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Möglichkeiten zur Wundversorgung bei Diabetikern

Je länger Betroffene an Diabetes leiden, desto öfter entstehen Wunden und Geschwüre, die schlecht heilen. Eine entsprechende Wundversorgung ist deswegen für Diabetiker besonders wichtig.

Sei es ein drückender Schuh, Infektionen oder kleinere Wunden, die übersehen werden: Aufgrund von Durchblutungsstörungen, Ödemen oder Polyneuropathie bemerken Diabetiker oft spät, das Wunden entstanden sind. Zusätzlich kommt es bei Diabetikern leicht zu Wunden, vor allem im Knöchelbereich, an der vorderen Schienbeinkante oder direkt am Fuß, erklärt Dr. Renate Moser vom Verein Aktive Diabetiker Austria . Leider verheilen Wunden bei Diabetikern aufgrund der ungenügenden Durchblutung oft nur sehr schlecht. Es könne zu Infektionen, Schmerzen und auch zu Schwellungen im Wundbereich kommen.

Zusatznahrung kann helfen

Der Körper versucht, laut Dr. Moser, die Wunde zu heilen, wird dabei aber immer wieder unterbrochen, weil die Durchblutung nicht optimal funktioniert oder auch, weil eine Infektion den Heilungsprozess behindert. Dennoch würde der Organismus immer wieder versuchen, die Wunde zu schließen und dazu Proteine und Aminosäuren produzieren, die für die Heilung notwendig sind. Da es bei Diabetikern aber wochenlang zu keiner Wundheilung kommen kann, entstehe u. U. ein Mangel an Aminosäuren und Vitaminen. Diese könnten durch die Nahrung meistens nicht ausreichend wieder zugeführt werden. Dieser erhöhte Nährstoffbedarf müsse aber zu einer erfolgreichen Wundheilung ausgeglichen werden. Daher empfiehlt Dr. Moser, auf spezielle Zusatznahrung zu setzen. Zusätzlich müsse auf eine intakte Durchblutung, gesundes Gewebe rund um die Wunde sowie darauf, dass es keine Schwellungen oder Infektionen gibt, geachtet werden.

Honig als Wundheiler

Immer beliebter zur Wundbehandlung wird laut Wundmanager Peter Kurz Honig. Auf der Internetseite des Vereins Aktive Diabetiker Austria erklärt er, dass dieser schon seit tausenden von Jahren für seine unterstützende Wirkung von chronischen Wunden bekannt ist. Bereits die alten Ägypter hätten die antibakterielle Kraft des Honigs genutzt, ebenso wie die Chinesen und Griechen. Durch die Entwicklung des Penicillins sei der Honig als Heilmittel aber in den Hintergrund getreten. Medizinischer Honig sei gegen eine Vielzahl von Pilzen sowie Bakterien wirksam. Einerseits würde Honig das Bakterienwachstum verhindern, andererseits hält er ein ausgewogenes feuchtes Wundmilieu aufrecht. Allerdings sei Honig nicht gleich Honig. Bei der Wundbehandlung werde nur Honig eingesetzt, der eine ausreichend antibakterielle Aktivität besitzt, sog. medizinischer Honig. Dieser wird sterilisiert und durch sehr feine Filter gepresst, um alle Pollen zu entfernen. Daher kommt es in der Regel nicht zu Allergien. Im Lebensmittelhandel gekaufter Honig eignet sich also nicht zur Wundbehandlung.

Blutzucker bei Anwendung kontrollieren

Laut Kurz regt Honig den Wundheilungsprozess an, unterdrückt die Entzündungsreaktion und hat eine geruchsneutralisierende und immunmodulierende Wirkung. Diabetiker sollten allerdings darauf achten, ihren Blutzucker regelmäßig zu kontrollieren, wenn medizinischer Honig großflächig angewandt wird. Es könnte in Einzelfällen dazu kommen, dass das Auftragen als schmerzhaft empfunden wird.

Die richtige Wunderversorgung zu Hause

  • Hausapotheke: Eine gut sortiere Hausapotheke sollte alle Utensilien beinhalten, die zur Erstversorgung einer Wunde nötig sind. Dazu gehören Einmalhandschuhe, Wunddesinfektionslösung, Wundschnellverband, Gelpflaster, Klammerpflaster, Brand-/Wundgel, sterile Kompressen, Mullbinden und Heftpflaster. Verabschieden sollte man sich von nicht richtig klebenden Pflastern sowie von sterilen Wundauflagen, die bereits abgelaufen sind.
  • Blutung: Die Blutung muss bei Bagatellverletzungen nicht sofort gestoppt werden. Meistens versiegt sie von selbst binnen weniger Minuten.
  • Reinigen und Desinfizieren: Die Wunde sollte nicht berührt werden. Zum Schutz vor Infektionen sollten Einmalhandschuhe getragen werden. Aufgetragen werden sollte das Wunddesinfektionsmittel nachdem die Blutung versiegt ist. Besonders gut eignen sich Desinfektionsmittel zum Aufsprühen, da sie auch eine Reinigung der Wunde ermöglichen. Dazu verwendet man am besten eine sterile Kompresse. Falls keine Desinfektionslösung vorhanden ist, sollte man die Wunde mit sauberem Wasser abspülen.
  • Abdecken: Zum Schutz der Wunde können für kleinere Verletzungen und Hautrisse Pflaster oder andere schützende Hilfsmittel verwendet werden. Bei größeren Wunden sollte man Kompressen verwenden, die mit einer elastischen Mullbinde fixiert werden können. Den Verband wechseln sollte man nach ein bis zwei Tagen.
  • Tetanus: Selbst durch kleine Wunden können Tetanusbakterien in die Haut gelangen. Daher sollte der Tetanusschutz sichergestellt sein. Falls der letzte Impftermin länger als zehn Jahre zurück liegt, sollte er zügig nachgeholt werden.
  • Arztbesuch: U. U. kann es selbst bei kleineren Verletzungen zu Komplikationen wie Schwellungen oder Schmerzen kommen. Dann sollte sofort ein Arzt konsultiert werden. Wenn die Wunde heiß und gerötet ist oder Eiter austritt, ist das ein Zeichen für eine Infektion durch Bakterien und daraus kann unbehandelt eine Blutvergiftung entstehen. Auch wenn sich die betroffenen Körperstellen taub anfühlen oder kaum bewegt werden können, ist ein Arztbesuch unumgänglich.
  • Große Wunden und Verletzungen durch Tiere: Große, tiefe oder stark blutenden Wunden sollen ebenso wenig zu Hause behandelt werden wie Wunden, die stark verschmutzt sind. Auch größere Verbrennungen müssen von einem Arzt behandelt werden. Das gilt auch für Verletzungen, die durch Tierbisse verursacht worden sind. In solchen Fällen sollten selbst kleinere Wunden professionell von einem Arzt gereinigt und versorgt werden. Denn die Krankheitserreger aus dem Speichel können zu Infektionen führen.

Jeder Wunde die richtige Pflege

  • Brandwunden: Bei diesen Wunden ist schnelles Handeln angesagt. Sie sollten sofort gekühlt werden, am besten, indem sie zehn bis 15 Minuten unter fließendes, kaltes Wasser gehalten werden. Allerdings sollte das Wasser nicht eiskalt sein. Danach sollte eine Brandsalbe aufgetragen werden, die die Schmerzen lindert und Infektionen vorbeugt. Bei kleineren Brandwunden kann auf einen Verband verzichtet werden. Hausmittel wie Mehl, Butter oder Eisbeutel sind nicht geeignet.
  • Schürfwunden: Weil hier nur die oberste Hautschicht verletzt ist, heilen sie schnell, sind aber oft schmerzhaft. Zum Abdecken sind Gelpflaster hilfreich, da das Gel die Wunde feucht hält und gleichzeitig das Wundsekret aufnimmt. Dadurch kann die Wunde i. d. R. gut heilen. Bei der feuchten Wundversorgung, z. B. durch hydroaktive Verbände oder Pflaster, sollen die natürlichen Wundheilungsprozesse unterstützt und beschleunigt werden. Auch Cremes mit Hyaluronsäure können die Wundheilung fördern. Bei größeren und stark verschmutzten Schürfwunden sollte man eine Kompresse zum Abdecken benutzen und einen Arzt aufsuchen.
  • Schnittwunden: Schnittwunden haben meistens glatte Wundränder. Diese können mit einem Schnellverband (Pflaster) so fixiert werden, dass sie eng aneinander liegen. Auch Klammerpflaster eignen sich, weil sie nicht dehnbar sind und die Wundränder besonders gut zusammenhalten.
  • Platzwunden: Diese entstehen oft dort, wo unter der Haut ein Knochen liegt, und haben unregelmäßige Wundränder. Am Kopf können diese Wunden z. T. auch stark bluten. Bei größeren Platzwunden sollte eine sterile Kompresse oder ein sauberes Tuch aufgelegt und ein Arzt konsultiert werden.
  • Fremdkörper: Wenn Holzsplitter, Dornen oder auch Glasschreiben nicht zu tief in der Haut stecken, können sie mit einer Pinzette entfernt werden. Diese sollte vorher desinfiziert werden. Ist der Fremdkörper allerdings tief eingedrungen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, denn bei einem Selbstversuch riskiert man, dass Teile abbrechen und im Gewebe stecken bleiben oder sich die Wunde infiziert.
  • Blasen: Verletzungen an den Füßen, wie etwa Blasen, sind bei Diabetikern besonders zu beachten. Daher sollte man auch bei Blasen an den Füßen sofort zum Arzt gehen. Fußwunden heilen bei Diabetikern meist schlechter und infizieren sich leichter. Deswegen müssen sie fachgerecht versorgt werden.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/2014

15.04.15

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