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Schulen überfordert: Immer mehr Kinder mit Diabetes

Die Versorgung von chronisch kranken Kindern in Österreichs Schulen ist nicht geregelt. Die Zahl der Kinder mit Diabetes steigt, ebenso die Anwesenheitsdauer, was Betroffene vor Herausforderungen stellt.

Rund 1.500 unter 15-Jährige in Österreich leiden laut derstandard.at an Typ-1-Diabetes und müssen sich Insulin injizieren. Die Zahlen steigen jährlich um 2,5 bis 6 %, fügt Birgit Rami-Mehar vom Pädiatrie-Department der Medizinischen Universität Wien hinzu. Dennoch ist die Versorgung der betroffenen Kinder in Schulen nicht geregelt und das Problem wächst – einerseits mit der Anwesenheitsdauer durch Ganztagsschulen, andererseits mit der Zunahme von Kindern mit Diabetes. „Es gibt eine Lücke im System“, erklärt Iraides Franz, Sprecherin des Fonds Soziales Wien (FSW). Über den FSW werden die Kosten für mobile Kinderhauskrankenpflege teilweise finanziert und dadurch Kinder auch in Schulen versorgt, doch: „Hauskrankenpflege wäre, wie das Wort sagt, für zuhause vorgesehen.“ Für rund 45 Schulkinder gibt es derzeit Hauskrankenpersonal in den Wiener Schulen. Wie andere Bundesländer damit umgehen, sei unterschiedlich. In Wien zahlen Eltern pro Stunde 7,88 Euro Selbstbehalt. Doch die Nachfrage steigt laut Gabriele Hintermayer vom Verein Moki Wien, die in rund 40 Wiener Kindergärten und Schulen Schulungen in Bezug auf Kinder mit Diabetes durchgeführt hat.

Unterstützung der Lehrer benötigt

Zwar werden viele Kinder bald ohne Hilfe zurecht kommen, wenn jedoch Unterstützung benötigt wird, ist die Hilfe der Lehrer notwendig. Kinder mit chronischen Erkrankungen sind laut Paul Kimberger von der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer ein großes Anliegen. „Aber wir begeben uns in einen rechtlichen Graubereich, wenn es, außer bei Erster Hilfe, um medizinische Handgriffe geht.“ Zwingen kann man dazu niemanden. Ein Schlüsselfaktor für Kinder mit Diabetes in der Schule sind die Pausen. „Kinder mit Diabetes brauchen sie, um ihre Krankheit zu managen“, sagt Lilly Damm als Child-Public-Health-Expertin von der Medizinischen Universität Wien. Vor allem organisatorische Fragen spielen eine große Rolle. „Manche Kinder werden aber nicht ernst genommen. Wenn z. B. ein Lehrer eine angekündigte Geburtstagsjause streicht, ein Kind aber schon Insulin gespritzt hat, steht es vor einem Problem“, so Damm. Dabei können Lehrer Kindern auch ohne medizinisches Eingreifen helfen. Z. B. mit der Prüfung der Angaben der Insulinpumpe.

Umgang nicht sensibel genug

Kimberger wiederum gesteht, dass man nicht ausschließen kann, dass unter den 126.000 Lehrern in Österreich, so mancher mit dem Thema nicht sensibel genug umgeht. Es kommt aber auch vor, dass Eltern nicht offen mit der Krankheit ihrer Kinder umgehen. „Darauf sind Lehrer aber angewiesen“, so Kimberger. Um Betroffene richtig zu informieren, haben sich Selbsthilfeorganisationen formiert, wie etwa Diabär in der Steiermark oder auch der Österreichische Diabetes Verband, der Aufklärungsgespräche anbietet. Aber: „Es hängt so viel vom guten Willen der Lehrer ab“, gibt Irene Promussas von der Wiener Selbsthilfegruppe Lobby4kids zu bedenken. Eltern sollten bei der Schulaufnahme auch auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder hinweisen. „Im Zuge der Aufnahme kann dann ein Round Table mit Direktoren, Lehrern, Eltern und Schularzt stattfinden, bei dem nötige Maßnahmen besprochen werden“, sagt Rupert Corazza als Wiener Bezirksschulinspektor. Allerdings sind solche Round Tables laut Damm nicht die Regel. Zudem wäre es wichtig, dass auch Kinder an solchen Gesprächen teilnehmen.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/2016

27.03.17

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