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Tipps für Eltern von Jugendlichen mit Diabetes

Nach der Erstmanifestation beginnt für die Eltern eine schwierige Zeit. Erst wenn sie die Erkrankung ihres Kindes akzeptiert haben, können sie dieses unterstützen. Diplomkrankenschwester Eva Lagger, Attersee, hat in ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Diabetes in der Pubertät“ Tipps für Eltern von jugendlichen Diabetikern gesammelt.

Zu Beginn wollen Eltern meist alles über Diabetes wissen und lassen sich von Informationen und Fachbegriffen überschütten. Nach der Diagnose sollten sich die Eltern und Jugendlichen Zeit nehmen, den ersten Schock zu überwinden und die eigenen Gefühle zu ordnen. Die Diabetestherapie muss Schritt für Schritt erlernt werden. Zuerst erfolgt die Auseinandersetzung mit den wichtigsten Grundlagen und danach erst die Beschäftigung mit den Feinheiten der Therapie. Vorsicht ist im Internet geboten, da viele Informationsquellen veraltet sind sowie bei Therapievorschlägen, die „Heilung“ um viel Geld versprechen.

Gelassenheit wiederfinden

In der Gegenwart zu leben und nicht zu viel über die Zukunft nachzudenken hört sich einfach an, aber dazu wird Unterstützung z. B. von einem Partner oder einer Vertrauensperson benötigt, mit dem über die eigenen Gefühle und Ängste gesprochen werden kann. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass sich die Eltern Zeit für sich selbst nehmen sollten, um die Diagnose zu verkraften. Vergleiche mit anderen Eltern anzustellen, bringen Betroffene nicht weiter. Hilfreich können Selbsthilfegruppen, Kontakt zu anderen betroffenen Eltern oder Internetforen sein. Wobei bei Internetseiten immer auf die Vertrauenswürdigkeit geachtet werden muss.

Jugendliche einfühlsam begleiten

Ein an Diabetes erkrankter Jugendlicher besteht nach der Diagnose nicht aus der Erkrankung, es ist „nur“ eine neue Eigenschaft. Er soll daher nie wie ein Kleinkind behandelt werden. Kein Mitleid, sondern Verständnis für ihn ist in dieser Zeit wichtig. Wenn der Jugendliche den ersten Schock nach der Diagnose überwunden hat, entsteht oft ein Wissensdrang, der zu unterstützen ist, denn dies stärkt das Selbstbewusstsein. Es gibt für einen Diabetiker im Jugendalter kein Patentrezept, da jeder diese Phase anders erlebt. Ziel ist es, die Verantwortung Schritt für Schritt an den Jugendlichen zu übergeben, damit er lernt selbstständig mit seinem Diabetes umzugehen. Die Eltern sollten vom Therapeuten zum Berater werden.

Verantwortung übergeben

Die Geschwindigkeit, in der die Jugendlichen selbstständig werden, ist sehr unterschiedlich. Eltern müssen ihrem Gefühl folgen, wann und wie viel sie ihrem Kind zutrauen können. Der Beginn der Verantwortungsübergabe sollte, wenn möglich, bis zum zwölften Lebensjahr geschehen, da Kinder in diesem Alter meistens wissbegieriger sind. Die Eltern sollten nicht nach jedem Blutzucker fragen, sonst fühlt sich der Jugendliche eventuell unter Druck gesetzt.

Tipps für den Alltag

Um die Jugendlichen zu motivieren, sollte Anerkennung und Bewunderung vermittelt werden. Der Jugendliche darf wütend auf die Erkrankung Diabetes sein, wobei er in dieser Situation vor Schuldvorwürfen geschützt werden sollte. Misserfolge in der Therapie werden emotional stärker erlebt als ein stabiler Blutzucker. Um das Kind zu stärken, darf der aktuelle Blutzuckerwert den Familienalltag nicht beeinflussen. Wichtig ist, dass der Jugendliche trotz Streitereien weiß, dass er geliebt wird. Eltern sollten Belastungen und Pflichten nicht abnehmen, sondern das Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen ihrer Kinder stärken.

Realistische und erreichbare Erwartungen von Eltern und Jugendlichen an die Diabeteseinstellung sind besonders wichtig, da durch Hormonschwankungen in der Pubertät auch Blutzuckerschwankungen entstehen können. Bei einer gemeinsamen Zielsetzung von Betroffenen, Eltern und Diabetesteam muss der Lebensabschnitt der Pubertät in Hinsicht auf die Therapieziele beachtet werden. Dieser Abschnitt macht sich in der Therapie durch mangelndes Interesse bemerkbar. Erfolgserlebnisse fördern die Mitarbeit der Jugendlichen. Beim Diabetesteam können jederzeit Informationen über realistische Ziele eingeholt werden. Außerdem sollte vermieden werden, dem Jugendlichen bei Nichteinhalten der Therapie Angst über die Folgeerkrankungen zu machen. Ihm dürfen auch andere Dinge als der Diabetes wichtig sein.

Umgang mit „normalen“ Pubertätsproblemen

Der Diabetes ist bei manchen Jugendlichen eine Ausrede für alles. In solchen Fällen müssen die Eltern eingreifen und sehr feinfühlig differenzieren können. Bei Streitereien darf der Diabetes nicht mit einbezogen werden, es sei denn, es geht nur um dieses Thema. Jugendliche testen in diesem Alter, wie weit sie gehen können. Sie profitieren von der Hilfe ihrer Eltern, da es im Alltag schwer sein kann, die eigenen Ziele allein umzusetzen. Es kann bei Gesprächen häufig zu Missverständnissen kommen: Nachfragen wird als Kontrolle empfunden oder ein Ratschlag als Befehl. Immer mit dem Jugendlichen in Verbindung bleiben und Unterstützung anbieten, ist für Eltern von an Diabetes erkrankten Jugendlichen besonders wichtig. Eltern dürfen ihre Sorge zeigen und mitverantwortlich bleiben.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 01/2013

21.06.13

Jugendliche mit Diabetes
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