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Experteninterview zu Partnerschaft und Sexualität nach Schlaganfall

Herr Marx, in welcher Form und wie stark können Liebe und Partnerschaft durch den Schlaganfall eines Partners beeinträchtigt werden?

Hartwig Marx: Die partnerschaftliche Liebe kann sowohl durch das Erleben der aktuellen Krankheitssituation als auch durch die Schwere der Erkrankungs- und Behandlungsfolgen eines Schlaganfalls erheblich gestört sein. Die Trennung eines Paares durch Krankenhausaufenthalt und Rehabilitationsmaßnahmen wirkt sich ebenfalls auf die Beziehung aus. Wie groß der Schrecken der Traumatisierung durch den Schlaganfall und seine physischen und therapiebedingten Folgen sind, ist unterschiedlich:War die Beziehung bereichernd, wird die Trennung mit Sehnsüchten ausgefüllt sein. Versteht man eine Beziehung synergetisch, also für beide Partner bereichernd, so ist sie u. a. durch Identifikation, An- genommenheit, Hingezogenheit und Zugehörigkeit gekennzeichnet. War die Beziehung symbiotisch und erschöpft, werden in der Trennung aufgrund der Behandlungssituation Verlustängste auftreten. Eine große Rolle spielt die eigene Haltung: Ist der Fokus der Aufmerksamkeit auf die verbliebenenkörperlichen und geistigen Ressourcen nach dem Schlaganfall gerichtet? Oder werden stattdessen vor allem Behinderungen und Defizite wahrgenommen und daraus die Begrenzungen der Liebe und Partnerschaft abgeleitet?

Wie können die Partner gemeinsam zu neuen Wegen in der Liebe und der Partnerschaft finden?

H.M.: Im Optimalfall geben die Partner den erkrankungsbedingt veränderten, aber auch neuen Möglichkeiten Raum, erproben neue Interaktionen und geben einander durch Rituale, Zärtlichkeiten und Körperlichkeiten ausreichend Zeit und Gelegenheit, Erfahrungen in der veränderten Situation miteinander zu machen. Hierzu gehört eine möglichst häufige Unterbrechung der hierarchisierten Pflege- und Betreuungssituation zwischen den Partnern.

Was können die Betroffenen selbst tun, um wieder eine erfüllte Beziehung leben zu können?

H.M.: Die Betroffenen sollten darauf achten, soweit wie möglich ihre Beziehung selbst zu moderieren. Hiermit wird vermieden, dass durch die Hierarchisierung der Verantwortung eine Schranke in der erotischen Begegnung entsteht. Auch hier können durch die Fokussierung auf die Möglichkeiten mit dem Partner ein einseitiger Blick auf die Beschränkung durch die Krankheit und eine damit verbundene Resignation verhindert werden. Im Rahmen der Möglichkeiten schöne gemeinsame Erlebnisse zu initiieren, ist Aufgabe beider Partner, um die Beziehung zu festigen und aktiv zu gestalten.

Wie kann der gesunde Partner den Betroffenen am besten unterstützen?

H.M.: Der Partner, der nicht durch den Schlaganfall behindert ist, ist nicht explizit gesund. Denn auch seine körperlichen und geistigen, aktuellen und chronischen Limitierungen sind zu kommunizieren, ebenso wie die körperlichen und geistigen Ressourcen des erkrankten Partners.Verspürt der Partner körperliche Bedürfnisse nach Zärtlichkeit etc., sollte er sie kommunizieren. Auch sollte er die körperliche Intimität des Betroffenen möglichst
wahren und zur Aufrechterhaltung der positiven sexuellen Spannungen einiges im Kommunikationsverhalten lieber dem Betroffenen überlassen bzw. Personen, mit denen der Betroffene kein sexuelles Verhältnis hat. Um für einen gesunden Ausgleich zwischen Geben und Nehmen zu sorgen, ist es sinnvoll, den betroffenen Partner auch weiterhin als Ratgeber und vollwertigen Partner anzusprechen und zu fordern.

Welche therapeutischen Maßnahmen gibt es und wo erhalten betroffene Paare Hilfe?

H.M.: Spezielle psychologische Hilfen für vom Schlaganfall Betroffene bzw. Beteiligte zur Thematik Partnerschaft und Sexualität müssen erprobt werden. Allerdings gibt es bereits Gruppen der Selbsthilfe sowie häufiger mit der Thematik konfrontierte psychologische und medizinische Fachkräfte. Pharmakologische und technische Hilfsmittel werden in dem Ratgeber „Lieben und Leben nach Schlaganfall“ beschrieben. Im Adressenverzeichnis befindet sich eine umfangreiche Adressenliste mit Hilfsangeboten.

Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (Neuronal 1/2007)

06.06.07

Experteninterview zu Partnerschaft
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