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Experteninterview zum Thema Juckreiz

Pruritus – eine optimale Hautpflege ist entscheidend

Pruritus, der Fachbegriff für Juckreiz ist ein häufiges Symptom in der Hautheilkunde. Jucken ist ein Warnsignal des Körpers und kann auf eine vorhandene oder entstehende Erkrankung hinweisen. Ständiger Pruritus ist oft schwer zu therapieren und eine große körperliche und seelische Belastung. Prof. Dr. Sonja Ständer, Universitätsklinikum Münster, erklärt im Interview die wichtigsten Fakten zu Pruritus.

Wie entsteht Pruritus?

Pruritus ist wie Schmerz auch ein wichtiges Alarmsymptom der Haut. Dazu ist die Haut mit einem dichten Netzwerk aus Nervenfasern ausgestattet, die – je nach Reizart – Jucken oder Schmerzen weiterleiten. Das „Alarmsystem“ für Pruritus ist äußerst effektiv; bereits kleinste Tierchen können auf der Haut Krabbel- und Juckempfindungen auslösen. Die Nervenfasern können auch von in der Haut befindlichen Botenstoffen aktiviert werden, die z. B. von Entzündungszellen freigesetzt werden können.

Welche Ursachen hat der chronische Juckreiz?

Chronischer Pruritus, also Juckreiz, der länger als sechs Wochen dauert, ist ein Symptom von Erkrankungen wie z. B. Hautentzündungen wie bei der Neurodermitis, aber auch innerlicher Erkrankungen wie chronischer Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus. Seltener kann Juckreiz auch auf einer Medikamenteneinnahme basieren.

Was kann den chronischen Juckreiz noch verstärken?

Viele Faktoren sind bekannt, die ein bestehendes Jucken verstärken können wie Angst, Stress, trockene Luft, synthetische Kleidung, Schwitzen, heiße Getränke oder scharfe Speisen. Dies muss jeder Patient individuell für sich herausfinden. Wichtig ist auch eine Betrachtung der Haut. Jucken führt zu Kratzen mit der Folge der Hautverletzung; z. T. werden auch Eispackungen oder andere irritierende Substanzen zur Jucklinderung verwendet. Dies kann die Haut nachhaltig schädigen und zur Erhaltung des Juckens beitragen. Daher ist eine frühzeitige Inanspruchnahme von Beratung durch Apotheker oder Haus- bzw. Hautärzten zur Hautpflege wichtig.

Was trägt zur Linderung bei?

Eine optimale Hautpflege ist wichtig. Verwendet werden können Cremes oder Lotionen, die Substanzen zur kurzfristigen Linderung beitragen wie Menthol oder Urea.

Was sind die Folgen von chronischem Pruritus?

Neben den Folgen für die Haut wie Kratzläsionen oder Austrocknen durch Verwendung irritierender Substanzen, ist stetiger Juckreiz schwer belastend. Pruritus kann zu Schlafstörungen und somit Einschränkung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen.

Wie sinnvoll ist ein Pruritus-Tagebuch?

Ein Pruritus-Tagebuch ist sinnvoll, um einerseits Auslösungsfaktoren festzustellen und andererseits den Therapieverlauf und Erfolg bzw. Misserfolg sichtbar zu machen.

Welche Untersuchungen werden bei Betroffenen durchgeführt?

Bei Patienten mit chronischem Pruritus ist die Ursachensuche angezeigt; dazu wird nach einer ausführlichen Krankengeschichte das genaue Untersuchungsprogramm festgelegt. Blut-, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen gehören beispielsweise dazu.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Erfreulicherweise werden die Behandlungsmöglichkeiten immer besser; basieren jedoch immer noch auf Therapien, die i. d. R. langsam wirken und erst nach Wochen Wirkung zeigen. Im Rahmen einer stationären Therapie hat man mehr Möglichkeiten schneller wirksame Therapien zu verabreichen, die allerdings eine engmaschige Kontrolle z. B. des Blutdrucks oder der Blutwerte erfordern. So können Lokalanästhetika eingesetzt werden, da diese Präparate auf verschiedene Gruppen von Rezeptoren in der Haut wirken. Angewendet werden bei Pruritus Substanzen wie Benzocain, Kampfer, Lidocain, Pramoxin sowie eine Mixtur von Prilocain und Lidocain. Neben einer Reihe von Salben, Cremes und Lotionen, die eine kurzfristige Juckreiz lindernde Wirkung haben, können auch Behandlungsmethoden wie die Lichttherapie eingesetzt werden.

Was können Betroffene tun?

Es besteht eine ausführliche Informationsmöglichkeit auf der Seite des Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus (KCP). Außerdem sollte frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Quelle: Patient und Haut 2/2014

15.04.15

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