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Das Wunsch- und Wahlrecht bei der Rehabilitation

Sowohl bei einer Anschlussrehabilitation (AHB), die sich an einen Krankenhausaufenthalt anschließt, als auch bei einer Maßnahme zur Rehabilitation, das ohne vorherigen Krankenhausaufenthalt beantragt werden kann, haben Betroffene ein Wunsch- und Wahlrecht. Allerdings sollten hierbei ein paar Dinge beachtet werden.

Eine Rehabilitationsmaßnahme bei chronischen Atemwegserkrankungen ist sinnvoll, wenn die Erkrankung trotz Betreuung durch den behandelnden Arzt die alltäglichen bzw. das berufliche oder private Leben behindert. Gründe, warum beispielsweise COPD- und Asthma-Betroffene mit oder ohne Emphysem eine Rehabilitation in Betracht ziehen sollten, können beispielsweise eine vorherige Behandlung im Akutkrankenhaus wegen der Atemwegserkrankung, anhaltende Krankheitszeichen wie Atemnot, Husten, Auswurf oder bei psychischen Folgen wie Depressionen, Ängste oder sozialer Rückzug sein.

Eine Rehabilitation kann aber auch sinnvoll sein, wenn die Erwerbsfähigkeit eingeschränkt oder gefährdet ist, wenn Schwierigkeiten in der Schule, im Studium oder aufgrund der Erkrankung bestehen, wenn eine Pflege- oder Hilfsbedürftigkeit droht oder wenn typische Therapieverfahren einer Rehabilitation wie Patientenschulung, Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, Tabakentwöhnung notwendig werden, da sie ambulant nicht im erforderlichen Ausmaß erfolgen können. Der behandelnde Arzt kann dabei beraten. Aber auch die gesetzliche Krankenkasse oder die Deutsche Rentenversicherung sind nach §§ 14 und 15 des ersten Sozialgesetzbuches verpflichtet, zu beraten und Auskunft zu erteilen.

Zuständiger Kostenträger

Für sozialversicherte Atemwegserkrankte kann die gesetzliche Krankenkasse oder die Deutsche Rentenversicherung der zuständige Kostenträger sein. Dies hängt von dem Ziel der pneumologischen Rehabilitationsmaßnahme sowie von den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen ab. Ob die Kosten der Rehabilitationsmaßnahme bei Privatversicherten übernommen wird, richtet sich nach dem Umfang des individuell abgeschlossenen Vertrages.

§ 9 des neunten Sozialgesetzbuches

Wird eine Rehabilitationsmaßnahme notwendig, hat der Betroffene das Recht, eine Einrichtung vorzuschlagen. Vorausgesetzt die Wunschklinik ist geeignet, darf der Kostenträger diese bei seiner Auswahlentscheidung nicht übergehen. Dies wird in § 9 des neunten Sozialgesetzbuches garantiert (Wunsch- und Wahlrecht). Dort heißt es, dass bei der Entscheidung über und Ausführung der Leistungen berechtigten Wünsche berücksichtigt werden. Rücksicht wird auch auf die persönliche Lebenssituation, Alter, Geschlecht, Familie sowie religiösen und weltanschaulichen Bedürfnissen genommen.

Mehrkosten und Zuzahlung

Sollte die vom Patienten vorgeschlagene Rehaklinik im Vergleich zu der vom Kostenträger bevorzugten Einrichtung teurer sein, d. h. sollte dem zuständigen Träger Mehrkosten entstehen, ist dieser nicht berechtigt, die Erstattung der zusätzlichen Kosten vom Patienten zu verlangen. Auch Gründe wie der, dass der Kostenträger normalerweise die Einrichtung belege oder dass er eine „Vertragsklinik“ habe, sind laut Arbeitskreis Gesundheit nicht zulässig. Denn es gilt das Sachleitungsprinzip, d. h., Betroffene haben einen Anspruch auf die Rehabilitationsleistung. Allerdings müssen volljährige Patienten bei fast allen Rehabilitationsleistungen etwas dazuzahlen. Ist die Deutsche Rentenversicherung der zuständige Kostenträger, sind dies i. d. R. zehn Euro pro Tag (abhängig vom Nettoeinkommen) für längstens 42 Tage bzw. 14 Tage (bei der Anschlussrehabilitation). Allerdings werden bereits in dem Jahr zugezahlte Tage berücksichtigt. Bei ambulanten pneumologischen Rehabilitationsmaßnahmen müssen Betroffene nichts bezahlen. Sind die Krankenkassen die Träger, müssen Patienten sich maximal 28 Tage im Jahr an den Kosten beteiligen. Berücksichtig wird auch die sog. Belastungsgrenze, die die geleisteten Zuzahlungen zu allen Leistungen (z. B. Zuzahlung zur Rehabilitation, Arzneimittel, häusliche Krankenpflege) nicht überschreiten darf. Weitere Auskunft hierzu erteilen die Krankenkassen.

Die Reha-Einrichtung

Für Patienten mit Atemwegserkrankungen kann der Standort der Reha-Einrichtung von Bedeutung sein. Denn gesundes Schonklima mit Sonne sowie wenigen Allergenen und Schadstoffen kann den Behandlungserfolg unterstützen. Gesundheitsfördernd soll laut Arbeitskreis Gesundheit u. a. das Klima am Meer, an Seen sowie in Wäldern wirken.

Der Arbeitskreis Gesundheit empfiehlt, den Klinikwunsch nicht allein, sondern mit ärztlicher Unterstützung zu begründen. Der Erfolg der Rehabilitationsmaßnahme muss davon abhängen, dass beispielsweise die Familie regelmäßig den Betroffenen besuchen kann oder dass Seeklima vorhanden ist. Auch sollte der Arzt z. B. das spezielle Ernährungsangebot oder eine bestimmte Therapie, die von der Klinik angeboten wird, in seine Begründung miteinbeziehen.

Voraussetzungen

Die Rehabilitationseinrichtung muss zertifiziert sein und es dürfen der Wahl keine medizinischen Gründe entgegenstehen. Wichtig für die Betroffenen ist der Rehabilitationserfolg. Hierfür sind auch persönliche Lebensumstände und eventuell Abstand vom häuslichen und beruflichen Umfeld (größere Entfernung der Klinik zum Wohnort) wichtig.

Patienten sollten sich rechtzeitig darüber informieren, welche Einrichtung Atemwegserkrankungen behandelt. Zusätzlich sollten sie auf Ausstattung, Service und Lage achten und dies in ihrer Entscheidung berücksichtigen. Handelt es sich um eine Anschlussrehabilitation, müssen Betroffene zusätzlich beachten, dass einige Kostenträger weiter entfernte Kliniken nicht bewilligen. Der Grund: Da zwischen Krankenhausaufenthalt und Anschlussrehabilitation nur wenig Zeit liegt, sollten lange Transportwege vermieden werden.

Wunschklinik abgelehnt

Wird der gewünschten Reha-Einrichtung nicht entsprochen, obwohl ein (Fach-)Arzt die Notwendigkeit begründet hat, sollten Betroffene laut Arbeitskreis Gesundheit zuerst prüfen, ob die vom Kostenträger zugewiesene Klinik in medizinischer Sicht geeignet ist. Ist dies der Fall, muss diese vom Betroffenen akzeptiert werden. Hat sich jedoch der Kostenträger mit dem Klinikwunsch nicht angemessen auseinandergesetzt und ist die zugewiesene Einrichtung nicht geeignet, kann Widerspruch eingelegt werden. Unbedingt zu beachten ist, dass die Frist, also der Zeitraum, in dem man Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen kann, eingehalten werden muss.

Quelle: COPD und Asthma 4/2015

04.12.15

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