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Sport bei Krebs

Krankheitsrisiken senken

Sport muss durchaus nicht Mord sein, wie ein Redensart weismachen möchte. Ganz im Gegenteil lassen sich Zusammenhänge zwischen regelmäßiger sportlicher Betätigung und dem Auftreten bestimmter Krankheiten, darunter auch Krebs, feststellen.

Sport in Form eines moderaten Ausdauertrainings hat einen cancero-protectiven Effekt, d. h., diese Art des Bewegungstrainings kann das Risiko, an bestimmten Krebsarten (Brust, Darm, usw.) zu erkranken, deutlich senken. Zahlreiche Studien haben dies belegt.

Sport hat auch in der Krebsnachsorge eine Bedeutung, denn sportliches Ausdauertraining als Rehabilitationsmaßnahme aktiviert die körpereigenen Abwehrkräfte, verbessert die psychische Befindlichkeit, vermindert das Rezidiv-Risiko und bietet die Möglichkeit zur psychosozialen Reintegration.

Über die präventive und gesundheitsfördernde Wirkung von Sport wusste man aus der Erfahrung recht viel, während es an wissenschaftlicher Interpretation mangelte. Für die Motivation, Sport zu betreiben, ist diese aber sehr wichtig, folgende Punkte sind erwähnenswert: Der Patient sollte eine Sportart wählen, die ihm Spaß macht, Einsicht in den Sinn sportlicher Betätigung haben und Erfolge im Rahmen seiner Möglichkeiten bewerten.

Die Prämisse lautete: Sport fördert und stabilisiert unsere körperlichen, immunologischen und mentalen Abwehrkräfte. Diese spielen auch bei der Krebserkrankung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Doch diese Erklärung allein reichte auf Dauer nicht aus, denn ein geschwächtes respektive gestärktes Immunsystem ist zwar für die Entstehung und Erholung von Krebs von Bedeutung, war aber von den Immunologen nur als ein Standbein angesehen worden.

Sport als „positiver Entzündungsstress“

In den letzten Jahren rückte das Phänomen des chronischen Entzündungsreizes in den Mittelpunkt des Interesses, dem heute eine besondere Bedeutung bei der Entstehung einer ganzen Reihe von Zivilisationskrankheiten, wie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Autoimmunsystems, des Stoffwechsels, Bluthochdruck, oder Diabetes, beigemessen wird. Diese Form des chronischen Gewebestresses war in der Krebsforschung schon länger bekannt, durch die Entdeckung neuer Immun-Mediatoren (Botenstoffe, Enzyme, etc.) betrachtete man sie nun unter einem anderen Blickwinkel.

Viele Krankheiten unserer Zeit haben also eine gemeinsame Ursache. Chronischer Gewebestress wird bewirkt durch fett- und kalorienreiche Nahrung, einen hohen Cholesterinspiegel, oxidativen Stress, körperliche Inaktivität, psychischen Stress und Depressionen, Luftschadstoffe sowie ein strapaziertes Immunsystem. Ein Raucher beispielsweise (dem Sport beim Abgewöhnen durchaus helfen kann), stresst zunächst seine Lungen durch einen chronischen Entzündungsreiz, der dann den im Rauch enthaltenen krebserzeugenden Stoffen den Boden bereitet, damit sie sekundär den Krebs auslösen können.

Eine chronische Infektion mit Heliobacter-pylori ist als häufige Ausgangsbasis von Magenkrebs nachgewiesen. Und im Fettoder Drüsengewebe abgelagerte Schadstoffe begünstigen die Entstehung von Brust- oder Prostatakrebs. Wenn chronisch inflammatorischer Stress als wesentliche Ursache für viele Krankheiten gelten kann, ergibt sich daraus eine gleich geartete antiinflammatorische Strategie. Wer also mit Sport Krebsprävention betreibt, senkt gleichzeitig auch das Risiko anderer Krankheiten. Diese Menschen werden seltener an Arterienverkalkung leiden, weniger häufig Alzheimer entwickeln und ein vermindertes Risiko für vorzeitige Alters- und Autoimmunprozesse aufweisen.

„Gesunde Bewegung“ durch Sport auch im Gewebe

Der anti-entzündliche Effekt beim Sport lässt sich wie folgt erklären: Bekanntlich werden beim Sport die Muskeln stark beansprucht, die ursprünglich dazu dienten, mit Hilfe von Bewegung Ziele wie Wohngebiete, Partnersuche, Flucht vor Feinden, Jagd und später Ackerbau zu erreichen. Dabei musste man gegen gesundheitsgefährdende Einflüsse geschützt sein. Die aktivierten Muskeln produzieren deshalb den immunologischen Botenstoff Interleukin-6, der viele positive Wirkungen hat. Er mobilisiert Zucker, regt die Fettverbrennung an, schützt die Gefäße, stärkt das Immunsystem und hemmt so krankheitsfördernde pro-entzündliche Prozesse. Der Einsatz von Muskelarbeit vermehrt unser sonst nur 1,5 kg schweres Immunsystem.

Sport dient demzufolge in mehrfacher Hinsicht unserem Überleben. Neben verschiedenen Stressarten werden auch zwei genetisch bedingte Typen von Stress-Respondern unterschieden, nämlich stress-resistente und stress-sensible. Es liegt auf der Hand, dass der zweite Typ stärker gefährdet ist als der erste, da pro-entzündliche Prozesse so gut wie vorprogrammiert sind. Gerade bei ihnen wirkt sich moderater Ausdauersport positiv aus, da sie dadurch stress-resistenter und damit auch gesünder werden.

Neue Fakten und Definitionen

Der menschliche Organismus reagiert auf alles, an das er sich nicht adäquat anpassen kann (Stress, Umweltschadstoffe, Krankheitserreger) auf die Dauer mit chronisch entzündlichem Gewebestress, bei dem pro-inflammatorische Prozesse überwiegen und den Boden für lebensbedrohende Krankheiten bereiten. Das bedeutet, dass er ohne eine situationsadäquate Bewältigungsstrategie, völlig unvorbereitet mit plötzlichen, antizipierten, oder chronischen Belastungen körperlicher und psychischer Art unangepasst (unfit) konfrontiert wird.

Fitness wiederum heißt, dass durch entsprechendes Training im Sinne einer erfolgreichen Bewältigungsstrategie an diese Belastungen so angepasst (to fit) zu sein, dass anti-entzündliche Prozesse überwiegen und im Sinne von Gesundheit gefördert werden. Sport heißt Training von muskulären, physiologischen, immunologischen sowie mentalen Abwehrkräften, um krankheitsfördernden Prozessen im Körper entgegenzuwirken. Anti-entzündliche Regulationsmechanismen bekommen hierbei das Übergewicht und pro-entzündlicher Gewebestress wird herunterreguliert. Durch Sport haben wir also eine effektive Chance, mit unserem Schweiß den verschiedensten Krankheiten das Wasser abzugraben.

Prof. Dr. med. Gerhard Uhlenbruck

26.04.06

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