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Wunsch- und Wahlrecht für Patienten bei der Rehabilitation

Auch für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen kann eine Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll sein, wenn die Erkrankung trotz Betreuung durch den behandelnden Arzt das alltägliche bzw. das berufliche oder private Leben behindert. Betroffene sollten eine Rehabilitation in Betracht ziehen, wenn

  • sie im Akutkrankenhaus wegen der Atemwegserkrankung behandelt worden sind
  • die Beschwerden wie Atemnot, Husten, Auswurf anhalten
  • psychische Beschwerden wie Depressionen, Ängste oder sozialer Rückzug auftreten
  • die Erwerbsfähigkeit eingeschränkt oder gefährdet ist
  • Schwierigkeiten in der Schule oder im Studium aufgrund der Erkrankung bestehen
  • eine Pflege- oder Hilfsbedürftigkeit droht
  • typische Therapieverfahren einer Rehabilitation wie Patientenschulung, Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, Tabakentwöhnung notwendig werden und diese ambulant nicht im erforderlichen Ausmaß erfolgen können.

Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen können alle vier Jahre eine Rehabilitation durchführen. Bei Interesse sollten sich die Betroffenen an ihren behandelnden Arzt wenden. Dieser wird Empfehlungen aussprechen. Nach §§ 14 und 15 des ersten Sozialgesetzbuches beraten auch die gesetzlichen Krankenkassen und die Deutsche Rentenversicherung Interessierte hierzu und erteilen Auskunft.

Wunschklinik aussuchen

Die pneumologische Rehabilitation muss nicht in irgendeiner Klinik erfolgen. Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen haben nämlich bei der Auswahl der Einrichtung ein Wunsch- und Wahlrecht. Mit anderen Worten: Der Betroffene darf eine Einrichtung vorschlagen. Geregelt ist dies im § 9 des neunten Sozialgesetzbuches. Rücksicht wird auf die persönliche Lebenssituation, Alter, Geschlecht, Familie sowie auf religiöse und weltanschauliche Bedürfnisse genommen.

See, Meer oder Wald gewünscht?

Für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen gilt daher, sich schon vor der Beantragung zu erkundigen, welche Kliniken ihre Erkrankung behandeln, wo diese liegen und wie der Service sowie die Ausstattung ist. Für Patienten mit Atemwegserkrankungen kann der Standort der Reha-Einrichtung von Bedeutung sein. So kann beispielsweise Schonklima mit Sonne und wenigen Allergenen sowie Schadstoffen den Behandlungserfolg unterstützen. Gesundheitsfördernd wirkt laut Arbeitskreis Gesundheit u. a. das Klima am Meer, an Seen sowie in Wäldern. Einige Kostenträger bewilligen allerdings weiter entfernte Reha-Kliniken bei einer Anschlussrehabilitation nicht, da zwischen Krankenhausaufenthalt und Anschlussrehabilitation nur wenig Zeit liegt. Aus diesem Grund sollten lange Transportwege vermieden werden. Betroffene sollten zudem darauf achten, dass die gewünschte Rehabilitationseinrichtung zertifiziert ist und keine medizinischen Gründe gegen die Einrichtungswahl sprechen.

Warum gerade diese Klinik?

Hat man sich seine Wunschklinik ausgesucht, muss die Wahl begründet werden. Das A und O ist der Rehabilitationserfolg. Dieser hängt auch von persönlichen Lebensumständen und eventuell von der Entfernung zu dem häuslichen und beruflichen Umfeld (größere Entfernung der Klinik zum Wohnort) ab. Der Erfolg der Rehabilitationsmaßnahme kann also davon abhängen, dass beispielsweise die Familie den Betroffenen regelmäßig besuchen kann oder dass Seeklima vorhanden ist. Der Arbeitskreis Gesundheit empfiehlt, den Klinikwunsch nicht allein, sondern mit ärztlicher Unterstützung zu begründen. Auch sollte der Arzt z. B. das spezielle Ernährungsangebot oder eine bestimmte Therapie, die von der Klinik angeboten wird, in seine Begründung miteinbeziehen.

Wer zahlt die Reha?

Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten. Für sozialversicherte Atemwegserkrankte kann die gesetzliche Krankenkasse oder die Deutsche Rentenversicherung zuständig sein. Aber auch Institutionen wie die Sozialhilfe oder die gesetzliche Unfallversicherung können als Leistungsträger infrage kommen. Abhängig ist dies von dem Ziel der pneumologischen Rehabilitationsmaßnahme sowie von den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen. Ist man sich unsicher, welcher Kostenträger zuständig ist, empfiehlt es sich, den Antrag bei der wahrscheinlich zuständigen Stelle einzureichen. Der Antrag wird dann innerhalb von zwei Wochen an den richtigen Träger weitergeleitet. Eine weitere Möglichkeit ist es, den Antrag an einer Reha-Servicestelle abzugeben. Betroffene sollten sich vor Antragsstellung mit ihrem behandelnden Arzt beraten.

Unterschied: Mehrkosten und Zuzahlung

Mehrkosten dürfen nicht mit Zuzahlungen verwechselt werden. Mehrkosten entstehen, wenn die vom Patienten vorgeschlagene Reha-Klinik im Vergleich zu der Einrichtung, die vom Kostenträger bevorzugt wird, teurer ist. Diese zusätzlichen Kosten muss der Patient selbst tragen.

Volljährige Patienten müssen bei fast allen Rehabilitationsleistungen etwas dazu zahlen. Die Deutsche Rentenversicherung verlangt i. d. R. zehn Euro pro Tag (abhängig vom Nettoeinkommen) für längstens 42 Tage bzw. 14 Tage (bei der Anschlussrehabilitation). Bereits im laufenden Jahr zugezahlte Tage werden berücksichtigt. Für eine ambulante pneumologische Rehabilitationsmaßnahme verlangt die Rentenversicherung keine Zuzahlungen, die Krankenversicherung i. d. R. schon. Sind die Krankenkassen die Träger einer stationären Rehabilitation, müssen Patienten zehn Euro pro Tag zuzahlen, bei einer Anschlussheilbehandlung für maximal 28 Tage im Jahr. Berücksichtigt wird dabei immer die sog. Belastungsgrenze, d. h. alle von dem Betroffenen geleisteten Zuzahlungen (z. B. Zuzahlung zur Rehabilitation, Arzneimittel, häusliche Krankenpflege) dürfen zusammen nicht die Belastungsgrenze überschreiten. Auskunft hierzu erteilen die Krankenkassen.

Quelle: COPD und Asthma 4/2016

08.02.17

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