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Diagnose eines Schädelhirntraumas

Statistiken zufolge ist in Deutschland jeder achte von 1.000 Einwohnern infolge eines Unfalls von einem Schädelhirntrauma betroffen. Ein Drittel der Patienten erleidet ein schweres Schädelhirntrauma, dessen Auswirkungen oft lebenslange Beschwerden nach sich ziehen können. Eine schnelle Diagnose und sofortige Therapie kann daher Leben retten und langfristige Hirnschäden verhindern.

Nach einem Unfall jedweder Art und Form ist es deshalb besonders wichtig herauszufinden, wie und ob der Kopf des Betroffenen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bereits ein kleiner Sturz im Haushalt kann der Auslöser für ein Schädelhirntrauma sein. Besonders bei älteren Menschen ist ein Schädelhirntrauma eine häufige Folgeerscheinung von zunächst harmlos erscheinenden kleineren Missgeschicken und Stürzen.

Bewusstlosigkeit

Für den später behandelnden Arzt ist deshalb eine genaue Zustandsbeschreibung des Patienten unmittelbar nach dem Unfallhergang von hoher Bedeutung und kann bei einer späteren Diagnose eines Schädelhirntraumas dienlich sein. Einen ersten Eindruck über die Art und Schwere des möglichen Schädelhirntraumas ist zunächst die Dauer der Bewusstlosigkeit des Patienten.

Generell kann davon ausgegangen werden, dass der Grad des Schädelhirntraumas umso schwerer ist, je länger der Patient bewusstlos bleibt. Bewusstlosigkeit ist jedoch kein zwingendes Symptom eines Schädelhirntraumas. Manche Patienten fühlen sich lediglich benommen und leicht schwindelig.

Generell sollte der Patient bei Verdacht auf ein Schädelhirntrauma solange nicht bewegt werden, bis der Notarzt eintrifft. Handelt es sich um ein bewusstloses Unfallopfer, muss dieses jedoch in die stabile Seitenlage gebracht werden, um einem Erstickungstod durch mögliches Erbrechen vorzubeugen.

Erste Diagnose des Schädelhirntraumas anhand der Glasgow-Koma-Skala

Für eine erste Diagnose ist bereits am Unfallort eine Einschätzung nach den drei Faktoren der Glasgow-Koma-Skala besonders hilfreich. Dabei werden drei wichtige Fähigkeiten des Patienten nach einem Punkteschema bewertet, um anschließend eine Kategorisierung der Schwere des Schädelhirntraumas vornehmen zu können.

  • Augen: Öffnet der Patient nach dem Unfall direkt und selbständig ohne Aufforderung seine Augen? (Abstufung von 4 bis 1)
  • Sprache: Ist der Patient ansprechbar und konversationsfähig? (Abstufung von 5 bis 1)
  • Motorik: Ist der Patient von selbst bewegungsfähig, reagiert er auf Schmerzreize? (Abstufung 6 bis 1)

Reagiert der Patient in normaler und orientierter Form, wird der entsprechend höchste Wert gezählt, sodass ein Höchstwert von 15 Punkten zustande kommt. Ergebnisse über 13 Punkte weisen auf ein leichtes Schädelhirntrauma hin, zwischen 9 und 12 Punkten ist von einem mittelschweren Schädelhirntrauma auszugehen und unter 8 Wertungspunkten ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein schweres Schädelhirntrauma vorliegt.

Eine erste Einschätzung nach der Glasgow-Koma-Skala gibt jedoch bei Verdacht auf ein Schädelhirntrauma nicht erschöpfend Aufschluss. Weitere Untersuchungen sind zwingend erforderlich, um mögliche Gehirnblutungen ausschließen zu können, die manchmal erst Stunden oder gar Tagen nach dem eigentlichen Unfallhergang entstehen und lebensgefährlichen Druck auf das Gehirn ausüben können.

Anamnesegespräch bei Verdacht auf ein Schädelhirntrauma

Kann der Patient reden und ist er orientierungsfähig, sollte zur weiteren Diagnose ein Anamnesegespräch erfolgen. Gerade auch bei bewusstlosen Patienten kann ein Gespräch mit einer nahestehenden Person wichtigen Aufschluss über die mögliche Einnahme blutdrucksenkender oder gerinnungshemmender Medikamente geben. Solche Medikamente können die Bildung von Hämatomen im Gehirn fördern.

Weitere Untersuchungsschritte bei Verdacht auf ein Schädelhirntrauma

Zur weiteren Diagnose bei einem Schädelhirntrauma gehört die genaue Untersuchung des Kopfes. Bei einem offenen Schädelhirntrauma ist meist die sofortige Einleitung einer neurologischen Operation erforderlich. Wichtig ist in dieser Phase der Diagnose, dass die Vitalfunktionen des Patienten ebenso geprüft werden wie die neurologischen Funktionen. Vor allem die Pupillenweite und die Reaktion der Pupillen auf Licht können bei der Diagnose Aufschluss über mögliche Gehirnblutungen geben.

Jedoch reicht eine rein äußerliche Diagnose bei Verdacht auf ein Schädelhirntrauma meist nicht aus. Zur weiteren Abklärung, ob vielleicht Blutungen im oder am äußerlichen Bereich des Gehirns aufgetreten sind, ist eine labortechnische sowie apparative bildgebende Untersuchung unabdingbar.

Zu den bildgebenden Verfahren, die bei der Diagnose eines Schädelhirntraumas eingesetzt werden, gehört zum einen die Computertomografie (CT) des Schädels und zum anderen die Magnetresonanztomografie (MRT). Bei beiden Röntgenverfahren werden Bilder erzeugt, die mögliche Knochenbrüche, Hämatome oder Blutungen in Gehirn und Halswirbelsäule erkennbar machen. Vor allem anhand der Untersuchung durch das MRT sind auch kleinste Risse oder Quetschungen sichtbar.

Erst nach dieser gesamtheitlichen Untersuchung anhand der Glasgow-Koma-Skala, der Einschätzung über den Zustand des Patienten durch den Notarzt, der Untersuchung des Schädels mit Abklärung der Vitalfunktionen und der Motorik sowie einem bildgebenden Verfahren, sollte der Arzt schlussendlich die Diagnose über die Art und Schwere eines Schädelhirntraumas stellen und die notwendigen Therapieschritte einleiten.

Sabrina Mandel

11.05.17

Diagnose
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