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Schmerzen gezielt behandeln

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die MS bzw. die mit ihr einhergehenden Symptome Schmerzen auslösen können. In der Behandlung der MS spielt die Schmerzlinderung daher eine wichtige Rolle. In jedem Fall sollten Menschen mit MS beim Arztbesuch erwähnen, wenn erstmals Schmerzen – egal, welcher Art – auftreten. Verstärken sich Schmerzen, sollte ebenfalls der Arzt aufgesucht werden. Denn u. U. kann sich sonst nach geraumer Zeit ein sog. Schmerzgedächtnis entwickeln, d. h., die Nervenzellen reagieren dann bereits auf geringere Reize mit Schmerzen. Bei Kopfschmerzen z. B. kann u. U. nur der Gedanke an die Schmerzen ausreichen, um sie tatsächlich hervorzurufen.

Unterschiedliche Schmerzauslöser

Bei der MS unterteilen Mediziner Schmerzen u. a. nach ihren Auslösern. Ihre Ursache kann die MS sein, was z. B. oft bei Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz, der von einer Reizung eines Hirnnervs herrührt) oder bei einer Sehnerventzündung der Fall sein ist. Sie können auch die Folge von Begleiterscheinungen der MS, d. h., sie werden z. B. durch Spastik, Blasenbeschwerden oder andere MS-Symptome hervorgerufen. Auch Medikamente, die der Arzt bei der MS verordnet, können u. U. Schmerzen auslösen. Aber nicht alle Schmerzen sind auf die MS zurückzuführen. Auch andere Krankheiten (z. B. Arthritis, Migräne u. Ä.) darf der Arzt bei seiner Diagnose nicht ausschließen. Denn in manchen Fällen unterscheidet sich die Behandlung abhängig von der Ursache der Schmerzen.

Das Schmerztagebuch

Oft ist es sinnvoll, bereits vor dem Arztbesuch zu notieren, wo der Schmerz lokalisiert ist, in welchen Situationen und zu welchen Zeitpunkten er vor allem auftritt, wie stark er ist und wie stark sich seine Intensität abhängig von der Situation unterscheidet. Einteilen lässt sich die Stärke der Schmerzen z. B. anhand einer Skala von eins (geringe Schmerzintensität) bis zehn (heftige Schmerzen). Wichtig ist auch zu wissen, wann und wie der Schmerz das Leben beeinträchtigt: Sind Sie bei Schmerzen weniger leistungsfähig, vielleicht sogar arbeitsunfähig? Hindert der Schmerz Sie an sozialen Aktivitäten? Beeinträchtigen die Schmerzen Ihren Schlaf? Kommen Sie womöglich kaum zur Ruhe? Interessant ist für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auch, ob Sie bereits Möglichkeiten gefunden haben, den Schmerz zu lindern, z. B. durch gezielte Entspannung, alternative Therapiemethoden wie Akupressur oder die Einnahme von Medikamenten. Gleichfalls sollten Ärzte wissen, ob die Schmerzen womöglich nach Einnahme bestimmter Arzneimittel auftreten. Mithilfe dieser Informationen können Ärzte die Schmerzursache und Hilfsmöglichkeiten ggf. eingrenzen. Hinzukommt: Sie können die Stärke der Schmerzen auch besser einschätzen, sodass eine eventuelle medikamentöse Therapie bereits an die Intensität der Schmerzen angepasst wird.

Ziel Schmerzfreiheit

Das Ziel jeder Therapie gegen Schmerzen ist die Schmerzfreiheit bzw. eine starke Linderung der Schmerzen, ohne dass die Betroffenen in ihrem Leben (z. B. durch schmerzlindernde, aber gleichzeitig müde machende Medikamente) zu stark eingeschränkt werden. Bei der Therapie von MS-bedingten Schmerzen haben sich laut DMSG folgende Medikamente bewährt:

  • Schmerzen mit anfallsartigem Charakter (sog. paroxysmale Schmerzen) werden häufig mit Antiepileptika (z. B. Carbamazepin) behandelt.
  • Gegen schmerzhafte Missempfindungen (z. B. das sog. Ameisenlaufen in den Extremitäten) kommt oft Amitryptilin, ein Wirkstoff, der zu den Antidepressiva gehört, zum Einsatz. Auch Antiepileptika helfen möglicherweise. Sind die Schmerzen, die oft durch Nervenschädigungen ausgelöst werden, weshalb sie auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet werden, zu stark, können u. U. auch Opioide zum Einsatz kommen.
  • Schmerzen, von denen Gelenke oder Muskeln betroffen sind, sprechen i. d. R. gut auf entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac an. Wichtig ist auch eine physiotherapeutische Behandlung, um z. B. Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu erhalten.
  • Krampflösende Medikamente sind bei heftigen Muskelschmerzen manchmal angezeigt.
  • In einigen Fällen helfen bei Schmerzen frei verkäufliche Schmerzmittel wie Azetylsalizylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen. Doch Vorsicht! Dass sie frei verkäuflich sind, heißt nicht, dass sie keine Nebenwirkungen haben können.
  • Im Einzelfall können auch Cannabis-Präparate gegen MS-bedingte Schmerzen eingesetzt werden, vorausgesetzt, dass andere Therapien fehlschlagen oder nur unzureichend anschlagen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Medikamente spielen in der Schmerztherapie zwar eine wichtige Rolle, aber andere Behandlungsmethoden sind genauso wichtig. So können z. B. auch Entspannungsmethoden wie das autogene Training, Yoga, Tai Chi oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson in vielen Fällen eine schmerzlindernde Wirkung haben. Insbesondere auf eine verspannte, schmerzhafte Muskulatur wirkt die Entspannung (und damit auch der Abbau von Stress) oft positiv. Entspannung kann auch die Psyche beeinflussen und kann damit indirekt ebenfalls Schmerzen verringern. Physiotherapeutische Maßnahmen (gezieltes Bewegungstraining, Massagen, Reizstrom-, Wärme- oder Kältebehandlungen usw.) können nicht nur zu einer besseren Beweglichkeit beitragen, sondern auch Schmerzen, die durch Anspannung oder Entzündungen der Muskulatur bzw. der Gelenke entstehen, lindern.

Wer sich regelmäßig bewegt, sorgt zudem dafür, dass der Körper über das Blut Stoffwechselprodukte schneller abbauen kann, die u. U. Schmerzen verstärken können. Daneben hebt körperliche Aktivität die Stimmung und das Selbstbewusstsein. Auch das kann dazu beitragen, dass Schmerzen zurückgehen. Menschen, die niedergedrückt sind, empfinden Schmerzen oft stärker als solche, die gut (oder zumindest besser) gelaunt sind. Auch der Einsatz einer komplementären Heilmethoden wie Akupunktur oder Akupressur kann einen Versuch wert sein. Bei Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen und Migräne) z. B. hat die Akupunktur in wissenschaftlichen Studien bereits gezeigt, dass sie schmerzlindernd wirken kann.

Quelle: Befund MS 3/2014

24.03.15

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