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Entstehung von Rückenschmerzen

Erkrankungen beinahe aller Organe und Organsysteme können Rückenschmerzen (Dorsalgie) hervorrufen. Ursachen für Rückenschmerzen sind auch in der Psyche der Betroffenen zu suchen.

Schmerzen in den einzelnen Wirbelsäulenabschnitten sind nach der Patientenleitlinie Rückenschmerz nach der Belastungsstärke zu 62% auf die Lendenwirbelsäule verteilt (Kreuzschmerzen, Mediziner sprechen auch von Lumbalgie), auf die Brustwirbelsäule zu zwei Prozent und die Halswirbelsäule zu 36% (medizinisch: Halswirbelsäulen-Syndrom, kurz HWS).

Körperliche Ursachen

Veränderungen an der Wirbelsäule, beispielhaft seien genannt:

  • Haltungsschäden – einer Studie von Berquet zufolge haben sie seit dem 2. Weltkrieg von 20% auf 40% zugenommen
  • Verkürzung eines Beines, Verbiegung der Wirbelkörper zu einer Seite
  • Skoliose – seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit Drehung der einzelnen Wirbelkörper und anschließender abschnittweiser Versteifung.
  • Bandscheibenvorfall – Gallertkern wölbt sich durch den äußeren Faserring und drückt auf Nervenfasern
  • Spinalstenose – Der Wirbelkanal ist verengt und drückt auf das Rückenmark
  • Spondylose – Verschleißerscheinungen der Wirbelkörper und Bandscheiben
  • Arthrose – abbauende Gelenkerkrankung aufgrund eines Missverhältnisses von Gelenkbeanspruchung und Leistungsfähigkeit der einzelnen Gelenkanteile. Auch Rheuma kann starke Rückenschmerzen verursachen
  • Morbus Scheuermann – Entwicklungsstörung der Wirbelsäule mit Ausbildung eines Rundrückens, meist bei männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren
  • Osteomyelitis – bakterielle Entzündung des Knochenmarks
  • Traumata (Unfälle) – Unfälle mit Brüchen der Wirbelsäule oder Verrenkungen (Schleudertrauma bei Verkehrsunfall, HWS)
  • Osteoporose – betrifft i. d. R. Frauen, Verminderung des Knochengewebes, Störung des Knochenstoffwechsels, Knochen verlieren stark an Masse, sodass sie schließlich zusammenbrechen. Auch durch langfristige Kortisontherapie bedingter Kalzium-, Vitamin-D- oder Östrogenmangel
  • Osteomalazie – Verringerung der Knochendichte durch Vitamin D-Mangel
  • Knochentumoren – gut- oder bösartige Tumoren des Knochens, primär an der Wirbelsäule
  • Knochenmetastasen – Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren, z.B. Brustkrebs oder Prostatakrebs

Erkrankungen im Brustraum können sein

  • Herzinfarkt – Durchblutungsstörung an Herzkranzgefäß, führt zum Absterben von Gewebe.
  • Angina pectoris – Durchblutungsstörungen an Herzkranzgefäßen mit damit verbundenen Schmerzen und Engegefühl in der Brust
  • Aortenaneurysma – Sackartige Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta) im Brustbereich. Platzt es, entstehen plötzliche, starke Schmerzen
  • Lungenembolie – Ein Blutgerinnsel (Thrombus) verstopft ein Blutgefäß der Lunge. Ursprung meist Unterschenkel-, Schenkel- oder Beckenvene

Erkrankungen der Niere und der ableitenden Harnwege kommen ebenso als Ursachen für Rückenschmerzen infrage wie gynäkologische Erkrankungen (z. B. Endometriose – Gutartige Wucherungen der Gebährmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter mit starken periodenabhängigen Schmerzen) oder psychische Störungen. Erkrankungen im Magen-Darmbereich (z.B. Gallensteine, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Entzündungen der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse) sind als mögliche Auslöser zu untersuchen. Auch Infektionen wie bakterielle Osteomyelitis (durch Bakterien hervorgerufene Entzündung des Knochenmarks) können verantwortlich für Rückenschmerzen sein.

Psychische Auslöser

Schon im Volksmund sind Redewendungen geläufig, die auf die Wechselwirkung von Psyche und Rückenschmerzen hinweisen: „Einen breiten Rücken haben, einem das Rückgrad brechen, einander den Rücken stärken, stocksteif werden, angespannt und belastet sein“, sind nur einige Beispiele.

Häufig gibt es körperliche Auslöser für Schmerzen, die durch die Psyche noch verstärkt werden. Ob Rückenschmerzen von allein wieder verschwinden oder chronisch werden (Chronifizierung), beeinflusst die Psyche in erheblichem Maß. Menschen mit Depressionen haben beispielsweise ein erhöhtes Risiko, Rückenschmerzen zu bekommen.

Neben den körperlichen Befunden wirken sich psychosoziale Belastungsfaktoren und seelische Konflikte auf Rückenschmerzen aus. Psychische Belastungen wie Stress und ungeliebte Arbeit können die Spannung der Muskulatur jeden Tag erhöhen. So ermüdet eine permanent angespannte Muskulatur schneller, führt zu Schmerzen und wirkt sich kontraproduktiv auf das seelische Gleichgewicht aus.

Psychosomatische Störungen betreffen den Teil des Nervensystems, der eine Brücke zwischen Psyche und Soma (übersetzt Körper) bildet. Langfristige Überlastungen durch Stress können zu psychosomatischen Reaktionen führen. Chronische (langfristige) Schmerzen sind häufig eine psychosomatische Störung.

Teufelskreis Schmerz

An vielen Stellen des Körpers befinden sich so genannte Schmerzfühler (Schmerzrezeptoren). Sie reagieren durch die verschiedensten Reize wie Kälte, Wärme oder körpereigene chemische Substanzen (sog. Schmerzmediatoren). Aktivieren die Schmerzmediatoren die Schmerzrezeptoren werden schmerzverstärkende Substanzen gebildet, die die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren erhöhen. Nervenbahnen leiten Schmerzreize zunächst ins Rückenmark, dann ins Gehirn. Dort werden sie weiterverarbeitet und schließlich gespeichert. Es entsteht ein Schmerzgedächtnis.

Auf diese Weise können akute Schmerzen chronisch und damit zu einem Dauerleiden werden. Von Rückenschmerzen Betroffene nehmen zur Vermeidung von Schmerzen eine Art Schonhaltung ein, welche die Muskeln erschlaffen lässt und Verspannungen in der betroffenen Muskelregion erhöht. Die Wirbelsäule befindet sich in einem „Schiefstand“. Bewegung wird vermieden und dadurch wird der Stützapparat der Wirbelsäule, die Muskeln, geschwächt. Zudem überlastet der Betroffene andere Muskelregionen dauerhaft – es entstehen auch an diesen bisher schmerzfreien Stellen Schmerzen.

Symptome bei Rückenschmerzen

Zu Beginn der Rückenschmerzen treten Symptome auf, die häufig nicht ernst genommen werden und daher nicht in Aktivität umschlagen. Zu diesen allgemeinen Beschwerden zählen: Anspannung, Abgeschlagenheit und Müdigkeit sowie Morgensteifigkeit der Gelenke und des Rückens.

Diese Symptome verstärken sich im Laufe der Zeit. Plötzlich auftretende starke Schmerzen entstehen – Lumbago oder Hexenschuss. Es kann auch zu einem Wurzelreizsyndrom mit Kreuzschmerzen, die bis in die Beine ziehen, kommen (Lumboischialgie). Weiterhin kann ein Bandscheibenvorfall entstehen und damit verbundene starke Rückenschmerzen.

Entstehung häufiger Krankheitsbilder

Kreuzschmerzen (Lumbago, auch Hexenschuss genannt)

Kreuzschmerzen treten in der Region von der untersten Rippe bis zum Gesäß auf. Es handelt sich um akute Kreuzschmerzen, die selten länger als sechs Wochen anhalten. Sie können bis ins Gesäß, in den hinteren Bereich des Oberschenkels oder die Leistenregion ausstrahlen. Ursächlich für Kreuzschmerzen sind körperliche und seelische Faktoren. So begünstigen Stress sowie ein belastendes Arbeitsverhältnis derartige unspezifische Schmerzen.

Häufig sind neben den Ursachen, die die Wirbelsäule betreffen – Bandscheibenvorfälle, Verengungen des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenose), Reizerscheinungen an dem Gelenk zwischen Kreuzbein und Becken (in der Fachsprache Iliosakralgelenk), rheumatisch entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen, Infektionen der Wirbelsäule (z. B. Osteomyelitis, d. h., eine Entzündung des Knochenmarks), sowie Verletzungen nach Unfällen (Wirbelbrüche) und Tumoren oder Tochtergeschwüre (Metastasen) bösartiger Tumoren.

Ischiasnervenreizung oder Ischialgie

Die Schmerzen ziehen meist über das Kreuzbein bis zum Gesäß auf die Rückseite des Oberschenkels bis zur Kniekehle. Die Ursachen für die Ischiasnervenreizung können mechanischer Art sein – Druck durch eine vorgefallene Bandscheibe. Dabei tritt der Gallertkern, der sich im Inneren der Bandscheiben befindet, durch den Halt bietenden Faserring. Durch Alterungsprozesse kann dieser Faserring spröde werden und einreißen. Bei Belastung kann dann dieser Gallertkern nach außen treten – ein Bandscheibenvorfall entsteht. Im engen knöchernen Wirbelkanal wird so Druck auf die Nervenwurzeln ausgeübt.

Tumore, Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren (Metastasen), Blutungen oder entzündliche Schwellungen können ebenfalls zu einer Ischiasnervreizung (Ischialgie) führen. Während der Geburt besteht die Möglichkeit, dass der kindliche Kopf im kleinen Becken nahe dem Nervus Ischiadicus (Ischiasnerv) zum Liegen kommt und ebenfalls eine Ischialgie auslöst.

Der Ischiasnerv kann aber auch durch eine über Zecken übertragene Infektion, die Lyme-Borreliose, entzündet sein. Hierdurch entsteht auch die schmerzhafte Symptomatik an der Nervenwurzel.

Zudem können Viren, die bei Kindern Windpocken auslösen, in den Nervenwurzeln überleben und bei einer Abwehrschwäche zum Vorschein kommen. Neben den starken Schmerzen an der Oberschenkelrückseite finden sich meist juckende Bläschen unterhalb des Knies.

Birgit Lindner

06.02.15

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