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Rehabilitation bei Lungenkrebs

Lungenkrebs gehört zu den häufigen Krebsarten. In Deutschland lag laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten die Zahl der Neuerkrankungen im Jahr 2010 bei 52.070. 43.008 Patienten starben an dieser Erkrankung. Männer erkranken zweimal häufiger als Frauen. Betroffen ist hier insbesondere die Altersgruppe zwischen dem 75. und 80. Lebensjahr. Während die Zahlen bei den Männern konstant oder leicht rückläufig sind, ist bei den Frauen eine dramatische Zunahme zu verzeichnen. Dies reflektiert den ansteigenden Zigarettenkonsum bei Frauen in den letzten Jahrzehnten. Allgemein wird angenommen, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen generell in den nächsten Jahrzehnten, auch aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung, deutlich zunehmen wird.

Entstehung von Lungenkrebs

Etwa 90 % der Lungenkarzinome sind auf das Inhalationsrauchen zurückzuführen. Die Häufigkeit von Lungentumoren, die durch andere Ursachen als das Zigarettenrauchen verursacht werden, wird auf 9–15 % geschätzt. Hier ist zum einen die berufliche Exposition gegenüber Asbest, sog. polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (Ruß und Teer), Chromate, Arsen und Nickel zu nennen. Zum anderen wird das in der Natur vorkommende radioaktive Edelgas Radon, welches sich in Kellerräumen von Häusern ansammeln kann, für das Entstehen von Lungenkarzinomen verantwortlich gemacht. Als weiterer Risikofaktor gilt Passivrauchen.

Diagnose und Therapie

In der Therapie und Diagnostik von Lungenkrebs hat es in den letzten Jahren zahlreiche Fortschritte gegeben. Als Beispiel für neue diagnostische Verfahren seien hier das sog. PET-CT und der endobronchiale Ultraschall genannt. Diese Verfahren ermöglichen es, dass Tumorstadium vor einer geplanten Therapie sehr genau zu bestimmen. Hierdurch ist es möglich, dem Patienten u. U. weitere, möglicherweise belastende Untersuchungen und unnötige Therapien von vornherein zu ersparen. Durch die sog. individualisierte Therapie und Target-Therapie, können die Erfolgsaussichten einer Behandlung entscheidend verbessert werden.

Die Therapie von Lungenkrebs richtet sich u. a. nach der Art des Tumors. Es werden sog. kleinzellige und nicht-kleinzellige Karzinome unterschieden. Ferner ist das Tumorstadium entscheidend. Leider ist es immer noch so, dass Lungenkrebs häufig erst im fortgeschrittenen Tumorstadium diagnostiziert wird, weil Symptome anfangs völlig fehlen können oder aber verkannt werden (z. B. lang anhaltender Husten).

In Frühstadien von Lungentumoren wird allgemein eine Operation mit Entfernung aller Tumorbestandteile, einschließlich befallender Lymphknoten, angestrebt. Um das Wiederauftreten (Rezidiv) des Tumors zu verhindern, wird bei Befall der Lymphknoten eine Chemotherapie und/oder Bestrahlung angeschlossen. In fortgeschrittenen Stadien oder wenn eine Operation aus anderen Gründen nicht möglich ist, werden häufig Strahlen- und Chemotherapie miteinander kombiniert. Im Rahmen sog. Tumorkonferenzen, an denen Lungenfachärzte, Onkologen, Strahlentherapeuten und Chirurgen beteiligt sind, wird über das beste Vorgehen bei den betroffenen Patienten entschieden.

Obwohl in der Behandlung von Lungentumoren große Fortschritte gemacht wurden und die Nebenwirkungen von Chemo- und Radiotherapie gut behandelt werden können, stellen diese Therapieverfahren dennoch eine erhebliche Belastung für den Patienten dar. So wird nach überstandener Behandlung häufig über allgemeine Schwäche, allgemeine Müdigkeit (sog. Fatigue-Syndrom), Appetitlosigkeit und Übelkeit geklagt. Darüber hinaus verursacht die Operation oft Schmerzen im Brustkorb sowie Missempfindungen im Bereich der Operationsnarbe. Daneben können auch Heiserkeit und Schluckstörungen Folge des operativen Eingriffs aber auch des Lungentumors selbst sein. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen stellt die Diagnose Lungenkrebs auch eine erhebliche psychische Belastung für die Patienten dar. Neben Ängsten und Depression besteht häufig ein mangelndes Zutrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten.

Rehabilitationsmaßnahmen bei Lungenkrebs

Die Rehabilitationsbehandlung in einer für Lungenerkrankungen spezialisierten Klinik kann hier wesentliche Hilfestellung leisten. Mithilfe eines entsprechend spezialisierten therapeutischen Teams, bestehend aus Lungenfachärzten, Sport- und Physiotherapeuten, aber auch Krankenschwestern, Ernährungsberatern, Psychologen und Sozialberatern, kann auf die individuellen Probleme des Patienten eingegangen werden. Mithilfe eines angemessenen körperlichen Trainings, angepasst an die Leistungsfähigkeit des einzelnen Patienten, können körperliche Beschwerden verringert und das Leistungsvermögen sowie die Lebensqualität gesteigert werden. Mithilfe einer Kombination aus Ausdauertraining und Muskelaufbau wird die körperliche Belastbarkeit gesteigert. Hier kommen beispielsweise Ergometertraining, MTT (Medizinische Trainingstherapie), Vibrationsmuskeltraining und Wassergymnastik zur Anwendung. In einzelnen Studien konnte nachgewiesen werden, dass körperliches Training die Heilungsaussichten bei Lungenkrebs verbessern und die Folgen einer Chemotherapie deutlich lindern kann.

Husten, Verschleimung und Atemnot stellen bei Patienten mit Lungentumoren ein häufiges Problem dar, zumal viele dieser Patienten bedingt durch langjähriges Rauchen auch unter einer chronischen Bronchitis und/oder einem Emphysem (Blählunge) leiden. Hier kann die Atemtherapie durch Vermittlung spezieller Atemtechniken (z. B. Lippenbremse) helfen, mit diesen Einschränkungen besser zurechtzukommen. Darüber hinaus können die Vermittlung von speziellen Hustentechniken, Vibrations- und Klopfmassagen das Abhusten von Schleim erheblich erleichtern. Die Verwendung zusätzlicher Hilfsmittel kann hier unterstützend zur Anwendung kommen und diese werden, sofern es notwendig ist, im Einzelfall noch während der Rehabilitation als Hilfsmittel verordnet.

Zur Linderung der Atembeschwerden dienen auch Inhalationen mit Sole. Bei der Sole handelt es sich um eine natürlich vorkommende Kochsalzlösung mit einem Salzgehalt von 3–6 %. Sie wirkt bei der Inhalation schleimlösend und entzündungshemmend. Durch logopädische Behandlung können zudem Schluckstörungen und Heiserkeit gezielt therapiert werden. Neben der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sind auch die psychologische und sozialmedizinische Betreuung sowie der intensive Arztkontakt für die Patienten von hoher Wichtigkeit.

Nach der akuten Behandlung besteht häufig ein hoher Bedarf an Beratung. Der Patient hat häufig viele Fragen in Bezug auf die Behandlung und die weitere berufliche und private Zukunft. Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Sozialdienst und den Psychologen erforderlich. Durch die Möglichkeit der stationären Behandlung, bei der der Patient aus dem Kontext Familie und Beruf, zumindest zeitweise herausgenommen werden kann, ist es möglich, auf die individuellen Sorgen und Nöte des Patienten intensiver einzugehen. Eine automatische Berentung bei den häufig noch berufstätigen Patienten, ist in vielen Fällen nicht notwendig und auch aus psychologischen Gründen (Erhalt des Selbstwertgefühls) nicht wünschenswert. Durch entsprechende Maßnahmen wie beispielweise Wiedereingliederung und Leistungen zur Teilhabe ist eine berufliche Reintegration häufig möglich.

Von besonderer Wichtigkeit ist auch eine strukturierte Raucherentwöhnung, die im Rahmen einer Gruppentherapie mit Unterstützung von Psychologen und Ärzten durchgeführt wird. Der Rauchstopp führt i. d. R. zu einer Verbesserung der Lebensqualität (weniger Husten und Atemnot) und verbessert die Heilungschancen. Auch die Gefahr des Auftretens von Rezidiven des Tumors (Rückfall) oder sog. Zweitkarzinome wird reduziert.

Ernährung ist ein wichtiger Faktor

Patienten mit Lungentumoren leiden nach der Chemotherapie häufig unter Appetitlosigkeit. Durch eine Bestrahlung kann eine Entzündung der Speiseröhre hervorgerufen werden, die die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschwert. Dadurch verlieren Patienten mit Lungentumoren an Gewicht. Hier erfolgt im Rahmen der Rehabilitation eine umfassende Diätberatung. So können für den Patienten individuelle Mahlzeiten bereitet werden. Das verlorene Gewicht kann durch Verordnung von Zwischenmahlzeiten und Ergänzungsnahrung (Astronautenkost) gesteigert werden. Eine spezielle Krebsdiät existiert nicht, der Tumor kann nicht „ausgehungert“ werden. Für Patienten mit Lungenkrebs ist eine vitaminreiche, leicht bekömmliche Kost (mediterrane Kost) empfehlenswert.

Zusammenfassung

Bei Lungenkrebs stellt die Rehabilitation neben den akuttherapeutischen Maßnahmen wie Chemotherapie, Operation und Bestrahlung eine wertvolle Ergänzung dar und sollte bei jedem Patienten mit Lungenkrebs erfolgen. Wichtig ist, dass diese Behandlungsmaßnahme in einer Klinik durchgeführt wird, die sowohl auf dem Gebiet der Onkologie, als auch der Lungenheilkunde über ausreichende Kompetenzen und das entsprechende Therapieangebot verfügt. Hierdurch kann die Lebensqualität, das körperliche und seelische Wohlbefinden, und nicht zuletzt auch die Heilungschancen der betroffenen Patienten maßgeblich verbessert werden.

Dr. med. H. Wittstruck
Bad Dürrheim

Quelle: Befund Krebs 3/2015

25.08.15

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