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Therapieziele bei Typ-2-Diabetes

Ein Leben mit Diabetes erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Wissen: 99 % der Therapiezeit sind die Betroffenen selbst verantwortlich und auf sich allein gestellt.

Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 bildet die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zwar über viele Jahre hinweg noch Insulin, die Ausschüttung wird im Laufe der Zeit aber immer geringer. Außerdem kann das Insulin nicht mehr richtig an den Zellwänden wirken, das hängt häufig auch mit Bewegungsmangel und Übergewicht zusammen. Der Zucker im Blut aus mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydraten gelangt dann nicht mehr in die Zellen hinein. Da die meisten Menschen mit Typ 2-Diabetes auch übergewichtig sind, beginnt ihre Therapie zunächst mit einer Ernährungsumstellung, die eine Gewichtsabnahme ermöglichen und Blutzuckerspitzen reduzieren soll und ggf. der Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten.

Die Nationale Versorgungsleitlinie „Therapie des Typ-2-Diabetes“ sieht dabei individualisierte Therapieziele in Bezug auf Lebensstil, Glukosestoffwechsel, Blutfettwerte, Körpergewicht und Blutdruck vor. Solche individuell mit dem Patienten vereinbarten Therapieziele sollten im Laufe der Behandlung einmal pro Jahr bzw. bei Bedarf neu bewertet und ggf. korrigiert werden, heißt es weiter. Dennoch gibt es bestimmte Richtwerte, was die Therapieziele betrifft.

Blutzuckerwert und HbA1c-Wert

So gelten als Orientierung Blutzuckerwerte von 5,6–6,9 mmol/l (100–125 mg/dl) auf nüchternen Magen bzw. vor der Mahlzeit sowie 7,8–11,0 mmol/l (140–199 mg/dl) nach den Mahlzeiten. Die Leitlinie betont den Orientierungscharakter dieser Werte – sie müssen nicht zwingend erreicht werden, informieren den Patienten aber, welche Werte im normalen Bereich liegen. Insgesamt hängen die Zielwerte für den Blutzucker des einzelnen Patienten von individuellen Faktoren ab, beispielsweise weiteren Krankheiten, der Lebenserwartung, der Neigung zu Unterzuckerungen und dem Alter, und werden mit dem behandelnden Arzt individuell festgelegt.

Ähnliches gilt auch für den Langzeitblutzucker, den HbA1c-Wert. Hier schlägt die Leitlinie einen HbA1c-Korridor von 47,5–58,4 mmol/mol (6,5–7,5 %) vor, um Folgeerkrankungen zu vermeiden, aber immer unter Berücksichtigung der individualisierten Therapieziele. Zu diesen individuellen Faktoren gehören der Patientenwille nach der Aufklärung durch den Arzt, das Alter und Begleiterkrankungen. Wobei gilt: je jünger und gesünder, desto näher am empfohlenen Ziel-HbA1c. Darüber hinaus gehören auch eine Abwägung der Nutzen und Risiken wie Unterzuckerungen und Gewichtszunahme dazu. Zudem hängt der Wert von den eingesetzten Medikamenten ab.

Blutdruck

Der Blutdruck bei Patienten sollte systolisch (oberer Blutdruckwert) niedriger als 140 mmHg sein, diastolisch (unterer Blutdruckwert) bei 85 mmHg liegen. Ein erhöhter Blutdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Blutdruck sollte regelmäßig zu Hause mit einem Blutdruckmessgerät gemessen werden.

Blutfettwerte

Auch die Blutfettwerte, der Cholesterinspiegel, spielen eine Rolle bei den Therapiezielen für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, liegt der Orientierungswert für das LDL-Cholesterin bei einem Wert von weniger als 2,6 mmol/l (100 mg/dl).

Körpergewicht

Übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten, wenn möglich, versuchen, Gewicht zu verlieren. Dies bessert zum einen bereits oft die Blutzuckerwerte, zum anderen ist Übergewicht und Bewegungsmangel ebenfalls ein Risikofaktor für Folgeerkrankungen. Die Leitlinie orientiert sich hierbei am Body-Mass-Index (BMI). Beträgt dieser 27 bis 35 kg/(m)² sollte das Körpergewicht etwa um 5 % reduziert werden, bei einem BMI von mehr als 35 kg/(m)² um 10 %. Übliche Methoden zur Gewichtsreduktion sind mehr Bewegung und Sport begleitet von einer Ernährungsumstellung – das ist die sog. konservative Therapie.

Bei schweren Formen von Adipositas kann zudem die metabolische Chirurgie eine Therapieoption sein: Die S3-Leitlinie „Chirurgie der Adipositas“ sieht vor, dass bei Patienten mit einem BMI von mehr als 40, bei denen keine Kontraindikationen vorliegen, bei Erschöpfung der konservativen Therapie nach umfassender Aufklärung eine bariatrische Operation angezeigt ist. Bei Menschen mit Diabetes kann unter diesen Voraussetzungen eine Operation auch mit einem etwas niedrigerem Gewicht möglich sein, bei einem BMI zwischen 35 und 40. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie kann eine Operation zudem auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mit einem BMI zwischen 30 und 35 infrage kommen.

In der S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Adipositas“ heißt es darüber hinaus, dass eine chirurgische Therapie auch ohne eine vorherige konservative Therapie durchgeführt werden kann, wenn die konservative Therapie ohne Aussicht auf Erfolg ist oder der Gesundheitszustand des Patienten keinen Aufschub eines operativen Eingriffs zur Besserung durch Gewichtsreduktion erlaubt – z. B. bei besonders schweren Begleit- und Folgekrankheiten oder einem BMI von mehr als 50. Mögliche chirurgische Verfahren sind u. a. das Einsetzen eines Magenbands, Magenbypass oder Schlauchmagen-Operation.

Lebensstil

Was die Lebensführung angeht, sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes zu einem gesünderen Lebensstil angehalten werden. Dazu zählen insbesondere der Verzicht auf das Rauchen, eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit nicht zu viel Fett, regelmäßiger Bewegung im Alltag wie Spazierengehen und Treppensteigen sowie Sport. Hier sind ein gemäßigtes Ausdauertraining sowie ein moderates Krafttraining sinnvoll. Solange die Therapiemaßnahmen wirken und der Stoffwechsel stabil eingestellt ist, leben Betroffene i. d. R. sehr gut mit der Erkrankung, betont diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Quelle: Befund Diabetes 1/2016

15.04.16

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