schock: Diagnose Brustkrebs. Und plötzlich geriet diese heile Welt ins Wanken.

Das war vor zwei Jahren. „Brustkrebs – das war für mich ein Todesurteil”, erzählt Ingrid S. heute. „Ich habe etliche Tage geheult, war am Boden zerstört und unfähig, irgendetwas anderes zu denken oder zu tun.” Es begann eine unsägliche Leidenszeit für Ingrid S. Der Knoten in der Brust wurde erst operativ entfernt, im Anschluss mit Chemotherapie und Bestrahlungen behandelt – Monate zwischen Ausweglosigkeit und Hoffnung. An den ersten Tagen der Chemobehandlung legten die Medikamente ihre Psyche lahm, büschelweise fielen ihr nach der ersten Behandlung die Haare aus, die Schleimhäute wurden trocken. „Mit jeder Behandlung wurde eine weitere Körperfunktion regelrecht abgeschaltet”, schildert Ingrid S.

Der Krebs bestimmte Alltag und Gefühle der Familie

Gatte Georg war Ingrid in dieser schweren Zeit eine starke Stütze. Die Familie war ihr Anker. Doch die Tränen der Angst der beiden Jungen um die Mutter gingen an Ingrid S. nicht spurlos vorüber: Als Mutter stark sein, wenn einem selbst zum Heulen zumute ist. „Das Schlimmste war die Zeit zwischen den Behandlungen, das Warten bis zur nächsten Chemotherapie”, erinnert sich Ingrid S. Die Krankheit der Mutter war in der Familie allgegenwärtig. Der ältere Sohn Fabian, damals elf, hat nicht darüber geredet, er reagierte gefasst. Doch der damals sechsjährige Julian distanzierte sich immer mehr von seiner Mutter. Er wollte nicht mehr kuscheln und baute einen Schutzwall um sich auf.

„Kinder leiden besonders unter Erkrankung der Mutter”

Mutter Ingrid entschloss sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Ich habe mich nie aufgegeben – und meine Familie erst recht nicht! Ich wollte, dass Julian wieder zu mir zurückfindet”, sagt die Mutter. „Zusammen stark werden” heißt ein speziell für Familien nach überstandener Krebsbehandlung aufgelegtes Kur-Programm. Drei Wochen verbrachte Ingrid S. mit ihrem Sohn in der Kur. „Familien sind in der Zeit größtem Stress ausgesetzt. Kinder leiden psychisch besonders unter der Erkrankung der Mutter. Sie brauchen ebenfalls dringend Abstand von den Erlebnissen dieser schweren Zeit. Die Schwerpunktmaßnahme Krebsnachsorge in der Mutter-Kind-Kur berücksichtigt die multifaktoriellen familiären Bedingungen, Ursachen und Auswirkungen einer Tumorerkrankung. Daher steht nicht nur die Mutter, sondern im familientherapeutischen Sinne auch das Kind im Vordergrund”, erläutert Miriam Qammou-Engel, leitende Psychologin einer Klinik, die das Konzept der Schwerpunktkur „Zusammen stark werden” anbietet.

Leben nach der Kur: neue Ziele, neue Perspektiven

In diesen drei Wochen erlebte Ingrid S. noch einmal alle Höhen und Tiefen – aber am Ende fühlte sie sich gefestigt und die ins Wanken geratenen Familienbande haben sich wieder stabilisiert. Julian liebt seine Mutter, er kuschelt wieder mit ihr, wendet sich nicht mehr ab. „Das war seine Art, damit fertig zu werden”, sagt Ingrid S. im Nachhinein. Und sie selbst? Heute, zwei Jahre nach dem „Todesurteil Brustkrebs”, wirkt Ingrid S. aufgeräumt und fröhlich. Sie hat sich neue Ziele gesteckt, sieht das Leben nun aus einer völlig anderen Perspektive, was vorher wichtig war, ist jetzt nicht mehr so wichtig. Doch eines kann sie nicht wegwischen: Die unterschwellige Angst, dass der Krebs wiederkommen könnte. „Meine Unbeschwertheit ist weg”, sagt Ingrid S, „das fehlt mir.”

Annette Rexrodt von Fircks

Quelle: Leben? Leben! 2/2012

26.11.12

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