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Typ-2-Diabetes: Übergewicht individuell behandeln

Typ-2-Diabetes geht häufig mit Übergewicht einher. Eine Gewichtsabnahme lohnt sich: Manche Menschen mit Typ-2-Diabetes können ihre gesundheitliche Situation bereits mit einer Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Kilogramm erheblich verbessern. Ihre Blutzuckerwerte normalisieren sich, mitunter brauchen sie keine spezielle Diabetestherapie mehr. Doch auch davon abgesehen, ist es sinnvoll, Übergewicht zu behandeln, denn es birgt insbesondere bei Menschen mit Diabetes weitere gesundheitliche Risiken, beispielsweise für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die drei Säulen der Basistherapie

Individuell behandeln – was heißt das im Fall von übergewichtigen Menschen mit Diabetes? Abhängig ist die Therapie einerseits vom Alter des Patienten, aber auch davon, wie stark er übergewichtig ist und welche Maßnahmen bereits versucht worden sind, um Gewicht zu verlieren. Allgemein stützt sich die Therapie von Adipositas auf die drei Säulen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie, so die Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“.

Bei der Ernährungstherapie möchte man erreichen, dass sich der Patient ausgewogen und gesund ernährt und zudem weniger Kalorien aufnimmt, als er verbraucht. Denn nur durch dieses Kaloriendefizit kann eine Gewichtsabnahme erfolgen. Als Faustformel gilt: Die Patienten sollten rund 300 bis 500 kcal weniger am Tag zu sich nehmen, als der Tagesverbrauch ist, informiert das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ). Wer weniger isst, läuft Gefahr, den berüchtigten Jo-Jo-Effekt zu erleben: Der Körper fährt den Grundumsatz, d. h., den Kalorienverbrauch in Ruhe, herunter, und man nimmt zu, obwohl man nur wenig isst. U. U. kann es auch möglich sein, 800 kcal einzusparen, dies ist jedoch eher in Einzelfällen sinnvoll. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten ihre Ernährung dabei auf fettarme und ballaststoffreiche, vollwertige, gesunde Mischkost umstellen, empfiehlt das DDZ.

Durch die Bewegungstherapie kann der Patient darüber hinaus mehr Energie verbrauchen. Dafür sind laut Leitlinie etwa 150 Minuten Bewegung in der Woche mit einem Energieverbrauch von 1.200 bis 1.800 kcal sinnvoll. Eine empfehlenswerte Kombination besteht aus Ausdauersport und Krafttraining. Bei der Auswahl der richtigen Sportarten sollten die Interessen und vor allem der Gesundheitszustand des Patienten maßgeblich sein.

Auch die psychologische Komponente ist bei der Gewichtsabnahme von großer Wichtigkeit und spiegelt besonders die individuelle Geschichte des Betroffenen wieder. Hier kommen laut Leitlinie verschiedene Ansätze ins Spiel, die sowohl in Einzel- als auch in Gruppentherapien durchgeführt werden können. Beispiel hierfür sind das Führen eines Ernährungstagebuchs, das dazu dient, das eigene Verhalten zu beobachten und Fortschritte festzuhalten, das Erlernen von Strategien, die einem helfen, mit wieder steigendem Gewicht richtig umzugehen, aber auch Trainingseinheiten, die die sozialen Kompetenzen stärken oder dabei helfen, sich selbst besser behaupten zu können.

Operative Verfahren

In bestimmten Fällen kann auch eine chirurgische Therapie bei Übergewicht in Betracht kommen – vor allem dann, wenn die angeführte Basistherapie nicht gefruchtet hat und das Übergewicht sehr hoch ist. Es gibt jedoch auch Umstände, bei denen die chirurgische Therapie ohne eine vorherige Basistherapie möglich ist: Beispielsweise, wenn ein Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 50 kg/(m)² vorliegt oder schwere Vorerkrankungen durch das Übergewicht entstanden sind.

Laut Leitlinie „Chirurgie der Adipositas“ ist eine Operation darüber hinaus bei Patienten mit einem BMI von mehr als 40 kg/(m)², bei denen keine Kontraindikationen vorliegen, und bei Erschöpfung der konservativen Therapie nach umfassender Aufklärung möglich. Bei Menschen mit Diabetes kann eine Operation auch mit einem etwas niedrigerem Gewicht erfolgen, und zwar bei einem BMI zwischen 35 und 40 kg/(m)², sofern die Basistherapie nicht mehr greift.

Bei der operativen Behandlung von Übergewicht existieren folgende Verfahren:

  • Magenband, aus Silikon bestehend, das um den oberen Teil des Magens gelegt wird
  • Schlauchmagen, d. h., operative Verkleinerung des Magenvolumens um 80 bis 90 %
  • Roux-Y-Magen-Bypass: Hierbei trennt der Operateur einen großen Teil des Magens ab, ein kleinerer Teil verbleibt (sog. Pouch) und wird unter Umgehung des Zwölffingerdarms neu mit dem Dünndarm verbunden
  • biliopankreatische Teilung mit sog. duodenalem Switch: Hier wird der Magen ebenfalls verkleinert und ein großer Teil des Dünndarms wird von der Nahrungsaufnahme ausgeschlossen. Der sog. Magenpförtner bleibt erhalten, was Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schweißausbrüche i. d. R. reduziert.

Eine solche Operation ist ein großer und lebensverändernder Eingriff – eine genaue Aufklärung und Beratung durch den Arzt in Bezug auf Risiken, Ablauf und das Leben danach ist daher essenziell. Für manche Patienten ist auch eine Art Stufenkonzept sinnvoll, bei dem verschiedene Verfahren aufeinander aufbauend angewandt werden.

Auswahl der Medikamente bei Typ-2-Diabetes

Wichtig bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist zudem, dass bei der Auswahl der Medikamente darauf geachtet wird, ob und wie sich diese auf das Gewicht auswirken. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) gehört die Vermeidung von Übergewicht und Hypoglykämien (Unterzuckerung) neben einer effektiven Blutzuckersenkung heute zu den wichtigsten Therapieprinzipien. Metformin erfüllt im Gegensatz zu den Sulfonylharnstoffen diese Bedingungen, so die DDG. Neuere Medikamente kommen i. d. R. erst zum Einsatz, wenn Metformin den Blutzucker nicht ausreichend senkt. Meistens werden sie mit Metformin kombiniert.

Zu den neu eingeführten Medikamenten zählen beispielsweise die SGLT2-Inhibitoren, die die Zuckerausscheidung über die Nieren fördern, den Blutdruck senken und ebenfalls eine Gewichtsabnahme bewirken. Diese sind jedoch nicht für jeden geeignet, beispielsweise für Menschen, die anfällig für Genital- und Harnwegsinfektionen sind. Eine weitere Therapieoption, die sich günstig auf das Gewicht auswirkt, sind sog. GLP-1-Agonisten, die gespritzt werden.

Quelle: Befund Diabetes 2/2016

11.08.16

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