- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Neurologie - Multiple Sklerose - Therapie - Zukünftige MS-Therapie

Zukünftige MS-Therapie

Interview mit Prof. Dr. Bernhard Hemmer

Herr Prof. Dr. Bernhard Hemmer, für die Therapie der schubförmigen MS sind 2013/2014 neue Medikamente auf den Markt gekommen – die oral einzunehmenden Arzneimittel Dimethylfumarat, Fingolimod und Teriflunomid. Und auch Peginterferon-beta-1a (PEG-IFN), das in größeren Abständen injiziert werden kann als das etablierte Interferon-beta-1a (IFN-beta), wurde von der Europäischen Kommission Ende Juli zur Behandlung der schubförmigen MS zugelassen. Welche Auswirkungen hat die Zulassung dieser neuen Medikamente auf die Behandlung von MS?

Nach den Leitlinien sind die Substanzen Teriflunomid und Dimethylfumarat als Basistherapeutika einzustufen und können deshalb wie IFN-beta und Glatirameracetat eingesetzt werden. Fingolimod ist nicht für die Basistherapie zugelassen und lässt sich deshalb eher mit Natalizumab und Alemtuzumab vergleichen.

Die Wahl eines Medikaments in einer Indikationsgruppe ist immer eine individuelle Entscheidung, die stark von den Bedürfnissen des Patienten geprägt ist. Neben der Art der Anwendungen stellen die spezifischen Nebenwirkungen jeder Substanz, aber auch das vermeintliche Sicherheitsprofil eine wichtige Grundlage für die Entscheidung dar. Entsprechend spielen die neuen Substanzen eine zunehmende Rolle, die älteren Substanzen werden aber wegen des kalkulierbaren Nebenwirkungsprofils weiterhin häufig eingesetzt. PEG-IFN stellt insbesondere für Interferon-beta-1a behandelte Patienten eine interessante Option dar.

Daneben wird stark nach weiteren Therapien geforscht. Wie schätzt das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) die Chance ein, dass es in absehbarer Zeit eine Therapie gibt, bei der Stammzellen eine Rolle spielen? Es gibt ja Indizien, dass bestimmte Proteine in den Zellen eine Remyelinisierung bewirken bzw. die Myelinproduktion ankurbeln könnten, sodass u. U. Umständen das Fortschreiten der MS gestoppt werden könnte.

Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Stammzelltherapien, die Nerven und Gliazellen ersetzen, in den nächsten zehn Jahren eine große Rolle spielen werden. Eine Ausnahme stellen möglicherweise hämatopoetische Stammzellen und mesenchymale Stammzellen dar. Remyelinisierungsstrategien werden sicher in den nächsten zehn Jahren auch in klinischen Studien untersucht werden, allerdings sind wir auch hier weit von einer klinischen Anwendung entfernt.

Wie sieht es mit der Therapie nach Maß aus? Gibt es bereits Neues davon, wie mithilfe von Biomarkern z. B. aus dem Blut erkannt wird, welche Therapie für welchen MS-Patienten besonders geeignet oder nicht geeignet ist?

Es gibt hierzu keine wirklichen Neuigkeiten. Grundsätzlich sind zwei Biomarker in der Praxis fest etabliert. Neutralisierende Antikörper gegen IFN-beta oder Natalizumab zeigen ein Therapieversagen an, JCV-Antikörper helfen beim Einschätzen des Risikos für progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) unter Natalizumab.

Die Kooperation der Hertie-Stiftung mit der Myelin Repair Foundation soll über ein neues Forschungsmodell die Entwicklung neuer MS-Medikamente beschleunigen. Das Projekt befindet sich in der Aufbauphase, Wissenschaftler werden dafür gewonnen, Kooperationen mit der Pharmaindustrie geknüpft. Es scheint, dass sich auf dem Gebiet der Entwicklung von MS-Therapien im Moment insgesamt sehr viel tut. Ist das korrekt?

Ja, das ist korrekt. Aber weiterhin liegt der Fokus auf anti-entzündlichen Therapien. Gute Kandidaten für Neuroprotektion und Regeneration gibt es immer noch wenige.

Sind weitere Medikamente zur MS-Therapie in Deutschland in der Pipeline?

Ja. Ocrelizumab und Ofatumumab (B Zell Depletion), Daclizumab (IL2R Modulation), sowie verschiedene S1P Rezeptor Modulatoren.

Herr Prof. Dr. Hemmer, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Quelle: Befund MS 3/2014

29.01.15

Newsletter An-/Abmeldung

Code: WJDU