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Weaning-Zentrum: Hilfe bei der Entwöhnung

Menschen, die maschinell beatmet wurden, müssen das selbstständige Atmen erst wieder lernen. Spezielle Abteilungen im Krankenhaus, die Weaning-Zentren, helfen den Patienten dabei.

Der Begriff „Weaning“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „Entwöhnung, Abstillen“. Gemeint ist die Entwöhnung eines maschinell beatmeten Patienten von dem Beatmungsgerät. Eingesetzt wird die Beatmungstherapie bei einer akuten, vorübergehenden Ateminsuffizienz beispielsweise nach einer Operation oder bei einer akut lebensbedrohlichen Situation. Während der Betroffene beatmet wird, behandeln die Ärzte den Auslöser der Atmungsinsuffizienz. Normalerweise beträgt die anschließende Entwöhnung etwa die Hälfte der Gesamtbeatmungszeit – und länger z. B. bei prolongiertem Weaning. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt möglichst früh zu erkennen und die Entwöhnung zu beginnen. Denn je länger Patienten beatmet werden, desto schwieriger wird das Weaning. Meistens verläuft die Entwöhnung ohne Probleme. Laut Mitteldeutscher Gesellschaft für Pneumologie und Thoraxchirurgie ist jedoch bei etwa 15 % der Patienten eine stabile Entwöhnung zunächst nicht möglich, sodass diese weiter beatmet werden müssen, obwohl der Auslöser der Atmungsinsuffizienz erfolgreich behandelt wurde. Die häufigsten Ursachen dafür sind neben Herzinsuffizienz und Blutarmut auch Vorerkrankungen der Lunge (COPD), Mangelernährung oder starkes Übergewicht.

Was versteht man unter „einfachem, schwierigem und prolongiertem Weaning“?

Nach einer maschinellen Beatmung kann das Gerät nicht einfach abgeschaltet werden. Grund hierfür ist, dass Zwischenrippenmuskeln und Zwerchfell zu schwach sind, um das Atmen zu ermöglichen. Manchmal kommt auch noch eine gestörte Atemsteuerung hinzu. Ist der Körper dann noch von einer chronischen Krankheit wie beispielsweise COPD geschwächt, überfordert ihn das selbstständige Atmen.

Grundsätzlich werden drei Weaning-Patienten unterschieden:

  • Einfaches Weaning: Betroffene können beim ersten Versuch problemlos entwöhnt werden.
  • Schwieriges Weaning: Entwöhnung erfolgt nach ein bis drei erfolglosen Spontanatmungsversuchen oder nach bis zu sieben Tagen.
  • Prolongiertes Weaning: Entwöhnung ist erst nach drei erfolglosen Spontanatmungsversuchen oder – wenn die Beatmung länger als sieben Tage angedauert hat – erst nach dem ersten erfolglosen Spontanatmungsversuch erfolgreich.

Behandlung

Bei einem schwierigen bzw. prolongierten Weaning zielen die Behandlungsmaßnahmen darauf ab, die erschöpfte Atemmuskulatur zu entlasten. Durch eine individuell angepasste und kontrollierte Beatmung soll sich diese erholen. Bei prolongiertem Weaning erfolgt eine strukturiertere Entwöhnung, bei der sich Spontanatmungsverfahren mit Phasen kontrollierter Beatmung (zur Entlastung der Atemmuskulatur) abwechseln. Die zeitliche Abfolge wird jeden Tag an die aktuelle Situation des Patienten angepasst, wobei die Zeit, in der der Betroffene spontan atmet, langsam verlängert wird. So lernt der Patient, Schritt für Schritt wieder selbstständig zu atmen. Damit das Weaning erfolgreich ist, müssen Hindernisse, die der Entwöhnung entgegenstehen, beseitigt und die Gabe von Beruhigungsmittel verringert oder gestoppt werden. Leiden die Betroffenen unter einer Lungenerkrankung, ist häufig eine Sauerstoffversorgung oder eine intermittierende nicht-invasive Beatmung notwendig. Nur selten müssen die Betroffenen weiter invasiv beatmet werden.

Wie erkannt man, ob das Weaning erfolgreich ist?

Bereits während der Beatmungstherapie können Ärzte häufig anhand des Körperbaus des Patienten, bestehenden Vorerkrankungen (chronische Lungen- oder Herzerkrankungen), dem Röntgenbild, den Messwerten am Beatmungsgerät sowie den Sauerstoff- und Kohlendioxid-Werten im Blut abschätzen, ob die Entwöhnung schwierig wird oder nicht. Ob das Weaning erfolgreich ist, sehen die Mediziner an der Atemfrequenz und dem Atemzugvolumen während eines Spontanatemversuchs.

WeanNet

Normalerweise ist es auf „normalen“ Intensivstationen nicht möglich, einen Menschen mit schwierigem oder prolongiertem Weaning ausreichend zu behandeln. Intensivstationen, die auf die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung spezialisiert sind, haben andere Strukturen, Fachkenntnis und Organisationsabläufe. 2009 hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Lungenforschung das „WeanNet – Kompetenznetzwerk pneumologischer Weaningzentren“ gegründet. Seit 2010 wurden etwa 40 Weaning-Zentren zertifiziert und sind damit als Kompetenzzentrum anerkannt. Durch die Zertifizierung sollen gemeinsame Ziele, Standards und Qualitätskriterien etabliert werden. Eine Übersicht der zertifizierten Zentren befindet sich auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin unter „zertifizierte Zentren“).

Quelle: COPD und Asthma 4/2016

01.03.17

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