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Vor- und Nachteile einer Brustrekonstuktion

Leider ist es bei einer Brustkrebsoperation nicht immer möglich, die Brust einschließlich der Brustwarze zu erhalten. Doch so sehr unter der gestörten Optik das Selbstwertgefühl vieler Frauen leidet, so erstaunlich ist wiederum, dass sich nur maximal fünf Prozent der Betroffenen zu einem Brustaufbau entschließen: Unwissenheit und Ängste sind dafür verantwortlich. Und häufig auch die Überforderung sich zu entscheiden: Denn die Zahl der Möglichkeiten ist groß und jede Methode besitzt ihre Vor- und Nachteile.

Die Entscheidung ist schwierig, sollte jedoch möglichst frühzeitig getroffen werden, da bereits während der ersten Operation vorbereitende Schritte für den späteren Wiederaufbau der Brust vorgenommen werden können. Grundlegende Voraussetzung für eine plastische Operation sind geeignete anatomische Ausgangsverhältnisse, die jedoch in mehr als zwei Dritteln aller Fälle angenommen werden, sodass vor allem die Wünsche und Vorstellungen der Patientin bei der Wahl der Methode im Vordergrund stehen.

Der plastisch-operative Wiederaufbau der Brust ist sowohl mit fremdem also auch mit körpereigenem Material möglich. Zur Rekonstruktion mit Fremdmaterial ist es häufig schon bei Entfernung der Brust möglich, einen Expander als Platzhalter einzusetzen. Dabei wird ein Kissen unter den Brustmuskel geschoben, das über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg über ein Ventil mit Flüssigkeit befüllt wird. Etwa nach sechs Monaten hat sich das Gewebe über dem Kissen so weit gedehnt, dass in einer zweiten Operation die eigentliche Prothese platziert werden kann. In aller Regel bestehen die Prothesen aus einer Silikonhülle, die mit Silikon oder einer kochsalzhaltigen Flüssigkeit gefüllt ist.

Die kosmetischen Ergebnisse werden nach der Operation überwiegend als positiv beurteilt, es kann jedoch möglicherweise später ein Fremdkörpergefühl auftreten. Nicht auszuschließen ist – vor allem bei Frauen, die eine Strahlentherapie erhalten haben – die Entstehung einer sog. Kapselfibrose, bei der der Körper den Fremdkörper mit Bindegwebe umschließt, was unter Umständen einen chirurgischen Eingriff bis hin zum Implantatwechsel nötig machen kann. Das Risiko der Kapselfibrose ist jedoch bei modernen Silikonhüllen mit rauher Oberfläche stark reduziert.

Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für oder gegen ein körperfremdes Implantat dürfte sein, dass die Haltbarkeit nicht unbegrenzt ist und das Implantat möglicherweise irgendwann ausgetauscht werden muss. Unabhängig davon sollte die Silikonhülle jedes Jahr mittels Ultraschall oder Kernspintomografie untersucht werden, da sich im Laufe der Zeit Undichtigkeiten entwickeln können, sei es durch altersbedingte Materialermüdung oder traumatische Einwirkungen wie Unfall, Sturz usw. In diesen Fällen ist eine sofortige Überprüfung angeraten.

Eine Alternative zum sog. heterologen Aufbau ist der Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe. Dabei werden Haut und Muskelgewebe anderer Körperregionen wie Rücken, Oberbauch oder Gesäß in die Brustregion verschoben oder verpflanzt. Überwiegend werden die beiden Lappentechniken des sog. transversalen rectus abdominis Muskel-Lappen (TRAM-Lappen) und des Latissimus-dorsi-Lappens angewendet, bei denen die Gewebe in gestielter oder freier Verpflanzung in die Brust eingesetzt werden. Man vermeidet dabei die Fremdkörperproblematik mit ihren psychischen und physischen Auswirkungen, nimmt jedoch – mehrere – wesentlich aufwändigere Operationen in Kauf. Damit dies überhaupt möglich ist, muss sich die betroffene Frau in einem gesundheitlich stabilen Allgemeinzustand befinden. Im Nachgang der Operationen bleiben z. T. größere Narben bestehen und Bewegungseinschränkungen können auftreten. Außerdem setzt die Methode voraus, dass ausreichend Gewebe zur Rekonstruktion vorhanden ist.

Eine relativ neue Möglichkeit der sog. autologen (körpereigenen) Rekonstruktion ist das Mammasplitting. Dabei wird die fehlende Brust mit Gewebe der noch verbliebenen (kontralateralen) Brust aufgebaut. Dieser Transfer ist in nur einer einzigen Operation möglich.

Völlig unabhängig von der gewählten Methode liegen die Vorteile eines plastischen Wiederaufbaus der Brust vor allem darin, dass eine Prothese der üblichen Art (z. B. als Büstenhaltereinlage) überflüssig wird. Die betroffenen Frauen gewinnen damit im Alltag, beim Sport und im Umgang mit dem Partner ein höheres Maß an Sicherheit. Allein die Möglichkeit, wieder ausgeschnittene Kleider tragen zu können, trägt viel zu einem positiveren Körpergefühl und dem subjektiven Empfinden von Weiblichkeit und Attraktivität bei.

Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass es für das Gelingen eines plastischen Eingriffs keine Erfolgsgarantie gibt, zumal der ästhetische Anspruch eines Chirurgen von dem der Patientin stark abweichen kann bzw. nicht alle Patientinnenwünsche umsetzbar sind. So muss jeder für sich nach ausführlichen Beratungsgesprächen die unter optimalen Bedingungen erzielbaren Ergebnisse gegenüber den Risiken sorgfältig abwägen.

So lassen Sie sich optimal beraten:

  • Lassen Sie sich bereits vor der Operation zur Brustentfernung von Ihrem Arzt über die verschiedenen Möglichkeiten der Brustrekonstruktion aufklären
  • Lassen Sie sich Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden erläutern
  • Fragen Sie, wann der beste Zeitpunkt für einen Brustaufbau ist und wie Sie die Zeit bis dahin kosmetisch überbrücken können
  • Fragen Sie nach der Anzahl der notwendigen Operationen
  • Fragen Sie nach Risiken und möglichen Komplikationen
  • Nehmen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen auf und setzen Sie sich mit den Erfahrungen der anderen Frauen auseinander

Quelle: Leben? Leben! 3/2010

08.06.17

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