- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Atemwegserkrankungen - COPD - Therapie - Zertifizierte Weaningzentren

Zertifizierte Weaningzentren

In Weaningzentren werden Patienten mit prolongiertem Weaning von der invasiven Langzeitbeatmung entwöhnt.

Ein wesentlicher Bestandteil der modernen Intensivmedizin ist die Beatmungstherapie. Eingesetzt wird sie bei Patienten mit schwerer Ateminsuffizienz (respiratorischer Insuffizienz), wenn andere Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Lagerungstherapie, Sekretmanagement oder CPAP-Beatmung (englisch: Continuous Positive Airway Pressure – deutsch: kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck) erfolglos waren.

Während der Betroffene beatmet wird, behandeln die Ärzte den Verursacher der Atmungsinsuffizienz. Ungefähr die Hälfte der Zeit, in der die Beatmungstherapie durchgeführt wird, entfallen auf das Weaning (englisch: to wean – deutsch: entwöhnen), also auf die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung. I. d. R. können Betroffene ohne Probleme nach einer kurzen Beatmungstherapie entwöhnt werden. Ein Fünftel der Patienten muss jedoch weiter beatmet werden, obwohl der Auslöser der Atmungsinsuffizienz erfolgreich behandelt wurde. Das Weaning verlängert sich. Man spricht von einem prolongierten Weaning.

Was bedeutet „prolongiertes Weaning“?

Es werden drei Weaningpatienten unterschieden:

  • Können maschinell beatmete Betroffene beim ersten Versuch problemlos entwöhnt werden, spricht man von einfachem Weaning.
  • Ein schwieriges Weaning ist, wenn Patienten ein bis drei erfolglose Spontanatmungsversuche oder bis zu sieben Tage zur Entwöhnung benötigen.
  • Von prolongiertem Weaning ist die Rede, wenn die Entwöhnung erst nach drei erfolglosen Spontanatmungsversuchen oder – wenn die Beatmung länger als sieben Tage angedauert hat – erst nach dem ersten erfolglosen Spontanatmungsversuch gelingt.

Risikofaktoren für ein prolongiertes Weaning sind ein hohes Alter, Atemfunktionsstörungen (respiratorische Funktionsstörungen) sowie Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) des Betroffenen. Für den Behandlungserfolg bei einem prolongierten Weaning ist besonders die enge interdisziplinäre Versorgung der Betroffenen wichtig. So sollen laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin der fehlende multidisziplinäre Ansatz sowie die unzureichende Beachtung der multifaktoriellen Ursachen ein erfolgreiches Entwöhnen von der maschinellen Beatmung verhindern. Auch wenn nur etwa 10 % der Patienten auf den Intensivstationen ein prolongiertes Weaning aufweisen, können diese durch spezialisierte Weaningzentren entlastet werden.

Was macht ein Weaningzentrum?

In einem Weaningzentrum werden Patienten mit prolongiertem Weaning von invasiver Langzeitbeatmung entwöhnt. Betroffene aus anderen Abteilungen oder externen Krankenhäusern werden an solche Einheiten vermittelt. Etwa die Hälfte der Betroffenen mit einem sehr schwierigen Weaningprozess können in solchen Zentren erfolgreich entwöhnt werden.

Welche Kriterien muss ein zertifiziertes Weaningzentrum erfüllen?

Um als Weaningzentrum zertifiziert zu werden, müssen Einrichtungen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin vorgegeben werden. So muss beispielsweise der Leiter des Zentrums oder der verantwortliche Oberarzt Facharzt für Pneumologie sein. Weiterhin werden Vorgaben zur Personalausstattung gemacht. An mehr als zehn Stunden pro Tag muss ein Arzt anwesend sein. Physiotherapie muss täglich und – wenn notwendig – auch zweimal am Tag angeboten werden. Die am Weaning beteiligten Ärzte sollten mindestens einmal im Jahr, alle anderen Berufsgruppen mindestens einmal im Vierteljahr an einer Fortbildung teilnehmen. Die Expertise wird durch eine bestimmte Anzahl an behandelten Patienten sichergestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin fordert zudem ein integriertes Behandlungskonzept. Hierfür müssen eine Intensivstation bzw. Betten sowie eine Station für häusliche Beatmung in dem Zentrum vorhanden sein. Eine spezielle Weaningstation oder spezialisierte Betten sollte den besonderen Anforderungen der Entwöhnung gerecht werden. Sie muss technisch (z. B. übliche nichtinvasive und invasive Beatmungsverfahren) und personell so ausgestattet sein, dass bei lebensbedrohlichen Notfällen umgehend und angemessen reagiert werden kann. Zudem muss ein Tag/Nacht-Rhythmus für Patienten, ein Lärmschutz-Patientenzimmer, ausreichend Raum für z. B. Sitzgelegenheiten, Besucher sowie Physiotherapie (außerhalb des Bettes), Ein- und Zwei-Bett-Zimmer sowie Übernachtungsmöglichkeiten (z. B. Hotel) für Angehörige in der Nähe vorhanden sein. Patienten und Angehörige müssen des Weiteren von dem Weaningzentrum oder externen Dienstleistern geschult werden.

Quelle: COPD und Asthma 4/2015

07.12.15

Newsletter An-/Abmeldung

Code: ZTNW