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Wenn die MS das Sehen beeinträchtigt

Sehstörungen zählen zu den häufigsten Erstsymptomen der MS und den zehn häufigsten Beschwerden dem deutschen MS-Register zufolge. Hauptursachen sind eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis oder optische Neuritis genannt) oder andere Hirnnerven betreffende Entzündungen, die zu Störungen der Augenbewegung (okulomotorische Störungen) führen. In den meisten Fällen bilden sich die Sehstörungen nach Abklingen eines MS-Schubs wieder zurück.

Nicht alle Betroffenen bringen ihre Beschwerden sofort mit den Augen in Verbindung. In manchen Fällen nehmen sie sie stattdessen als Schwindelgefühl oder Kopfschmerzen wahr, die sich auf die Augen auswirken, sie z. B. müde machen.

Symptome der Optikusneuritis

Der Sehnerv, der bei einer Optikusneuritis von einer Entzündung betroffen ist, ist Teil der Sehbahn, die das Auge mit dem Gehirn verbindet. Er leitet die optischen Signale der Außenwelt weiter; das Gehirn setzt sie dann zu einem Bild zusammen. Schädigungen des Sehnervs, auch vorübergehender Art, behindern die Sehfähigkeit. Stirbt der Sehnerv ab, z. B. aufgrund eines dauerhaft erhöhten Augeninnendrucks wie beim Grünen Star (Glaukom), kann das betroffene Auge erblinden. Bei einer durch MS bedingten Optikusneuritis ist ein Erblinden allerdings selten.

Da eine Sehnerventzündung häufig das erste Symptom einer MS ist, ordnen Ärzte bei ihrem erstmaligen Auftreten i. d. R. weiterführende Untersuchungen an, die klären sollen, ob im Zentralnervensystem MS-Herde zu finden sind. Doch unabhängig davon, ob die Optikusneuritis zu Beginn der MS oder später oder gar unabhängig von der MS auftritt, sie äußert sich meist mit ähnlichen Symptomen. Dazu gehören in erster Linie das Gefühl, alles nur noch verschwommen zu sehen, aber auch Schmerzen bei Bewegungen des Auges. Manche Betroffenen haben das Gefühl, durch Nebel zu schauen, andere haben Probleme mit Farben. Vor allem die Farbe rot wird oft nur noch entsättigt, also weniger leuchtend und kräftig, wahrgenommen. Auch ein heller oder dunkler Fleck im Bereich des Gesichtsfelds wird manchmal als Symptom genannt, genauso ein Druckschmerz, wenn man durch das Lid ein wenig auf den Augapfel drückt.

Oft verschlimmern sich die Beschwerden bei Wärme und körperlicher Aktivität, was auf das sog. Uhthoff-Phänomen zurückzuführen ist. Selten kommt es, vor allem bei schweren MS-Schüben, zu einer meist vorübergehenden Erblindung. Meistens kehrt die Sehfähigkeit nach einiger Zeit zurück, genau, wie sich die Symptome der Optikusneuritis i. d. R. nach wenigen Tagen, manchmal aber auch erst nach einigen Wochen oder Monaten zurückbilden. Langzeitschäden sind selten. Im Großteil der Fälle beschränkt sich die Optikusneuritis auf ein Auge.

Symptome bei Störungen der Augenbewegungen

Durch entzündliche Prozesse im Gehirn bedingte Störungen der Augenbewegungen können ebenfalls Sehstörungen hervorrufen. So führen Muskellähmungen im Bereich der Augen während eines MS-Schubs oft zum Sehen von Doppelbildern. Die Augenbewegungen sind nicht mehr aufeinander abgestimmt. Deckt der Betroffene jedoch ein Auge ab, kann er i. d. R. normal sehen. Zu den weiteren Symptomen zählen anhaltendes Augenzittern, die unkontrollierbare, ständige Bewegung eines oder beider Augen (Nystagmus), und manchmal auch Blicklähmungen. All diese Beschwerden bilden sich meistens wieder zurück.

Rasch zum Arzt

Bei Sehstörungen, egal, welcher Art, heißt es: So rasch wie möglich zum Arzt, um die Ursache abzuklären. Sollte Ihnen der Augenarzt nicht sofort einen Termin geben, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, damit dieser dem Augenarzt die Dringlichkeit einer raschen Untersuchung verdeutlicht. I. d. R. klappt es dann schneller mit einem Termin. Ist der Augenarzt sich nicht sicher, ob eine MS vorliegt, wird er den Patienten an einen Neurologen überweisen. Bei bereits diagnostizierter MS ist ein Besuch beim Neurologen sinnvoll, um abzuklären, ob die Sehstörungen Symptom eines akuten Schubes sind.

Die Behandlung hat bei einer Optikusneuritis in erster Linie die Verbesserung des Sehvermögens und bei Augenbewegungsstörungen die Verringerung des Doppelbildsehens und möglicher anderer Beschwerden zum Ziel. Sie besteht beim akuten MS-Schub aus Infusionen mit hoch dosierten Kortison. Damit werden zugleich die anderen mit dem Schub einhergehenden Beschwerden behandelt. Falls die Kortison-Stoßtherapie keine Wirkung zeigt oder die Gefahr besteht, dass die Sehstörungen dauerhaft anhalten, wird u. U. eine Plasmapherese, auch Blutwäsche genannt, durchgeführt. Betroffene sollten auf alle Fälle erneut zum Arzt gehen, wenn sich das Sehvermögen bzw. die Sehstörung nicht innerhalb von 14 Tagen nach Beginn der Kortisonbehandlung erheblich gebessert hat.

Falls bereits eine immunprophylaktische Therapie der MS erfolgt, muss diese eventuell den veränderten Gegebenheiten angepasst werden. Entdecken die Ärzte beim erstmaligen Auftreten der Optikusneuritis MS-Herde im Zentralnervensystem, sollten Betroffene ebenfalls über eine immunprophylaktische Therapie nachdenken, unabhängig davon, ob die MS sich bereits mit weiteren Beschwerden bemerkbar macht oder nicht. Denn eine frühzeitige Therapie, so die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, kann den Verlauf der MS positiv beeinflussen.

Zeigt die Kortison-Stoßtherapie bei Augenbewegungsstörungen keinen Erfolg, gibt es weitere Medikamente, die zur Behandlung eingesetzt werden können. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) nennt als mögliche Wirkstoffe zur Therapie Gabapentin, Memantine und Baclofen. Treten Sehstörungen immer nur dann auf, wenn der Körper erwärmt ist (z. B. bei hohen Außentemperaturen oder beim Sport), kann auch das Uhthoff-Phänomen der Auslöser für die Beschwerden sein. In diesem Fall können Maßnahmen helfen, die den Körper abkühlen, z. B. das Tragen einer Kühlweste, der vermehrte Aufenthalt im Schatten oder in klimatisierten Räumen bzw. das Vermeiden von Anstrengungen, die zu starkem Schwitzen führen.

Vorsicht bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen sollten Sehstörungen, wie sie für eine Optikusneuritis typisch sind, besondere Beachtung finden, genauso wie der Nystagmus und die Entzündung der Regenbogenhaut des Auges (Uveitis). Das jedenfalls empfiehlt die Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft (DOG). In einer Studie der Göttinger Universitätsaugenklinik stellte sich heraus, dass fast jeder zweite an MS erkrankte Jugendliche bereits wegen Sehstörungen in Behandlung war. Eltern, die mit ihrem Kind wegen solcher Sehstörungen zum Arzt gehen, sollten daher darauf drängen, dass der Augenarzt das Kind/den Jugendlichen an einen Neurologen überweist, um sicherzustellen, dass die Sehstörungen nicht durch eine MS bedingt sind.

Quelle: Befund MS 03/2013

05.02.14

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