- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Krebs - Schilddrüsenkrebs - Therapie - Schilddrüsenkrebs: Wenn Radiojod nicht mehr wirkt, helfen neue Medikamente

Schilddrüsenkrebs: Wenn Radiojod nicht mehr wirkt, helfen neue Medikamente

Ein differenzierter Schilddrüsenkrebs, bei dem die Tumorzellen dem normalen Schilddrüsengewebe noch ähneln, lässt sich meist durch Operation und Radiojod heilen. Manche Schilddrüsenkrebszellen nehmen das Radiojod jedoch nicht auf. Wenn der Krebs sich dann ausbreitet, können neue Wirkstoffe wie bestimmte Multikinase-Hemmer die Erkrankung erneut kontrollieren, heißt es nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

In Deutschland diagnostizieren Ärzte pro Jahr bei etwa 7.200 Menschen Schilddrüsenkrebs. „Bei den meisten Patienten werden die Tumoren rechtzeitig bemerkt, sodass die Heilungschancen exzellent sind“, berichtet Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer, Universitätsklinikum Essen. Todesfälle sind insgesamt selten. Im Jahr 2010 starben etwa 700 Menschen an Schilddrüsenkrebs.

„Bei Patienten mit einem progressiven, also fortschreitenden Schilddrüsenkarzinom, das mit Radiojod nicht behandelt werden kann, waren die Behandlungsoptionen der Patienten bislang sehr begrenzt“, sagt Prof. Führer. Klassische, traditionelle Chemotherapien, die bei anderen Krebsformen gute Ergebnisse erzielen, seien bei Schilddrüsenkrebs nahezu wirkungslos.

Spezielle Medikamente verlängern Überleben

Mit der Entwicklung von sog. Multikinase-Inhibitoren, die sowohl im Tumor als auch in der Tumorumgebung Wachstumssignale ausschalten, habe sich die Situation jedoch wesentlich geändert. Ein Multikinase-Hemmer, 2006 zur Behandlung von Nierenkrebs eingeführt, hat in einer klinischen Studie bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs das sog. progressionsfreie Überleben, d. h., der Zeitraum, in dem eine definierte Tumorläsion nicht wächst, auf durchschnittlich 10,8 Monate verlängert, gegenüber 5,8 Monaten unter Placebo und ist seit 2014 auch zur Behandlung von Patienten mit radiojodrefraktärem Schilddrüsenkrebs zugelassen. Unter einem anderen Medikament, ebenfalls ein Multikinase-Inhibitor, nahm das sog. progressionsfreie Überleben sogar von 3,6 auf durchschnittlich 18,3 Monate zu. Zudem zeigten 65 % der Patienten ein Ansprechen auf die Therapie, in 2 % der Fälle kam es zu einer vollständigen Rückbildung aller Tumorabsiedlungen. „Dies ist in der Krebstherapie ein beachtliches Ergebnis“, sagt DGE-Mediensprecher Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Schatz, Bochum. In den USA ist das Mittel bereits seit Februar 2015 zugelassen, seit Ende Mai 2015 auch in der EU.

Unangenehme Nebenwirkungen häufig

Der breite Angriffspunkt der Multikinase-Inhibitoren hat eine Kehrseite. Die Behandlung geht mit einer Reihe von Nebenwirkungen einher: Bluthochdruck, Durchfälle, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme sind häufig, und wie bei anderen Kinase-Inhibitoren kann es zu schmerzhaften Schwellungen und Rötungen der Hände und Füße kommen. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch beherrschen „Wichtig ist, dass die Indikation richtig gestellt ist und die Therapie gut kontrolliert wird. Deshalb sollten die Patienten von einem Spezialisten, am besten von einem Endokrinologen mit onkologischem Schwerpunkt, behandelt werden“, empfiehlt Prof. Schatz. Bei richtiger Indikationsstellung sehen die Experten die neuen Multikinase-Inhibitoren als wichtigen Fortschritt für die Behandlung des radiojodrefraktären Schilddrüsenkarzinoms, zumal weitere Substanzen in der Entwicklung sind.

Quelle: Befund Krebs 5/2015

29.01.16

Newsletter An-/Abmeldung

Code: XGBO