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Diagnose des Tourette-Syndroms

Das Tourette-Syndrom zählt zu den sog. Tic-Störungen. Das charakteristischste Krankheitszeichen des Tourette-Syndroms sind Gesichts- oder Nervenzuckungen, die als Tics bezeichnet werden. Diese können sowohl Bewegungen bzw. Bewegungsmuster (einfache bzw. komplexe motorische Tics) als auch Lautäußerungen bzw. gesprochene Worte (einfache bzw. komplexe vokale Tics) umfassen. Von einem Tourette-Syndrom wird erst dann gesprochen, wenn diese Tics mehr als ein Jahr andauern.

Erste Anzeichen sind meist einfache Tics

Erfahrungsgemäß zeigen sich erste Symptome der Erkrankung bereits im Vorschulalter bzw. im frühen Schulalter, also ca. zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr. Zunächst treten meist einfache Tics auf, z. B. ein Augenzwinkern, Blinzeln, Kopfschütteln oder Rumpfbewegungen. Unwillkürliche Lautäußerungen wie Räuspern, Grunzen oder Quieken können in manchen Fällen bereits früh hinzukommen. Im Regelfall treten vokale Tics jedoch erst zwei bis drei Jahre später auf. Am deutlichsten ausgeprägt sind die Symptome meist im vorpubertären Alter. Gegen Ende der Pubertät bessern sich die Tics vieler Betroffener wieder oder verschwinden sogar komplett.

Stress verstärkt die Tics

In vielen Fällen werden die Tics durch den Einfluss von Stress oder auch bei emotionaler Erregung wie Freude oder Ärger deutlich stärker. Konzentrieren sich Menschen mit Tourette-Syndrom hingegen auf bestimmte Tätigkeiten, werden die Tics abgeschwächt. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen liefern die Ergebnisse der derzeitigen Forschung: Im Hirn von Tourette-Patienten besteht ein gestörtes Gleichgewicht verschiedener Neurotransmitter (v. a. Dopamin und Serotonin). Da die Konzentration dieser Botenstoffe im Gehirn in Abhängigkeit von unserem Gemütszustand variiert, kann sich das Ungleichgewicht z. B. bei Freude verstärken oder in Phasen erhöhter Konzentration verringert sein. Die Folge ist, dass sich die Symptomatik dadurch bessert oder verschlechtert.

Diagnose von Tic-Störungen

Die Diagnose des Tourette-Syndroms wird anhand einer ausführlichen Anamnese und der Schilderung der beobachteten Tics vorgenommen. In erster Linie werden dazu der Betroffene selbst sowie enge Familienangehörige (z. B. Eltern, Geschwister etc.) befragt. Dabei wird im Rahmen der Untersuchung bzw. Befragung versucht, Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild auszuschließen bzw. zu diagnostizieren (Differenzialdiagnose). Dazu gehören z. B. Tic-Störungen, die durch Medikamenteneinwirkung oder durch eine zugrunde liegende Primärerkrankung (Hirntumor, Streptokokkeninfektion etc.) ausgelöst wurden. Als Differenzialdiagnose kommen darüber hinaus auch Formen von Epilepsie oder choreatischen Bewegungsstörungen infrage.

Ausgeschlossen werden muss ebenfalls eine sog. vorübergehende Tic-Störung des Kindesalters. Diese liegt vermutlich dann vor, wenn es sich um ein Kind unter 18 Jahren handelt, dessen Tics noch nicht länger als ein Jahr andauern. Nur wenn die Störung länger als ein Jahr andauert und sowohl motorische als auch vokale Tics vorliegen, spricht der Mediziner vom Tourette-Syndrom. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) gehören derzeit nicht zu den Standard-Diagnoseverfahren, da momentan keine pathologischen Kriterien zur Diagnose des Tourette-Syndroms bekannt sind. In einigen Fällen kommen sie jedoch zur Differenzialdiagnose zum Einsatz.

Um den Schweregrad von Tic-Störungen einschätzen zu können, wurde die Yale Globale Tic-Schweregrad-Skala (YGTSS) entwickelt. Anhand dieser Skala können die auftretenden Tics hinsichtlich ihrer Anzahl, Häufigkeit, Intensität und Komplexität beurteilt werden. Neben dieser Skala gibt es auch noch eine Shapiro-Schweregrad-Skala. Diese Skala schätzt die Tics eher nach der Intensität ein, mit der sie auf die Umgebung wirken.

Antje Habekuß

28.03.14

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