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Selbsthilfe allein oder Selbsthilfe in der Gruppe?

Jeder muss seinen für ihn richtigen Weg finden

Nach meiner zufälligen Bekanntschaft mit der Zeitschrift Die Harnblase bei meinem Urologen in der Nachsorge und der folgenden Kontaktaufnahme mit dem Selbsthilfebund Blasenkrebs e. V. (ShB), wurde mir recht schnell die Bedeutsamkeit eines Selbshilfebundes bewusst. Als Betroffener von Blasen- und Prostatakrebs stellte ich nun weitere Nachforschungen an und stieß so auf den Bundesverband Prostatakrebs.

Leider ist der ShB in der Gemeinschaft der Selbsthilfebünde stark unterrepräsentiert. Dies kann nur durch einen starken Zulauf an Mitgliedern verändert werden und sollte bei der Häufigkeit der Blasenkrebserkrankungen auch möglich sein. Doch sicher geht es vielen Betroffenen wie mir, sie wissen nichts von den Bundesverbänden und Selbsthilfegruppen und werden von Ärzten, Kliniken und Rehakliniken auch nicht darauf hingewiesen. So bleibt es wie in meinem Fall oft dem Zufall überlassen, ob man den Weg zu einem ShB oder in eine Selbsthilfegruppe findet.

Die Mitgliedschaft Krebskranker in einem Bundesverband wird von mir ohne wenn und aber gutgeheißen. Folgerichtig bin ich in beiden Bundesverbänden auch Mitglied geworden. Die von den Bundesverbänden herausgegebenen Zeitschriften sind gut und informativ und vermitteln den interessierten Betroffenen eine Menge an Fachwissen, dass sie in mögliche zu treffende Entscheidungen gut mit einbringen können.

Selbsthilfe ist eine individuelle Entscheidung

Zur Selbsthilfe möchte ich einige Gedanken äußern. Selbsthilfe allein oder in der Gruppe ist oft die Frage, die sich Betroffene stellen. Hier muss man auch noch zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Letztere tun sich oft schwer damit. Starke Charaktere, oftmals Sportler, suchen Selbsthilfe im Sport, also allein. Sie erreichen, da gibt es viele Beispiele, oft Leistungen, die sie ohne die Krankheit Krebs wahrscheinlich nicht erreicht hätten. Sie glauben, mit überdurchschnittlicher Willensstärke und eisernem Training dieser Krankheit begegnen zu müssen und haben oft Erfolg damit. Hier ist ihnen ihre Krankheit Antrieb und Motivation. Bekannte Radsportler, Biathleten, Leichtathleten auf den Langstrecken und bei Marathonläufen und den sogenannten Supermarathonläufen, sprechen mit ihren Erfolgen dafür.

Jüngstes Beispiel dafür ist die nach zweifacher Schilddrüsenkrebsoperation in Sotschi auf Platz sechs im Skilanglauf eingekommene Stefanie Böhler. Hier spricht man oft von den wahren Helden. Doch Helden sind alle, die gegen den Krebs ankämpfen und ihn besiegen. Es gibt sicher auch andere Betätigungsfelder, wo sich Betroffene beweisen können, um dem Krebs zu trotzen. Hier muss jeder seinen Weg finden. Ich habe mir neben dem Sport mit meinem Mutmach-Büchlein meine Enttäuschung, die Wut, den Schock und die Widrigkeiten nach meinen drei Operationen von der Seele geschrieben. Es hat mir gutgetan.

Andere Betroffene brauchen die Gemeinschaft, den Austausch in der Gruppe. Für diesen Kreis ist eine Selbsthilfegruppe genau das Richtige. Doch auch hier sollte man behutsam vorgehen, nicht einfordernd, eher werbend. Für mich ist die Mitgliedschaft in beiden Bundesverbänden und eine lose Bindung an zwei Selbsthilfegruppen wichtig und richtig. Schon rein territorial ist es für mich mit zu viel Aufwand verbunden, monatlich an diesen Gruppentreffen teilzunehmen. Für mich interessante Veranstaltungen und Vorträge werde ich wahrnehmen und mich auch gern einbringen. Da bin ich diesen Selbsthilfegruppen in meinem erweiterten Umfeld schon sehr dankbar. Im Resümee also: Jeder muss seinen für sich richtigen Weg finden ohne das Gefühl zu haben, eingefordert zu werden. Gerade Betroffene sind oft sehr feinfühlend und reagieren entsprechend.

Heinz-Georg Steinke
Bad Frankenhausen

Quelle: Befund Krebs 1/2016

03.06.16

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