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Windeldermatitis bei Säuglingen

Einen „wunden Po“ macht nahezu jeder Säugling und/oder jedes Kleinkind mal durch. Meist lässt sich diese Entzündung nach dem Abstillen und der Nahrungsumstellung beobachten. Dabei fördern das feucht-warme Klima unter der Windel, der Hautkontakt mit Stuhl und Urin sowie die mechanische Reizung durch die Windel die Entzündung. Dieses sind die besten Voraussetzungen für Infektionen mit Hefepilzen (Candida al-bicans) und Bakterien (Staphylococcus aureus).

Verbreitung, Vorkommen, Schwere

Die Windeldermatitis ist eine sehr häufige Hauterkrankung des älteren Säuglings (Säuglingszeit umfasst die ersten zwölf Lebensmonate) und des Kleinkindes. Meist tritt sie für eine kurze Zeit auf, nur in seltenen Fällen besteht sie die ganze „Windelphase“ über. Zu wichtigen Triggerfaktoren zählen u. a. Durchfall, Medikamente und ein seltener Windelwechsel. Ärztliche Hilfe ist nur selten erforderlich.

Ursache einer Windeldermatitis

Der Stuhl enthält Enzyme (Substanzen, die für den Ablauf notwendiger Reaktionen im Körper erforderlich sind), die jedoch die Haut reizen können. Die Aktivität dieser Enzyme kann bei beschleunigtem Stuhltransport durch den Darm, wie er bei Durchfall gegeben ist, gesteigert werden. Hinzu kommt das Milieu unter der Windel, das die Haut für Reize anfälliger macht, sowie die Abdichtung durch die Windel, die den Kontakt der Haut mit Stuhl und Urin verstärkt. Die Wirkung der Enzyme erklärt auch einen Anstieg des pH-Wertes (gibt an, ob eine Lösung sauer oder alkalisch ist. Niedrige Werte: sauer, hohe Werte (ab 7,5): alkalisch.) Dieser Anstieg ist mit einer deutlichen Schwächung des angeborenen Immunsystems in der Haut verbunden. Das erleichtert das Angehen von Infektionen.

Aussehen

Die typischen Veränderungen der Windeldermatitis beinhalten Rötung, Knötchenbildung und Zeichen der „aufgeweichten“ Haut, wie sie auch bei längerem Kontakt mit Wasser zu beobachten sind (Schrumpelhaut nach einem langen Bad). Schwere Formen gehen darüber hinaus mit der Ausbildung von Eiterbläschen, Nässen und „offenen Stellen“ einher, die dem Kind starke Schmerzen bereiten können und mit bakteriellen- und/oder Pilzinfektionen einhergehen.

Welche anderen Erkrankungen können sich hinter dem Bild einer „Windeldermatitis“ verbergen

Bei der Diagnosestellung der Windeldermatitis stehen die Erhebung der Vorgeschichte, der Hautbefund sowie die typische Lokalisation im Vordergrund. Zusätzliche Infektionen werden durch Hautabstriche für die Untersuchung auf Pilze und Bakterien bestätigt. Auch kann sich hinter einer „Windeldermatitis“ ein allergisches Kontaktekzem oder eine Schuppenflechte verbergen. In unklaren Fällen, besonders wenn das Kind in seinem Allgemeinbefinden beeinträchtigt ist, sind weitere diagnostische Maßnahmen einschließlich einer Hautbiopsie ratsam. Das ist notwendig, weil sich auch lebensbedrohliche Erkrankungen im Windelbereich zeigen können, zum Glück ist dieses selten der Fall.

Behandlung und prophylaktische Maßnahmen bei einer Windeldermatitis

Einfach und praktikabel sind die Empfehlungen zur Behandlung und Prophylaxe der Windeldermatitis, die Boiko 1999 formulierte (A, B, C, D, E-Regel):

A = Air (Luft). Der Windelbereich sollte so oft wie möglich „belüftet“ werden. Ab und zu kurzzeitige Pausen von der Windel sind für die Heilung wichtig. Außerdem: Je häufiger die Windel gewechselt wird, desto weniger Kontaktzeit verbleibt zwischen Reizstoffen (Stuhl, Urin) und der Haut.

B = Barrier (Hautbarriere). Die Störung der Hautbarriere, die durch Hornzellen und dazwischenliegende Fette gebildet wird, muss durch abdeckende fetthaltige Cremes und Salben behoben werden. Zusätze wie z. B. Dexpanthenol oder Zink haben sich bewährt.

C = Cleaning (Reinigung). Wasser und die Verwendung von milden Reinigungsmitteln und/oder Ölen (z. B. Oliven- oder Mandelöl) reichen i. d. R. aus, um Urin, Stuhl sowie Salbenreste zu entfernen. Öle und ölhaltige Einmaltücher haben sich u. a. auf Reisen bewährt. Feuchte Umschläge oder Sitzbäder mit Gerbstoffen (sind auch im Tee: Tee im heißen Wasser fünf Minuten ziehen und abkühlen lassen) können bei nässender Windeldermatitis angewendet werden. Reizende alkoholhaltige sowie auch allergene Substanzen (besonders auch in Naturstoffen enthalten) sollten vermieden werden.

D = Diapers (Windeln). Einmalwindeln mit absorbierenden Gelen können den schädigenden Kontakt mit Urin verkürzen und die „Überwässerung“ deutlich mindern. Die Empfehlung „A“ gilt jedoch weiter.

E = Education (Aufklärung). Die Aufklärung steigert die Motivation, die empfohlenen Maßnahmen auch wirklich durchzuführen. Wissen schafft Macht, die Erfolgschancen sind wesentlich höher!

Einsatz von Medikamenten

Lässt sich eine Windeldermatitis durch die üblichen Maßnahmen nicht in den Griff bekommen und sind Infektionen und andere Erkrankungen, die ebenfalls im Windelbereich auftreten können, ausgeschlossen, können für wenige Tage schwache Kortisoncremes (bis zu sieben Tage, einmal tägliche Applikation) angewendet werden. Die entzündliche Komponente der Windeldermatitis erfährt dadurch i. d. R. eine rasche Besserung. Nebenwirkungen aufgrund der erhöhten Resorption sind mehrfach in der Literatur berichtet, sodass wenn möglich darauf verzichtet wird oder die Therapie auf wenige Tage begrenzt wird.

Im Falle einer Pilzinfektion sind unterschiedliche Cremes, Salben und Pasten auf dem Markt, die sich bewährt haben. Lediglich in extremen Fällen ist die Gabe von Antipilzmitteln in Tablettenform notwendig.

Prof. Dr. Regina Fölster-Holst

Quelle: Patient und Haut 1/2014

04.06.14

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