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Selbsthilfe bei Blasenschwäche und Stuhlinkontinenz

Mit Blasenschwäche und Darm- oder Stuhlinkontinenz bekommen es nach Angaben der DMSG rund 75 % aller Menschen mit MS im Verlauf ihrer Krankheit zu tun. Der Grund: Die MS-bedingten Schädigungen im Zentralnervensystem ziehen häufig Probleme mit der Blasen- und der Darmentleerung nach sich. Die Entleerung der Blase oder des Darms kann nicht länger vollständig kontrolliert werden.

So häufig Blasenschwäche und Stuhlinkontinenz für Menschen mit MS ein Thema sind, so unangenehm ist es den meisten, dies beim Arzt anzusprechen. Nach wie vor ist die unwillkürliche Harnblasen- oder Darmentleerung in der Gesellschaft ein Tabu. Das kann so weit gehen, dass sich Betroffene aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen.

Doch gerade bei MS ist es wichtig, möglichst rasch den Arzt über Blasen- oder Darmprobleme zu informieren. Denn durch eine adäquate Behandlung kann u. a. verhindert werden, dass sich zu den körperlichen Problemen seelische Beschwerden hinzugesellen. Außerdem muss diagnostiziert werden, um was für eine Art von Blasenentleerungsstörung es sich handelt. Es gibt Formen, bei denen die Blasenschwäche mit dem Verbleib einer gewissen Menge Restharn in der Blase einhergeht. Darin können sich Bakterien vermehren, die über die Harnröhre in die Blase gelangt sind. Wandern die Bakterien dann zu den Nieren hoch, können sie diese im schlimmsten Fall dauerhaft schädigen.

Vorbereitung auf den Arztbesuch

Auf den Besuch beim Arzt können sich von Blasenschwäche oder Darminkontinenz betroffene Menschen mit MS vorbereiten. So ist es sinnvoll, sich genau zu notieren, wann und unter welchen Umständen es zum unwillkürlichen Harn- oder Stuhlabgang kommt (z. B. beim Husten, Lachen, bei körperlicher Anstrengung, bei Stress oder ohne Anlass). Der Arzt wird vermutlich danach fragen, wie viel Urin oder Darminhalt i. d. R. abgeht, ob die Betroffenen sofort beim Auftreten von Harndrang die Toilette aufsuchen müssen, weil die Blase den Urin sonst nicht mehr halten kann, ob beim Wasserlassen Schmerzen auftreten und nach der Entleerung das Gefühl bleibt, dass Urin in der Harnblase geblieben ist. Wichtig bei Darm- bzw. Stuhlinkontinenz ist für den Arzt zu wissen, ob die Betroffenen zwischen Darmwinden und Stuhl unterscheiden können, ob es regelmäßige Zeiten für die Darmentleerung gibt, welche Nahrungsmittel die Betroffenen bevorzugt verzehren. Auch über die tägliche Trinkmenge wird der Arzt voraussichtlich eine Auskunft erwarten.

Bei MS, die mit Blasenschwäche und/oder Darminkontinenz einhergeht, ist es üblich, sich zunächst an den behandelnden Arzt zu wenden, doch oft wird dieser weitere Spezialisten zurate ziehen. Für diesen Fall ist es sinnvoll, ihm eine Überweisung an das nächstgelegene Kontinenz- und Beckenbodenzentrum ans Herz zu legen, da die Mediziner dort auf alle Formen der Blasen- und Darminkontinenz spezialisiert sind.

Den Beckenboden stärken

Zu den Selbsthilfemaßnahmen gegen Blasenschwäche gehört ein gezieltes Beckenbodentraining. Damit lassen sich etwa der Harndrang verringern und bestimmte Formen der Blaseninkontinenz zumindest teilweise behandeln, denn die Beckenbodenmuskulatur trägt dazu bei, die Blase zu verschließen. Auch bei Darminkontinenz hat sich die Stärkung des Beckenbodens in gewissem Maß bewährt. Wie man den Beckenboden gezielt stärkt, lässt sich leicht erlernen – am besten unter Anleitung. Rufen Sie bei Ihrer Krankenkasse an und fragen, wo Sie in Ihrer Nähe an einem solchen Training teilnehmen können.

Auch durch eine sog. Elektrostimulation lässt sich die Muskulatur um die Harnblase stärken. Dabei werden Elektroden über die Vagina oder den Anus zu dem Nerv geführt, der die Beckenbodenmuskulatur versorgt. Mit leichten Stromstößen werden die Muskeln nun zur Kontraktion bewegt. Das hat einerseits zur Folge, dass die Muskeln trainiert werden, die die Harnblase verschließen, andererseits lernen die Betroffenen, die Muskulatur besser wahrzunehmen.

Das Toilettentraining – wichtig bei Blasen- und Darminkontinenz

Ein gezieltes Toilettentraining trägt dazu bei, die Harnblase bzw. den Darm willkürlich statt unwillkürlich zu entleeren. Bevor das Training beginnt, sollte man genau notieren, wie viel man wann trinkt, wann man zur Toilette geht, wie viel Urin dabei ausgeschieden wird, wann Harndrang auftritt, zu welchen Zeiten bzw. in welchen Situationen der Urin oder Stuhl nicht willentlich gehalten werden kann. Anhand dieser Notizen lassen sich meistens Regelmäßigkeiten feststellen und die Zeitpunkte ausmachen, wann die Harnblase entleert werden sollte, ohne dass zuvor Harndrang aufgetreten ist. Zu diesen Zeitpunkten geht man dann zunächst auf die Toilette und versucht, die Blase vollständig zu entleeren. Danach beginnt das eigentliche Toilettentraining, indem man versucht, die Abstände zwischen den Toilettengängen nach und nach zu verlängern, indem man bei Harndrang die Beckenbodenmuskeln anspannt. Zu Anfang kann das Training aus Sicherheitsgründen direkt auf der Toilette erfolgen.

Bei Stuhlinkontinenz ist es wichtig, den Darm regelmäßig möglichst etwa zur gleichen Zeit zu entleeren, um das Risiko für unwillkürlichen Stuhlabgang zu minimieren. Die regelmäßige Entleerung des Darms lässt sich u. a. durch geregelte Essenszeiten, eine ausreichende Trinkmenge, eine ballaststoffreiche Kost und – falls möglich – durch Bewegung fördern. Auch die Sitzhaltung auf der Toilette kann die Darmentleerung erleichtern – das Darmrohr sollte möglichst gestreckt sein. Das bedeutet, sich auf der Toilette nach vorn gebeugt zu sitzen und sich dabei zu entspannen.

Auf Nummer sicher gehen

Nicht nur Menschen mit MS, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, haben manchmal Probleme, die Toilette rechtzeitig zu erreichen, wenn sich Harn- oder Stuhldrang bemerkbar macht. Manche fühlen sich daher mit Inkontinenzeinlagen oder Inkontinenzslips sicherer. Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die Urin auffangen, den Unterleib trocken halten und Gerüche eindämmen. Dazu gehören neben Inkontinenzeinlagen auch Harnröhrenstöpsel, spezielle Pessare, die den Urin auffangen, oder Kondomurinale. In den Darm können bei Bedarf u. a. Analtampons eingeführt werden, die den Darmkanal abdichten.

Eine regelmäßige Selbstkatheterisierung kann sinnvoll sein, sollte sich die Harnblase auch beim Gang auf die Toilette nicht vollständig entleeren. Der Umgang mit dem Katheter lässt sich auch für viele MS-Betroffene leicht erlernen und sorgt dafür, dass keine Bakterien zu den Nieren hochsteigen, sich der Harndrang verringert und der Urin nicht länger unwillkürlich abgehen kann. Bei Stuhlinkontinenz kann u. U. eine transanale Irrigation infrage kommen, um den Darm zu entleeren und für einige Stunden keine Angst vor einem ungewollten Stuhlabgang haben zu müssen. Dabei wird auf der Toilette sitzend Wasser in den Darm gespült, sodass dieser gedehnt wird und sich entleert. Die Technik der transanalen Irrigation muss zuvor erlernt werden. Außerdem muss der Arzt sein Okay dazu geben, denn bei bestimmten Erkrankungen (z. B. entzündlichen Darmerkrankungen) ist sie kontraindiziert.

Quelle: Befund MS 2/2016

17.11.16

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