Therapie neurologischer Erkrankungen
09.04.07.
Nach wie vor erweisen sich die Behandlungsmöglichkeiten neurologischer Erkrankungen als begrenzt. Eine Heilung ist bei einigen Krankheiten wie z.
B. bei MS oder bei Morbus Parkinson bisher nicht möglich. Allerdings haben sich die Therapiemöglichkeiten im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten wesentlich verbessert. Mithilfe bildgebender Verfahren und neuer Medikamente (z. B. Interferone für MS-Patienten) kann der Verlauf der Krankheiten in vielen Fällen gut verfolgt und positiv beeinflusst werden.
Die Therapiemöglichkeiten neurologischer Erkrankungen sind genauso vielfältig wie die Erkrankungen selbst. Ziel einer Therapie ist jedoch immer sowohl die Wiederherstellung der Körperfunktionen als auch die psychische Verarbeitung der Krankheit.
Medikamentöse Therapie
Eine medikamentöse Therapie wird z. B. bei Morbus Parkinson und bei Epilepsie angewandt. Da Parkinson-Patienten unter Dopaminmangel leiden, dieser Botenstoff jedoch nicht die sog. Blut-Hirnschranke überwinden kann, wird die Vorläufersubstanz des Dopamins (Levodopa) verabreicht. Diese Substanz wird nach der Einnahme von dem Enzym Dopa-Decarboxylase in Dopamin umgewandelt. Bei Epileptikern können durch die Einnahme entsprechender Medikamente (Antiepileptika) ca. zwei Drittel der Anfälle vermieden werden.
Auch die Alzheimer-Demenz ist fast ausschließlich mithilfe entsprechender Medikamente (z. B. Cholinergika) zu behandeln. Die Wirkung ist bei den einzelnen Patienten jedoch sehr unterschiedlich, während einige sehr gut darauf ansprechen, zeigt sich bei anderen Erkrankten keine Verbesserung des Krankheitszustandes. Schlägt die Therapie an, so kann sie den Verlauf der Krankheit um ein bis zwei Jahre verzögern. Zusätzlich kann ein sog.
Gehirnjogging durchgeführt werden. Multiple Sklerose wird ebenfalls hauptsächlich mit Medikamenten behandelt. Zur Therapie haben sich Interferone bewehrt. Eine Lysebehandlung (Auflösung von Blutgerinnsel im
Gehirn) kann durch entsprechende Medikamente bei Schlaganfall erfolgen.
Neurochirurgische Eingriffe, interventionelle neuroradiologische Behandlung etc.
Auch neurochirurgische Eingriffe und sog. interventionelle neuroradiologische Behandlungen sind bei manchen neurologischen Erkrankungen möglich. So können z. B. bei einer Verkalkung hirnversorgender Gefäße Stents (engl. to stent: ausdehnen) implantiert werden, die die Gefäße aufweiten.
Bei Gefäßmissbildungen im Gehirn kann z. B. ebenso wie bei einem Hirntumor eine Strahlentherapie angewendet werden. Hierbei können stereotaktische Behandlungen durchgeführt werden. Diese Form der Strahlentherapie ermöglicht eine äußerst präzise Behandlung. Ein äußeres Rahmensystem, am Kopf befestigt, erlaubt ein genaues Zuordnen und Auffinden anatomischer Strukturen. Bei Epilepsiepatienten, bei denen eine medikamentöse Therapie nicht gut anschlägt, kann ein chirurgischer Eingriff im epileptogenen Areal im Hirn vorgenommen werden. Bei Parkinson-Patienten besteht die Möglichkeit einen Hirnschrittmacher im Gehirn einzusetzen. Dabei wird ein dünnes Loch in die Schädeldecke gebohrt und die Elektroden am Nucleus subthalamicus plaziert; der Nucleus subthalamicus ist bei Parkinson-Partienten für den Tremor (Zittern), die Akinese (Bewegungsarmut) und den Rigor (Muskelstarre) verantwortlich. Die Elektroden blockieren nach der Implantation die krankheitsbedingende Aktivität des Nucleus subthalamicus.
Ergänzende Therapien: Physiotherapie, Ergotherapie etc.
Viele Begleiterscheinungen neurologischer Erkrankungen können mit einer ergänzenden Therapie gelindert werden. Eine Ergotherapie empfiehlt sich bei kognitiven sowie bei Bewegungsstörungen. Sie soll dem Patienten seine Selbstständigkeit im Alltag und die Wiedereingliederung in das Berufsleben ermöglichen. Da neurologische Erkrankungen oft auch Sprach- und Schluckstörungen hervorrufen, kann eine Logopädie und Schlucktherapie Abhilfe verschaffen. Eine ergänzende Physiotherapie kann bei Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen, zur Schmerzlinderung, Koordination von Haltung und Bewegung und zur Stärkung der Muskulatur hilfreich sein. Zur psychischen Bearbeitung der Krankheit können Neuropsychologie, Kunst-, Mal- und Musiktherapie beitragen. Viele Spezialkliniken bieten außerdem Sporttherapien, Diätberatungen und Physikalische Therapien (Med. Bäder, Massagen und Elektrotherapien) an.
Susanne Fass
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