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Therapieansätze bei erblichem Eierstockkrebs

Etwa 7.400 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an bösartigen Tumoren des Eierstocks. Damit machen sie etwa 25 % aller weiblichen Genitaltumoren aus. Meist sind die Frauen rund 60 Jahre alt, wobei auch sehr junge und ältere Patientinnen betroffen sein können. Eierstockkrebs wird „meist in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Kerstin Rhiem, Universitätsklinikum Köln.

„Eierstockkrebs ist eine heimtückische Erkrankung“, berichtet die Ärztin. „Die Tumorzellen sind zum Zeitpunkt der Erstdiagnose aufgrund des typischen Ausbreitungsmusters des Eierstockkrebses bereits von der Oberfläche der Eierstöcke/Eileiter auf den gesamten Bauchraum (besonders auf dem Bauchfell=Peritoneum) verteilt“, erläutert sie. Zum einen erschwere dieses spezielle Wachstumsmuster die frühe Diagnosestellung zum anderen wären die Symptome der Patientinnen unspezifisch und würden oft verharmlost. „Erst rückblickend werden dann diese unspezifischen Beschwerden der Patientinnen – wie z. B. veränderte Verhältnisse beim Stuhlgang, Blähungen, Völlegefühl – als erste Symptome des Eierstockkrebses interpretiert“, erklärt sie und rät: „Sollte eine Frau bereits längere Zeit solche Beschwerden haben, sollte sie zur Abklärung unbedingt ihren Arzt aufsuchen.“

„Insgesamt erleiden zwei Drittel der Patientinnen mit im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziertem Eierstockkrebs innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Behandlung einen Rückfall (Rezidiv)“, berichtet Dr. Rhiem. Da in einem solchen Stadium der Erkrankung eine Heilung im Prinzip nicht möglich sei, stünden hier Aspekte wie eine Verlängerung der rezidivfreien Zeit, die Symptomkontrolle und die Lebensqualität der Patientinnen im Vordergrund.

Bessere Heilungschancen haben Frauen, bei denen die Eierstockkrebserkrankung in einem frühen Stadium diagnostiziert wird. „Dies ist bei etwa 30 % der Frauen der Fall.“ (Internationale FIGO-Klassifikation Stadium I bis IIa.) Wenn eine optimale Behandlung durchgeführt werde, dann könne die Erkrankung in vielen Fällen geheilt werden und nach fünf Jahren leben über 95 % der Patientinnen ohne Erkrankungsrückfall, klärt Dr. Rhiem auf.

Und dennoch gilt auch im Falle einer Diagnose im späten Stadium: „Auch Eierstockkrebs ist kein Todesurteil“, macht Ursel Wirz, Geschäftsstellenleiterin des BRCA-Netzwerk – Hilfe bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs Mut. „Es gibt durch neue Therapieansätze durchaus bessere Daten der Überlebenszeit. Es lohnt sich immer, gegen eine Krankheit anzugehen, die lebensbedrohlich werden kann. Auch bei Eierstockkrebs kann eine geeignete Therapie große Erfolge zeigen, das sehen wir gerade bei den Mutationsträgerinnen mit einer neu zugelassenen medikamentösen Therapie“, bemerkt sie.

BRCA-Genveränderungen

Dies bestätigt auch Dr. Rhiem: „Insbesondere für die Frauen mit Eierstockkrebs, deren Tumor aufgrund einer genetischen Veränderung assoziiert ist (Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen), gibt es hier gute Nachrichten. Diese Tumoren können mit PARP-Inhibitoren behandelt werden.“ Bei etwa jeder fünften bis zehnten Patientin mit Eierstockkrebs sei eine Veränderung im Hochrisikogen BRCA1 oder BRCA2 für die Erkrankung verantwortlich. Hinweise darauf, dass solch eine Veränderung vorliegen könnte, sei in der Familiengeschichte der betroffenen Frauen zu finden. „Hier zeigt sich nämlich eine familiäre Häufung von Erkrankungsfällen an Brust- und Eierstockkrebs“, erklärt sie. Werde bei einer Frau eine Genveränderung (Mutation) in einem der beiden BRCA-Gene gefunden, dann sei die Voraussetzung für eine Therapie mit PARP-Inhibitoren gegeben.

„Darüber hinaus kann eine Frau, die die BRCA-Mutation geerbt hat, den Eierstockkrebs durch eine prophylaktische Entfernung der Eierstöcke und Eileiter praktisch verhindern“, erläutert die Dr. Rhiem. Dieser Eingriff werde um das 40. Lebensjahr herum und nach abgeschlossener Familienplanung empfohlen bzw. fünf Jahre vor dem jüngsten Ersterkrankungsalter in der Familie. Um nicht vorzeitig in die Menopause zu gelangen, könnten die Frauen eine Hormonersatztherapie erhalten (bis zum Eintritt in die natürliche Menopause mit etwa 50 Jahren). Voraussetzung sei allerdings, dass die Frauen keine vorangegangene Brustkrebserkrankung hatten.

Aus Erfahrung weiß Dr. Riem, dass die Informationen, ob eine Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen vorliegt die familiär belastete Frau i. d. R. entlastet – unabhängig davon, ob sie von der Genmutation betroffen sind, oder nicht. „Eine Frau aus einer belasteten Familie, die entlastet werden kann, weil sie die BRCA-Mutation nicht trifft, ist natürlich sehr froh. Aber auch eine Frau, die nun weiß, dass sie die BRCA-Mutation trägt, ist erfahrungsgemäß erleichtert. Sie hat aufgrund der Erkrankungshäufung in der Familie Angst, selbst zu erkranken und kann nun proaktiv vorgehen. Sie hat das Zepter in der Hand und kann durch die Entscheidung zu einer prophylaktischen Entfernung der Eierstöcke und Eileiter die Erkrankung praktisch verhindern“, betont sie.

Operation und Chemotherapie

„Neben der klassischen Chemotherapie kann in der Erstbehandlung einer Eierstockkrebserkrankung auch ein neuartiger Therapieansatz zum Tragen kommen, so z. B. mit einem Angiogenesehemmer, der die Neubildung von Blutgefäßen hemmt“, erklärt Dr. Rhiem. Die Hauptpfeiler der Behandlung bestünden in der Operation und einer anschließenden Chemotherapie (sechs Zyklen einer Kombinationschemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel). Bei der Operation sei es wichtig, dass das gesamte Tumorgewebe möglichst entfernt werde. „Hierzu sind oft ausgedehnte Operationen notwendig“, erklärt die Ärztin. Eine Diagnose im fortgeschrittenen Stadium sei i. d. R. mit einem erhöhten Rückfall-/Metastasierungsrisiko verbunden.

„Die gesamten Therapieverfahren sollten durch Experten festgelegt werden und durch Begleitmaßnahmen wie z. B. die Psychoonkologie unterstützt werden“, erklärt Dr. Rhiem, worauf es bei der Behandlung ankommt. Die Nachsorge nach Abschluss der Behandlung stelle sicher, dass auch bei den Folgen der Erkrankung und Therapie die Patientin intensiv begleitet werde, Spätfolgen gemindert werden könnten und ein Rückfall zeitgerecht diagnostiziert und erneut behandelt werde.

Früherkennung

Eine effiziente Früherkennungsmethode gibt es für Eierstockkrebs bislang nicht. Durch regelmäßige transvaginale Ultraschalluntersuchungen in Kombination mit der Bestimmung des Tumormarkers CA125 konnten bisher keine Frühstadien des Eierstockkrebses identifiziert werden. Da die Früherkennung der Tumoren aber möglicherweise zur einer verbesserten Prognose beitragen könnte, laufen auf diesem Gebiet aktuell wissenschaftliche Untersuchungen.

Patientinnen, die eines der in der Tabelle genannten Kriterien erfüllen, können sich in einem der Zentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs in Deutschland zur Beratung vorstellen. Im Anschluss an die Beratung kann sich die Patientin für eine Gentestung entscheiden, dazu ist eine Blutentnahme ausreichend. Wenn eine Genveränderung (Mutation) in einem der beiden BRCA-Gene gefunden wird, dann ist die Voraussetzung für eine Therapie mit PARP-Inhibitoren gegeben.

Für Frauen, die eine BRCA-Mutation tragen, ist das lebenslange Brust- und Eierstockkrebsrisiko im Vergleich zu Frauen, die die Mutation nicht tragen, erhöht. Eine Frau, die die in der Familie bekannte BRCA-Mutation nicht trägt, hat auch keine erhöhten Erkrankungsrisiken für Eierstock- und Brustkrebs. Sie trägt lediglich die Risiken der weiblichen Allgemeinbevölkerung für Brust- und Eierstockkrebs.

Kritierien zur Durchführung einer molekulargenetischen Analyse der Brustkrebsgene

Bei folgendem familiären Risikokonstellationen wurde in mindestens 10 % der untersuchten Indexfälle eine pathogene BRCA1- oder BRCA2-Keimbahnmutation nachgewiesen:

  • Mindestens drei Frauen aus der gleichen Linie einer Familie sind an Brustkrebs erkrankt (unabhängig vom Alter bei Erstdiagnose.
  • Mindestens zwei Frauen aus der gleichen Linie einer Familie sind an Brustkrebs erkrankt, davon eine vor dem 51. Lebensjahr.
  • Mindestens zwei Frauen aus der gleichen Linie einer Familie sind an Eierstockkrebs erkrankt.
  • Mindestens eine Frau ist an Brustkrebs und mindestens eine Frau an Eierstockkrebs erkrankt oder eine Frau an Brust- und Eierstockkrebs.
  • Mindestens eine Frau ist vor dem 36. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankt.
  • Mindestens eine Frau ist an Brustkrebs an beiden Brüsten (bilateral) erkrankt, wobei der erste Brustkrebs vor dem 51. Lebensjahr aufgetreten ist.
  • Mindestens ein Mann ist an Brustkrebs und mindestens eine Frau an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt.

Kontaktdaten:
BRCA-Netzwerk – Hilfe bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs e. V.
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Tel.: 0228 33889-100
Fax: 0228 33889-110

Quelle: Leben? Leben!

23.05.17

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