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Schwangerschaft und Stillen mit MS

Die MS an sich ist kein Hindernis für eine Schwangerschaft. Eine Schwangerschaft bei MS sollte gut geplant sein. Denn sie sollte in einer stabilen Krankheitsphase stattfinden, die immunprophylaktische Therapie sollte abgesetzt werden. Eine Schwangerschaft erhöht einer Folgeuntersuchung der sog. PRIMS-Studie (PRegnancy in Multiple Sclerosis 2003) zufolge die Krankheitsaktivität genauso wenig wie Stillen. Untersuchungen aus den Jahren 1995 und 2010 deuten sogar darauf hin, dass Schwangerschaften sich günstig auf den weiteren Verlauf der MS auswirken können.

Fruchtbarkeit und Belastbarkeit

Die MS beeinflusst die Fruchtbarkeit von Frauen (und Männern) ebenso wenig wie die immunprophylaktischen Basistherapien und die Eskalationstherapien, so das deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW). Durchschnittlich dauert es vier Monate bis zu einer Schwangerschaft – regelmäßiger Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen vorausgesetzt –, doch insbesondere Frauen über 35 müssen oft länger warten.

Die Gefahr, dass ein Kind ebenfalls an MS erkrankt, ist vergleichsweise gering, denn die MS an sich ist nicht erblich, nur die Veranlagung für sie. Laut Deutscher Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) treten in etwa 4 % aller Familien, in denen ein Familienmitglied an MS erkrankt ist, weitere MS-Fälle auf.

Vor einer Schwangerschaft sollten Frauen und ihre Partner noch einige Überlegungen anstellen. Denn klar ist: Ein Kind stellt das bisherige Leben völlig auf den Kopf. Vor allem in der ersten Zeit kann das Leben mit Kind anstrengend sein, weil ein Baby Tag und Nacht versorgt werden muss. Für Frauen mit MS ist es daher besonders wichtig, bereits im Vorfeld genau abzuklären, wer sich um das Kind kümmert, wenn sie aufgrund der MS dazu zeitweilig nicht in der Lage sind. Am besten ist es, vor der Schwangerschaft ein Netz aus Familie, Freunden, Bekannten zu knüpfen, die bereitstehen, wenn die Frau/das Paar ihre Hilfe benötigt.

Was ist mit den MS-Medikamenten?

Frauen mit MS, die eine Schwangerschaft planen, sprechen am besten vorher mit ihrem Neurologen – auch über die Medikation und wann sie sie am günstigsten absetzen. I. d. R. ist es sinnvoll, die Basistherapie bereits vor Eintritt der Schwangerschaft zu unterbrechen, doch auch bei einer ungeplanten Schwangerschaft bzw. bei einer Therapieunterbrechung nach Feststellung der Schwangerschaft besteht für das ungeborene Kind kein erheblich erhöhtes Fehlbildungsrisiko.

Fehlgeburten kommen unter einer Behandlung mit Beta-Interferonen dem DMSKW zufolge nicht häufiger vor als bei Frauen ohne MS. Falls die Gefahr eines Schubs während einer Schwangerschaft zu groß ist, kann daher die Therapie mit Beta-Interferonen u. U. weitergeführt werden. Allerdings ist dabei stets abzuwägen, ob der Nutzen die Risiken überwiegt. Fingolimod, Teriflunomid und Mitoxantron hingegen müssen vor Beginn einer Schwangerschaft abgesetzt werden. Auf Natalizumab sollten Frauen mit MS ebenfalls bereits in der Planungsphase der Schwangerschaft verzichten. Für das neue MS-Medikament Fumarat (BG-12) liegen noch zu wenig Erfahrungen mit Schwangerschaften vor. Deshalb sollten Frauen mit MS am besten das Präparat absetzen.

Die Schwangerschaft

Die Schubrate sinkt in der Schwangerschaft stetig, vermutlich, weil der Körper die Aktivität des Immunsystems eindämmt, damit der Embryo/Fötus nicht abgestoßen wird. Im letzten Schwangerschaftsdrittel haben nur noch wenige Frauen einen MS-Schub. Völlig ausschließen lässt sich ein Schub in der Schwangerschaft trotzdem nicht. Auch in der Schwangerschaft besteht die Möglichkeit einer Schubbehandlung mit hoch dosiertem Kortison. Allerdings sollte im ersten Schwangerschaftsdrittel weitgehend darauf verzichtet werden, um die Gesundheit des ungeborenen Kindes nicht zu gefährden. In dieser Phase besteht ein erhöhtes Risiko für Missbildungen und Fehlgeburten. Ohnehin sollte so wenig Kortison wie möglich gegeben werden. Die Nutzen-/Risiko-Abschätzung muss jedoch immer der Arzt vornehmen.

In jedem Fall muss die so behandelte Frau in der Schwangerschaft regelmäßig gründlich untersucht werden. Abgesehen von einer engmaschigeren Beobachtung verlaufen Schwangerschaften bei Frauen mit MS ähnlich wie die anderer Frauen – mit den gleichen Schwangerschaftsbeschwerden und hormonell bedingten Gefühlsschwankungen (wobei sich diese von Frau zu Frau unterscheiden).

Ist eine Geburt auf normalem Weg möglich?

Auch Frauen mit MS können i. d. R. auf natürliche Weise entbinden, vorausgesetzt, es treten bei ihnen keine Sensibilitätsstörungen im Unterleib oder Muskelschwäche in der unteren Körperhälfte auf. Diese können eine Geburt erschweren bzw. sie zu einem zu großen Risiko für das Kind werden lassen. In jedem Fall sollten MS-Betroffene mit ihrem Arzt rechtzeitig besprechen, ob für sie eine natürliche Geburt oder ein geplanter Kaiserschnitt infrage kommt. Noch immer kursiert das Gerücht, dass eine Epiduralanästhesie (auch Periduralanästhesie oder PDA genannt) zur Linderung der Schmerzen während der Geburt die Schubrate erhöhen kann. Das jedoch haben die PRIMS-Studie und ihre Folgeuntersuchungen widerlegt.

Eine Hausgeburt empfiehlt sich für Frauen mit MS nicht. Sie sollten besser im Krankenhaus entbinden, für den Fall, dass es während oder nach der Geburt zu Komplikationen kommt. Nach der Geburt steigt die Gefahr für einen Schub an. Die PRIMS-Studie gibt für die ersten drei Monate im Anschluss an die Entbindung ein Schubrisiko von 30–40 % an. Anschließend sinkt das Risiko meist wieder und pendelt sich auf die Werte von vor der Schwangerschaft ein.

Stillen – gut fürs Kind, aber auch für Mütter mit MS?

Auch auf die MS hat Stillen u. U. eine positive Wirkung. Die PRIMS-Studie zeigte, dass Stillen sich günstig auf den Verlauf der MS im direkten Anschluss an die Schwangerschaft auswirkt und die Schubrate verringert; auch die Daten des DMSKW weisen darauf hin. Andere Untersuchungen hingegen konnten keinen Zusammenhang feststellen.

Wenn sie es können (und wollen), sollten auch Frauen mit MS vier bis sechs Monate voll stillen, d. h. nicht hinzufüttern. Das empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Wohle des Kindes. Kommt es während der Stillzeit zu einem MS-Schub, kann der mit hoch dosiertem Kortison behandelt werden, ohne dass abgestillt wird. Allerdings sollten zwischen Medikamentengabe und erneutem Stillen wenigstens vier Stunden liegen. Für den Fall, dass eine Schubtherapie erforderlich ist, empfiehlt es sich im Vorfeld, Muttermilch abzupumpen und einzufrieren, damit das Kind auch in diesen vier Stunden gefüttert werden kann. Frauen, die nicht stillen können oder wollen, sollten rasch nach der Geburt ihre MS-Therapie wieder aufnehmen. Das Gleiche gilt nach Beendigung der Stillzeit.

Beim DMSKW melden

Damit sich die Datenlage zu MS und Schwangerschaft weiter bessert, bittet das DMSKW darum, dass sich Frauen mit MS, die gerade schwanger geworden sind oder in den folgenden zwei bis drei Monaten eine Schwangerschaft planen, beim Kinderwunsch-Register melden. Das DMSKW sammelt Informationen zur Schwangerschaft von Frauen mit MS.

Quelle: Befund MS 01/2014

13.06.14

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